Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1894)
- Date
- 1894-11-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448490--39562-2487717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1615 Nun ist alles vorüber und der arme Mann, dessen gespartes Vermögen bei der plötzlichen Ausweisung verloren ging, muß nun von Stadt zu Stadt und von Ort zu Ort ziehen, zu alt um sich eine neue Existenz zu begründen, auf die milden Gaben seiner Glaubensgenoffen angewiesen. Als er hier mit fast Thränen erstickter Stimme die Bitte, usra nojns ibdi zum Himmel emporsandte, da war kein Auge thränenleer und eine tiefe Ergriffenheit bemächtigte sich der Andächtigen. Auch während der diesjährigen Feiertage trat eine Milderung in den Maßnahmen gegen die Moskauer Juden nicht ein. Minjanim zu veranstalten war auf das Strengste verboten. Das Einzige, wa8 gestattet war, war dasjenige in der Privatst)uagoge Poljakoffs, in welcher von den Kaufleuten erster Gilde, die noch in Moskau wohnen dürfen, einzelne Plätze bis zu 300 Rubel bezahlt wurden. Eine Anzahl unserer Glaubensgenossen versuchte am Jom Kippur einen Gottesdienst in dem nahgelegenen Walde zu veranstalten, doch wurde ihr Unternehmen vereitelt, da sie noch rechtzeitig in Erfahrung brachten, daß die Polizei davon Kenntniß erhielt. Die bereits in den Wald gebrachten Thorarollen wurden in den Gebüschen versteckt und als die Polizisten am heiligen Tage an der ihnen bezetchneten Stelle im Walde erschienen, fand sie Niemanden vor. Viele unserer Glaubensgenossen von Moskau fuhren extra nach Warschau oder Odessa, um während der Feiertage an einem gemeinschaftlichen Gottesdienste theilnehmen zu können. Großfürst Sergei hat auch während der Krankheit des Czaren seine Gesinnung gegen die Juden nicht geändert. Ein in Moskau lebender, bedeutender jüdischer Künstler war beauftragt im Schlosse des Großfürsten den Plafond mit Malereien zu versehen. Als der Großfürst nach den Fortschritten der Arbeit sah und er seine hohe Befriedigung über dieselbe ausdrückte, wurde ihm bet dieser Gelegenheit der Künstler vorgeftellt. Als der Großfürst sich bei ihm erkundigte, wieviel Zeit wohl noch bis auf die Fertigstellung der Arbeit hingehen könne, antwortete der Künstler: „Kaiserl. Hoheit, ich kann es nicht genau bestimmen, aber in einigen Wochen muß ich laut Ausweisungsbefehl diese Stadt verlassen." „Dann spute Dich so viel wie möglich," sprachs und wandte ihm den Rücken. Berlin, 3. November. Die Regierungspräsidenten zu Hannover und zu Martenwerder hatten vor etwa Jahresfrist Schächtverbote wegen der nach einer verbreiteten Anschauung mit dieser Schlachtmethode verbundenen Thierquälerei erlassen. Auf Grund der deshalb vom Minister des Innern veranlaßten Erhebungen hat dieser im Einverständniß mit dem Kultusminister, der „Weser-Ztg." zufolge, jene Verbote wieder aufgehoben. Aus der Provinz Posen, nin idik p n*ö rmy tiixdp nayn zv mm r6p mxoV p .7113p .113p 13BH niSD USD 13V0 ,7113p nilU 7I13P1 Ben Asai sagt: Laufe einem leichten Gebote nach und flüchte vor der Sünde, denn ein Gebot zieht ein anderes Gebot nach sich, und eine Sünde zieht eine andere Sünde nach sich, denn der Lohn der Mizwoh ist eine Mizwoh und der Lohn der Aweroh eine Aweroh. Wie schön bewahrheitet sich dieser Spruch eines Weisen im menschlichen Leben. Auch zeigt sich dies so recht in der Synagogen Gemeinde Krotoschin. rin -|bo Dpi — ein neues Regiment kam bet der letzten Vorstands- und Repräsentantenwahl vor 2 Jahren ans Ruder; ein neues Regiment dH irx rpv m pi', das von Rabbi Joseph Caro und seinem Schulchan Aruch Nichts wissen will. Ohne Wissen des hochverehrten Herrn Rabbiners von Krotoschin. des Herrn Dr. Baneth, ohne ihn vorher um seine Meinung zu befragen, hat man die Aufstellung einer Orgel beschlossen; die erste der Provinz. Fürwahr weit vorangeschritten bist Du, o Krotoschin, Stadt von 10,000 Einwohnern in der menschlichen Kultur. Trotz des heftigsten Widerstands von Setten des Herrn Dr. Baneth wurde die Aufstellung der Orgel mit aller Energie von der Gegenpartei durchgeführt; trotz verschiedener Proteste an eine Hohe Königliche Regierung siegte die orgelfreundliche Partei, denn ihre Brummbässe übertönten die 3py kx>. Und so hat denn Herr Rabbiner Dr. Baneth, welcher schon 13 Jahre in Krotoschin wirkt und mit allen Tugenden eines jmoi nox rx aus gestattet ist, seine Stelle gekündigt, ohne eine andere Stelle zu haben, nur um nicht einem reformirten Gottesdienst beiwohnen zu müssen! Und mit welchen Mitteln kämpft man daselbst, um die wenigen Frommen sich zu gewinnen. Man droht ihnen mit Entziehung der Kundschaft; ja man hat Leuten die Kundschaft entzogen, die sich den Frommen hingenetgt, die nicht im Sinne des «tnn gehandelt haben. — Auch Vereinsgelder hat man zur Renovation der Synagoge verwandt: Gelder, die zur Unterstützung unserer armen russischen Glaubensbrüder gesammelt waren und zur Abwehr des Antisemitismus. Hat man denn unsere armen russ Brüder und den Verein zur Abwehr des Antisemitismus um Erlaubnis gefragt?? Nein! — Das Geld war fremdes Geld, und stand den Krotoschinern Gemeinde Mitgliedern kein Recht zu, über dasselbe anderweitig zu verfügen. —