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Der Israelit · 1894-11-05 · Heft 86 (5.11.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 86 (5.11.1894)
Date
1894-11-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1804 Herolde traten hervor und wunderschöne Pagen und stellten sich auf zu beiden Seiten des Thrones. Dann betrat der Kastellan von Krakau den Saal, ein großes,"goldenes Scepter in seiner Hand und stellte sichZinnittteri des Saales auf. Er winkte mit dem Stabe und die Musik schwieg. Dann ries cr mit lauter Stimme, daß es durch den ganzen Saal dröhnte: „Vivat Kasimir, Magnus Rex Poloniae“, und wie ein Echo in einer dumpfen Bergesschlucht es wiedergibt, gepreßt und niedergedrückt, so scholl es in tiefen Tönen aus der ganzen Runde: „Es lebe König Kasimir, der König Polens." Und dann öffneten sich wiederum die Thore und weiß gekleidete Mädchen streuten Blumen, und es erschien König Kasimir, auf seinem Haupte die Krone, und an der Hand führte er seine himmlisch schöne Gattin. Doch auf ihrem Haupte war kein Diadem, und alle Großen des Reichs erhoben sich und verbeugten sich tief und König Kasimir führte Esther nach des Thrones Stufen und sie setzten sich und alle Großen des Reichs saßen nieder, dann erhob sich der Kanzler Melchtin und athemlose Stille herrschte. Der Kanzler nahm eine der Urkunden, die auf dem Tische lagen und begann zu lesen. Er theilte Allen mit, daß von allen Mägden des Landes nur Eine Wohlgefallen gefunden habe in den Augen des Königs und daß diese eine Jüdin gewesen sei, Esther mit Namen. Daß der König sie gewählt habe zm seiner Gemahlin, und daß Esther den Jrrthum ihres Glaubens eingesehen und dem falschen Gotte abgeschworen habe und etngekehrt sei zu dem reinen Glauben des Chriftenthums, und nachdem sie nun die Taufe empfangen habe, da sei kein Hindcrniß mehr gewesen, daß der König sie zu seiner Gemahlin erwählt; er habe sie zu einer Fürstin ernannt und habe beschloffen, daß sie ebenbürtig sein solle dem Blute des Königsstammes der Piasten, und nachdem er sie so erhoben, habe er sie zur Gattin erwählt, der würdige geistliche Pater Dominikus habe in der Sebastiankirche nach den Gebräuchen, Vorschriften und Gesetzen des Christenthums Kasimir und Esther vereint für das ganze Leben. Und nun, nachdem die kirchliche Ceremonie vorüber, und Esther die rechtmäßige Gemahlin des Königs geworden sei, wie die Urkunde es aufweise, die auf dem Tische zu Jedermanns Einsicht liege, jetzt habe der König beschlossen ein großes Fest zu feiern zu Ehren seiner Gemahlin und sie mit eignen Händen und vor allem Volke zu schmücken mit der Königskrone. Nachdem der Kanzler fertig geworden war mit dem Vorlesen seiner Schrift, herrschte eine tiefe unheimliche Stille im Saale. Jedes Angesicht war noch finsterer geworden wie zuvor, und fester umspannte die rechte Faust den Griff des Schwertes. Nachdem die Stille eine Zeit lang gedauert, da entstand ein leises tiefes Murmeln; nirgendswo hörte man einen Laut der Zustimmung zu der That des Königs. Wiederum erhob der Kastellan von Krakau den Stab und wiederum entstand die tiefe, düstere Stille von vordem. Da stand König Kasimir selbst auf von dem Throne und Alles ringsum erhob sich von den Sitzen und schaute mit gespanntester Aufmerksamkeit nach dem Antlitz des Königs. _(Fortsetzung folgt.)_ Wochen - Kalender. Freitag, 9. November, 10. Cheschwan. Sabbat-Anfang in Mainz 4 Uhr 30 Min. (M. E. Z.) 10. November, 11. Cheschwan "p Sabbat-Ausgang in Mainz 5 Uhr 30 Min. (Ll. E. Z.) Der „3 t a e U t" erscheint wöchentlich zweisral, Montags und Donnerstag-, jedeSmal in mindesten« zwei Vogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man aboömirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch it> Duchhaudei M kqitjßtt bei L. F D1 r i u » di f X« Leipzig, Koßptah 16. — Inserate S5 Pfennig di« viergespaltene Petitzetle oder deren Raum. — Oestrrreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Ssterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Ei»< ViScksendnng »»« an die Redactton ringesandte« Manuskripte« findet nicht statt, «au kittet deshald sich von alle« Sinsendnngen ei»e Copie znrstckznbehalte«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Wahrhaftigkeit und die Ethik des Judenthums. Von Rabb. Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Bad Ems. Mannheim. — Oesierr.-Ungar. Monarchie: Wien. Brünn. — Schweiz: Basel. — Amerika: Washington. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka. Königin von Polen. Historische Erzähl,mg von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitende Artikel: Zum Thronwechsel im Russischen Reiche. — Zur russisch-jüdischen Auswanderung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Denttchland: Gießen. Leipzig. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. —^Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aclien-Gesellschast in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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