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Der Israelit · 1894-11-08 · Heft 87 (8.11.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 87 (8.11.1894)
Date
1894-11-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1616 Am Vorabend des pn 01» wurde mit dem Orgelgottesdlenst begonnen; aber .i"3 es fanden sich noch welche, die sich durch Drohungen nicht einschüchtern ließen und einem solchen Gottesdienst oder beffer Musikdienst nicht beiwohnen wollten. Als Organist fungirt ein naj und als Chordirigent Jemand, der eine rroj zur Frau hat. Schöne Zuüände in einer n^np wie Krotoschin, wo solche d^yih d'jikj gelebt haben! Außer der Orgelsynagoge cxistirt in diesem Städtchen ein man rva und eine kleinere Synagoge (sog. Fleischerlchnle). Da das n"3 für dte Theilnehmer zu klein war, richtete Herr Rabb. Dr. Baneth das Gesuch an den Vorstand der Fleischerschule, dieselbe den paar Frommen während der dww ll'v' zu überlassen. — Das Gesuch wurde abschlägig b schieden und zwar durch die entscheidenden Sümmen des Eierhändlers Abrah. Schmul, welcher zugleich stellvertretendes R^präsentantenmitglred ist und des Fleischermeisters Tobias Cohn. — Die Synagoge blieb geschlossen! Man wollte die wenigen Frommen dadurch mit Gewalt zwingen, dem Orgelgottesdienst beizuwohnen. — Aber nmo msio ■ob' man fand einen Ausweg. Die Herren mietheten auf eigene Kosten einen Saal und konnte Jeder — Herren und Damen — welche dte Orgel scheuten, diesem Gottesdienste beiwohnen. Derselbe fand unter Anwesenheit des Herrn Dr. Baneth statt, und wurde in altüberlieferter Weise, mit großer Andacht und sehr feierlich abgehalten. — Möge Herr Rabbiner Dr. Baneth recht bald eine recht gute Stelle finden, woselbst er nach seiner Gesinnung, im Geiste unser min ntcmpn und im Sinne des überlieferten echten Judenthums wirken kann. — vra rv^to 'ti! — Ich habe Ihnen bis jetzt von der Neugestaltung des Gottesdienstes erzählt; nun ist es aber doch noch nöthig, Ihnen von der Person zu erzählen, welche den Gottesdienst leitet; ich meine Herrn Cantor Sacher. Herr Sacher erkühnt sich zu behaupien, das Fasten am HB'3 cw sei nur ein und kein l'i, denn in .Typ» Kapitel 58 moen von 3*» mrw heißt es: rp^n ipb: üih n^y ov imrüN dv* rvrp nran;ib psn ovi O'B topn n^n ~bni p»i itwn jidjko Heir Kantor Sacher sprach auch davon, daß er am 3"' die Haptlwra deutsch verlesen wird, damit das Publ kam dieselbe verstehe. Er hat solches jedoch wohlweislich unterlassen. Ganz abgesehen davon, daß Herr Sacher, welcher auch den Religionsunterricht mit zu versehen hat, den Sinn der Haphthora durchaus nicht versteht, ist es wirklich himmelschreiend, wie Jemand sich erdreisten kann, an den D'NTun v'v' als n^sn Vya zu fungiren, der behauptet, man brauche 3"' nicht zu fasten; das Fasten am 3"' sei nur ein und kein in. — Jeder Commentar überflüssig. — Schließlich bemerke noch, daß die Chorsänger m, während des Mussaph - Gtbetes sich im Tempel am Cognac labten. Was wird wohl der Herr Organist — ein Christ — dazu sagen? Solch eine Aufmerksamkeit wird wohl den Chorsängern in der Kirche nicht zu Theil, solch eine Coulanz wird ihm wohl neu gewesen sein. Und wie wird wohl jeder anständige Mensch darüber urtheilen? Herr Cantor Sacher hat 3"' als byz n^sn in Stiefeln fungirt mit der Motivirung, er erachte es als eine Entheiligung des Gottesdienstes, nicht in Stiefeln zu beten. Die Herren Chorsänger — Schüler des Cantor Sacher — erachten es insu ssen nicht als eine Entheiligung des Gottesdienstes während rpm am n^n sich mit Cognac zu stärken. Auch nahmen die Herren Chorsänger keinen Anstoß daran, am rüff (Freitag Abend) im Tempel zur Chorprobe eigenhändig Licht anzuzünden und auszulöschen. Vielleicht würde Herr Cantor Sacher dte Güte haben, seinen Chorsängern, auch den Schluß der Haphthora vorzulesen, nämlich : 3'Bti dn . nait6 nu’na aai^a pe i? N-rpi jiy rüffV nmpi ’BHp cra *piDn rotpy ^V:n nat^c 33-n 12BN NISÖD 1'33N fiWyO inN331 “I33D "i B'HpV 1'n^ar<ni ps ’niD3 by ,mi by Jjynn tn nan .in "i D '3 ja« 3py „Man nennt Dich — den, der zäumt und dämmt den Riß, der weg- und wohnbar macht die Pfade. Wo Du anhälst am Sabbat Deinen Fuß, nicht verrichtest Dein Geschäft an meinem heiligen Tage und nennst den Sabbat eine Lust, dem heiligen Gott zu Ehren, und ehrest ihn und nicht Deine Gänge machst und Dein Geschäft betreibst und eitle Reden; da wirst Du Dich freuen über Deinen Gott, und ich setze Dich auf die Höhen der Erde und Du wirst zu genießen haben das Erbe Deines Vaters Jakob, — denn das spricht Gottes Mund." Einsender dieses wünscht eine Besserung von vollem Herzen und vielleicht bewirken die Berliner Predigten, welcher Herr Sacher von der Kanzel herab der Gemeinde vorliest, recht bald eine solche, da sich ja Herr Cantor Sacher stellvertretender Rabbiner tiiulirt! Soeben erfährt Einsender, daß in der letzten Vorstands- und Rcpräsentantensttzung die Einführung eines Damenchors beschlossen wurde. Ebenso, daß Herr Salomon Daniel sein Amt als Vorstandsmitglied nicdergelegt hat. Einsender dieses beglückwünscht Herrn Salomon Daniel zu seinem Entschluß! Eine Trennung in der Gemeinde Krotoschin wäre wohl das Allerrtchtigste und wird sicher nicht lange mehr auf sich warten lassen.

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