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Der Israelit · 1894-11-08 · Heft 87 (8.11.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 87 (8.11.1894)
Date
1894-11-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1619 meinem Herzen nahe, tiefe Liebe und freundliche Zuneigung verbindet mich mit Euch, und Euch mit mir, aber in meinem Lande soll auch vollste Freiheit herrschen, und deßhalb ist meine erhabene Gattin noch nicht geschmückt mit der Krone der Königin von Polen, obgleich in der Kirche ihr die Krone schon auf das Haupt gesetzt wurde, so hat sie dennoch dieselbe abgelegt, um sie von Euch erst zu erbitten, erhabener Rath des großen Polens, und ich verkünde Euch nun, daß es mein Wunsch und mein fester Wille diese da mit Namen Esterka zu erheben zu meiner Gemahlin. Seht, mein Lebensglück hängt davon ab; ich hätte ja befehlen können, es soll so sein, und es wäre geschehen, aber ich liebe Euch zu sehr, meine Edlen und Getreuen, als daß ich Euch befehlen wollte. Vielmehr komme ich, der König, um Euch zu bitten. Viel habe ich für dieses Land und für dieses Reich gethan; es ist wohl Keiner unter Euch, der es mir nicht gerne zugestehen will. Unser schlimmster und gefürchtetfter Feind, der Zar von Rußland hat mit gewaltiger Kriegsmacht unser Land überzogen, und wo er hinkam, da floß das Blut in Strömen. „Blühende Dörfer hat er zerstört und herrliche Städte in Schutthaufen umgewandelt, und ich, an der Spitze meines Volkes, ich zog ihm entgegen, eingedenk der großen Thaten, die mein Vater Wladyslaw Loketeks für Euch gethan und des erhabenen Beispiels, das er uns gegeben, und so ist es uns gelungen, unseren Erbfeind Rußland zu besiegen und ihn niederzuwerfen, daß er sich nicht mehr erheben konnte, und die schöne blühende russische Provinz mit der Hauptstadt Lemberg, die an unser Reich stößt, wir haben sie erobert und haben sie einverleibt dem Reiche Polen, und mit dem König Johann von Böhmen, der Rechte vorgab an Landestheilen von Polen, habe ich einen Vertrag abgeschlossen, wonach er alle seine Anrechte aufgeben mußte und so habe ich Polen frei gemacht auch von diesem Feinde. Und zuvor schon sind die deutschen Ritter eingefallen in das Königreich Polen, um dasselbe zu erobern und sich unterthan zu machen, und es ist mir gelungen die Hilfe des Papstes auf unsere Seite zu bringen und er hat den deutschen Rittern befohlen sich zurück zu ziehen und Schadenersatz mußten sie uns leisten, und so habe ich Euch auch von diesem Feinde rühmlichst befreit und Polen zu einer Macht und Größe verholfen, die es vordem nie besessen, und Ihr wißt auch Alle, daß sich das große Reich Schlesien an uns gewendet hat um Schutz vor Rußland, und auch Schlesien habe ich besetzen lassen durch meine Krieger, und Schlesien gehört jetzt zu uns. Auch das Reich Massovien hat Boten gesendet, da es lieber unsere Oberhoheit anerkennen will, als die von Rußland, und auch dieses Reich ist uns unterthan geworden. Ein großes Gesetzbuch habe ich Euch gegeben und habe' alle die Rechtsverhältnisse des Landes geregelt, unter Theilnahme der gelehrtesten und erfahrensten Männer dieses Landes, und wohin Ihr auch Eure Augen richtet, nach Süden, nach Norden, nach Osten und Westen, Ihr werdet kein Reich finden und kein Land, das solche Gesetze hat, wie das Königreich Polen und in dem Recht und Frieden so gesichert ist, wie bei uns. „Dieses Alles habe ich für Euch gethan, und nun frage ich Euch, ist es nicht Großes und Gutes, was ich für Euch vollbracht und wer von Euch kann aufstehen und sagen, daß ich nicht stets mit voller Kraft eingetreten bin für die Größe und Herrschaft Polens, daß ich nicht bei Tag und Nacht gearbeitet und gewirkt, um es zu erhöhen, der stehe auf und spreche." Die Rede des Königs hatte einen gewaltigen Eindruck auf die Versammlung hervorgerufen. Ja, es war wahr, das mußten auch die Feinde zugestehen, ein so großer und edler Herrscher hatte nicht gelebt vordem und in diesem Augenblicke war aller Unwille gegen den König vergessen und es bemächtigte sich ihrer einen Augenblick lang eine begeisterte Stimmung und Alle riefen: „Es lebe Kasimir der Große, der edelste Herrscher, der je über Polen regierte!" „Nun denn," rief Kasimir, und seine Augen blitzten, „nun denn, wenn Ihr anerkennt, wie vieles ich für Euch gethan, wenn ich mich ganz geopfert habe dem Wohle dieses Reichs, so ist es doch auch wohl nicht unberechtigt und nicht unfaßbar, wenn ich jetzt vor Euch hintrete und auch für meine Person, etwas für mich erbitte; seht hier, das ist Esther, ohne die ich nicht leben kann. Sie ist mein Lebensglück, sie ist die Freude meiner Augen, die Wonne meines Daseins. „Wenn ich sie verlieren müßte, könnte ich nicht weiter herrschen und lieber wollte ich sterben, als auf sie verzichten. Und Ihr Edlen und Großen, so trete ich jetzt vor Euch hin mit einer Bitte, ich Euer König falte die Hände und spreche zu Euch, seid gut zu mir, wie ich gut zu Euch war. „Ich habe Gnade geübt gegen Jeden, der sich gegen mich verfehlt hatte, seid auch Ihr freundlich und gütig gegen mich." Der König ergriff von dem Tisch einen goldnen Reif und hielt ihn empor. Zur Versammlung aber rief er: „Hier ist die Krone der Königin von Polen, ich will sie vergeben nach freier Wahl meiner Gattin Esterka. „Polen, ich frage Euch, ist einer unter Euch, der mir meinen Herzenswunsch versagen will, der

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