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Der Israelit · 1894-11-05 · Heft 86 (5.11.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 86 (5.11.1894)
Date
1894-11-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1601 zum Vater, der nicht todt ist, der im Reiche der Ewigkeit weilt, gelöst." (Einen Tag später:) „Demnach ist meinen Kindern die Richtung gegeben, die sie einzuschlagen haben. Sie haben sich in den Gemeinden, wo sie leben, den frommen Kreisen gesellschaftlich anzuschlietzen. Denn eS fallt ungemein schwer, ja ist fast undenkbar, seinen Grundsätzen in steter Umgebung Andersgesinnter Treue zu bewahren." „Eine Tugend hebe ich meinen Kindern hervor, welche die Menschen beglückt und zu einem würdigen und geachteten Gliede der Gesamtheit gestaltet; es ist die Wahrheitsliebe: sie unausgesetzt und consequent Pflegen, ist die Quelle vielen Heils. Nichts fällt schwerer, als die Wahrheit im Herzen und Munde stets zu führen und unentwegt auf ihrem Boden zu verharren, aber nichts ist süßer, als das Bewußtsein dieser Pflicht." (Mehrere Tage später:) „Es hat ein Vater, der seine Kinder der strengreligiösen Richtung erhalten will, kurz vor seinem Tode viel zu sagen; jedoch, wollte ich Alles, was ich im Herzen habe, niederschreiben, es bedürfte einiger Wochen. Mit dem Schlußworte Tprrr i'wya nehme ich von Euch Abschied, und Gottes Segen beglücke Euch." Nun er dahingangen, nun er ausgerungen, der heldenhafte Dulder, nun erst erkennen wir die ganze Schwere des Verlustes, der uns betroffen, und ganz Israel mag in Trauer sein Haupt verhüllen, da ein so reichbewährtes, segenspendendes undverheißendes Leisten und Vollbringen erlosch „wie die Sonne am Mittag," da ein Stern erblich, der von der Fülle seines Lichtes noch lange hätte spenden können allen denen, die dieses Lichtes so bedürftig sind. Am Montage wurde die sterblichen Neste des Herrn Dr.'Nathan Deutschländer zur letzten Rübe bestattet. Ungezählte Schaaren hatten sich denn auch schon lange vor der festgesetzten Zeit in der weiten Leichenhalle des Begräbnißplatzes der Israelitischen Syuagogen-Gemeinde (Adaß Jisroel), von der aus die Beisetzung erfolgen sollte, eingefunden, und als dann das Ende der dritten Stunde herannahte, nahm das Gedränge einen so beängstigenden Charakter an, daß Hunderte es vorzogen, trotz des Unwetters, das als düsterer Begleitchor zu der ernsten Feier dadrinnen tobte, im Freien stehend, den Rednern, die an der Bahre sprachen, zu lauschen. Als erster rang sich Herr Rabbiner Dr. I. Hildesheimer mit thränenerstickter Stimme Worte dcs Nachrufes für den dahinaegangenen Schüler ab, die dessen vornehmen, edlen Charakter, sein Wirken für Idora, Abodah und Gemilluth Chassodim in kurzen, scharfen Zügen zeichneten und ewiges Gedächtniß seinem Andenken in den Kreisen der Gemeinde gelobte, der er mehr als 20 Jahre treu gedient, um kurz vor der Feier ihres fünfundzwanzigjährigem Bestehens von ihr für ewig zu scheiden. Hierauf sprach Herr Herm. Egers, Vorsteher des Religionsvereins „Ahawath Keim“, Namens der Gemeinde, in der der Dahingegangene vierzehn Jahre hindurch von der Kanzel herab als Prediger und zehn Jahre als Leiter der Schule segensreich gewirkt, Worte des Dankes für seine unerschütterliche Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit, für die milde und weltweise Art, mit der er eS verstanden, Gegensätze zu vermitteln, den Frieden jederzeit aufrecht zu erhalten, und den Bestand der Gemeinde durch Wort und Beispiel zu sichern und zu festigen. Als letzter Redner betrat dann Herr Meier Hildesheimer, der seit der schlimmen Wendung in den Leiden des Dahingegangenen die Erledigung seiner Amtsgeschäfte vertretungsweise übernommen, die Kanzel, um Namens der Reltgionsschule der „Adaß Jisroel" dem scheidenden Leiter Worte des Nachruf's zu widmen. Das Kleinste, wie das Größte, galt ihm gleich wichtig, da es der Schule zu Nutzen kommen sollte, und all sein Sinnen, all sein Trachten war einzig und allein von dem Gedanken erfüllt, wie den Zielen, denen die Anstalt zustrebe, näher und immer näher zu kommen sei. Aber nicht nur für das geistige Interesse seiner Schüler habe er gesorgt, sondern auch ihrem materiellen Wohl galt sein Streben, deß' Zeuge sei der Verein, den er in's Leben rief, der Verein „Chinuch Neorim" zur Unterstützung unbemittelter Schüler. Ein Muster der Pflichttreue, war er jederzeit der Erste und der Letzte im Schulhause. „Was Du uns gethan, wir wollen es Dir vergelten an Deinen Kindern", mit diesen Worten schloß die Rede, deren nachhaltiger Eindruck auf alle Anwesenden unverkennbar hervortrat. Dann wurde die Bahre emporgehoben und, unter Vorantritt der obersten Klassen der Religionsschule, abwechselnd von Mitgliedern des Vorstandes und der Repräsentanz der israelitischen Synagogen-Gcmeinde (Adaß Jisroel), sowie von Lehreren der Religionsschule zum Grabe getragen, das sich bald schloß über dem, was sterblich war an Nathan Deutschländer, rrasin Bad-Ems. Den 30. September waren es 25 Jahre, daß Herr Lehrer Emmel das Amt eines Lehrers und Cantors in unsrer Stadt bekleidet. Aus diesem Anlässe erschien am selben Tage eine Deputation, bestehend aus dem Beztrksrabbtner Herrn Dr. Weingarten und den 13 Mitgliedern des Cultusvorstandes, beim Jubilare, um ihm die Glückwünsche der Cultusgemeinde zu überbringen. Herr Dr. Weingarten hielt eine Ansprache und überreichte eine stylvoll ausgearbeitete Adresse, die vom Schul- und Cultusvorstande gewidmet war und besonders den Pflichteifer und die Friedfertigkeit des Herrn Emmel hervorhob, wahrend der Cultusvorstand ein ansehnliches Geschenk übergab. Tiefgerührt dankte der Jubilar, anknüpsend an den Wochenabschnitt, für die ihm unerwartet zu Theil

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