Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1894)
- Date
- 1894-11-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1618 von Esthland führte er in den Ostseeprovlnzen die russische Sprache, die russische Polizei, das russische Gericht und die russische Schule ein. Bei den Panslavisien erfreute sich der Verstorbene deßhalb der größten Beliebtheit; den Deutschen und den Andersgläubigen im Reiche war er ein unbarmherziger Verfolger. Griechenland. (J.) Korfu, 4. October. «?' D^yn roow hwi .ti6 pi>n vn!,. Nach den schönen Lchren unserer Weisen haben die Tugendhaften aller Nationen Antheil am jenseitigen Leben, und zu diesen Tugendhaften dürfen wir kühn auden vor einigen Tagen verstorbenen griechischen Erzbischof der Insel Zante, Monsignor Dyonisius Lata, dessen judenfreundltche Grstnnung doch allgemein bekannt ist, rechnen. Besonders hatte derselbe seine judenfreundliche Gesinnung während der jüngsten Judenverfolgungen hier manifestirt, wo er nicht müde ward, von der Kanzel herab den Ritualmord als ein dummes, blödes Märchen dazustellen. Kaum war hier die Nachricht etngetroffen, daß dieser würdige christliche Obrrhirte seine Augen geschlossen, so schickce unsere Eultusgemeinde ein Beileidstelegramm an die Stadt Zante und betraute sie auch unser Vorstandsmitglied, Dc. Vazzaro Bellelt, sich nach dieser Insel zu begeben, um an deffen Leichenbegängniß theilzunehmen. Auch einer der hiesigen Rabbiner, Rabbi Salomon Levi, der eben in Zante weilte, wohnte dem Leichenbegängnisse bei und schritt er dabet in seine Amtstracht gekleidet zwischen dem Bürgermeister und dem Präfecten. Bemerken will ich noch, daß der Verstorbene die Bibel im Urtexte lesen konnte, er hatte sich die Kenntniß des H.bräischen während seines Aufenthaltes in Jerusalem, wo er seine theologischen Studien machte, angeeignet. Selbstverständlich war die von ihm redigirte griechische kirchliche Zeitschrift „Zion" vom Geiste der Duldsamkeit gegen die Juden durchweht, und kämpfte er so auch mit der Feder gegen unsere Feinde. Vermischtes. -4- München. Herr Dr. m«ä. Perles, ein Sohn unseres im vorigen Jahre verstorbenen Rabbiners, ist im kaum vollendeten 28. Lebensjahre einer Leichenvergiftung erlegen. Der Tod des jugendlichen Gelehrten, welcher als Ophthalmologe sich bereits einen Namen gemacht hat und zu den größten Hoffnungen berechtigte, erregt ungetheilte schmerzliche Theilnahme. Herr Dr. Perles nahm die Diagnose an sich selbst vor, theilte dem herbeigeeilten Artzte mit, daß er innerhalb drei Tagen sterben werde und bat ihn, es seiner Mutter schonend mitzutheilen. Württemberg. Durch Verfügung des K. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 19. v. M. ist daS erledigte Rabbinat Laupheim dem Religionslehrer Rabbiner Dr. Treitel in Karlsruhe übertragen worden. Oberlauriugeu (Unlieb verspätet.) Die hiesige israel. Gemeinde hat einen schweren Verlust zu beklagen. ' Nach nur kurzer Krankheit wurde unser geliebter und allseitig geehrter Lehrer Herr M. L. Ledermann?"t, der 24 Jahre die Lehrer- und Vorbeterstelle hier in der gewissenhaftesten Weise bekleidete, im besten Mannesalter durch einen Herzschlag plötzlich dahin gerafft. Der Verblichene war ein Mann, geschmückt mit seltenen Tugenden, ausgezeichnet durch einen unerschütterlichen Charakter, ein rpm DiPtP am« Di?ty im wahrsten Sinne des Wortes, einer jener immer seltener werdenden Männer, die das eigene Interesse dem Gesamtwohl unterordnen, dem ein y\lD ottf mehr galt, als materieller Erwerb. Die Herren Rabbiner Dr. Deutsch und Lehrer Plaut, Burgpreppach, Lehrer Sänger, Kleineibstadt, Lehrer Goldstein, Maßbach und der Vorsitzende des Vorstandes des Bezirkslehrervereins Stadtlauringen sprachen am Grabe tiefbewegte Worte. n"2yjn Gailinge«, 25. September. (Unlieb verspätet.) Zur Schriftstelle min -p'l JDIP 1N3D UPV’ nsh bemerkt Raschi, daß mit dem Scheiden des Frommen und Tugendhaften aus der Stadt auch ein Theil ihres Glanzes und ihrer Pracht schwindet. An diese treffende Bemerkung Raschis werden wir unwillkürlich erinnert, wenn wir an den Wegzug unseres geliebten Freundes, des Herrn E. D. Moos von hier denken, der vor einiger Zeit nach Frankfurt a. M. überstedelte. Herr Moos, welcher sich stets durch seinen einfachen und biedern Charakter auszeichnete, hat sich hier ein unverlöschliches Andenken gesichert. Namentlich wird uns unvergeßlich bleiben, was er für DHDn niP’DJl min geleistet, wie er stets bestrebt war, die Fahne des orthodoxen Judenthums in unserer Gemeinde hochzuhalten. Er gehörte hier zu denjenigen, die zu jeder Zeit bereit sind, mit allen Fasern ihres Herzens und allen Regungen ihres Geistes für unsere heilige njlöN einzutreten. Möge es ihm in seinem neuen Heim recht gut gehen, möge ihm n"3pn auch dort nmm Pro zu allen seinen Unternehmungen senden. Mehere Freunde. Pest, 30. Oktober. Die Ausschüsse des ungarischen Magnatenhauses haben die Gesetzentwürfe über die freie Religionsübung und über die Reception der Juden angekommen. Feuilleton. Esterka, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 40.) (Nachdruck verboten.) König Kasimir begann zu reden: „Würdige, mächtige, edle Herren, meine Vettern, meine Freunde und Ihr hochehrwürdiger Erzbischof, Bischöfe und Paladine, wie Ihr Landboten und edle Abgesandte der Republik Polen seid mir gegrüßt ihr Alle, Alle, die ihr Euch hier versammelt habt, gemeinsam mit mir das schönste Fest zu feiern, das ich je in meinem glücklichen Leben beging. „Weit schweift mein Auge über Eure Menge dahin und mit Freude, mit wahrhaft herzlichem Entzücken erkenne ich, daß schier keiner von allen meinen lieben Edlen und Getreuen fern geblieben, wo es galt den Willen des Königs zu ehren. „Ja, ich sehe es, ich stehe Eurem Herzen nahe und ich kann Euch versichern, auch Ihr Alle stehet