Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 86 (5.11.1894)
- Date
- 1894-11-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1599 ziehen, für das Volk von heilbringender Wirkung sein sollen, denn die besten Gesetze nützen nichts und sind ganz werthlos, wenn sie falsch angewcndet werden. Aus diesem Grunde halten Bibel und Talmud auch strenge Wacht über die Rechtschaffenheit der Herrscher, Fürsten, Richter und Priester und eisern mit heiliger Gluth gegen dieselben, wenn sie gegen die Wahrhaftigkeit sündigen. Der König soll mit dem guten Beispiel vorangehen, er soll gewissenhaft nach vorgeschriebenem Rechte und Gesetz, wovon er weder rechts noch links abweichen darf, regieren; denn davon wird der Bestand seiner Reglnung bedingt (Deutronomium 17, V. 14 bis 20.) Siehe, nur durch Gerechtigkeit herrscht ein König und die Fürsten durch das Recht (Jesaias 32,1). O Gott! Gib dein Recht dem Könige und deine Gerechtigkeit dem Königs Sohne, daß er dein Volk bringe zur Tugend und deine Elenden zum Recht. Laß die Berge den Frieden bringen unter das Volk und die Hügel die Gerechtigkeit. Er wird die Armen des Volkes bet Recht erhalten, den Dürftigen Helsen und die Gewaltthat unterdrücken, so flehet König David (Psalm 72). Seine Negierungsgrundsätze lauten: Einsichtsvoll und wahrhaftig handeln, in Unschuld und Reinheit des Herzens wandeln, nichts Böses sich vornehmen, nicht bulden die Verbrecher und Uebelthäter, die Tücke meiden, dem Laster aus dem Wege gehen, Verleumdungen kein Gehör geben, von sich entfernen Stolz und Hochmuth, die Blicke und das Augenmerk lieber richten aus die Treuen, Aufrichtigen und Wahl hastigen im Lande, diesen sich zugescllen, sich mit Männern umgeben, die den Weg der Wahrheit gehen, und Lüge und Falschheit nicht emporkommen lassen. (Das. 101). (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten <utb Eorrespoudenzen. Deutschland. Mainz, 31. Oktober. In unserem Wandkalender für das Jahr 5655 haben sich während des Druckes 2 unliebsame Fehler, in einem Theile der Auflage eingeschltchen. Bet dem Sabbat vom 23. März—27. Adar fehlt die Angabe «nm b und bei dem Sabbat vom 14. September—25. Ellul sind statt der Sidra D’aw die beiden zusammengehenden Sidroth-stn o’zisj zu setzen. Wir bitten diejenigen unserer geehrten Leser, die unseren Wandkalender in Benutzung genommen haben, in ihren Exemplaren eine entsprechende Aenderung vorzunehmen. Mainz, 2. Nov. In der Sladtverordnelensitzung vom 31. Oktober wurde der Antrag der Errichtung eines Heine-Denkmals in hiesiger Stadt mit 23 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Für diejenigen Stadtverordneten, die gegen die Errichtung des Monumentes stimmten, waren außschlietzlich opportunistische Gründe maßgebend. Theilweise wollte man die schöne und wirklich mustergilttge Eintracht und Friedfertigkeit, die hier zwischen allen Parteien und Consesstonen herrscht, nicht stören, theilweise waren es religiöse Momente, die für die überwiegend katholische Mainzer Bevölkerung ausschlaggebend gewesen. Gegen den Verdacht des Antisemitismus sind sämmtltche Heinegegner im Mainzer Stadtrathe durch ihren Ruf, ein Theil durch verwandtschaftliche Beziehungen und Einer sogar durch seine Abstammung gründlich geschützt. Auch wir sprachen uns, wie sich unsere geehrten Leser wohl noch erinnern, z. Zt. gegen die Errichtung des Denkmals entschieden aus. Das Triumphgeheul der Berliner Antisemttenblätter über den „wackeren, urteutschen" Stadtrath war einmal wieder umsonst. Berlin, 28. Oct. Als energischer Freund Böckel's erwies sich in einer antisemitischen Versammlung, in der Böckel über „Römisches Recht und jüdische Richter" sprach, gestern der bekannte Agitator Bodeck, der Böckel's pekuniäre Verhältnisse in den düstersten Farben schilderte. Er warf dem deutschen Volke, womit er wohl die Antisemiten meinte, vor, daß es keinen Geist im Kopse, keine Ideale im Herzen hätte. Geschäftsleute und begüterte Genossen seien für Gcldopser nicht mehr zu haben, sie säßen hinter ihren Geldsäcke« und zählten ihre Thaler. Es sei höchste Zeit, daß Böckel geholfen werde. Dieser müsse seine ganze Zeit opfern und herumlausen, um dem Gerichtsvollzieher zu entwischen. Die Berliner Führer der antisemitischen Bewegung rekrutirten sich meist aus kalten Büreaukraten und Offizieren a. D., die nur ihrem Ehrgeize stöhnten. Diesen Ausführungen trat Witte scharf entgegen als Vorsitzender des Antisemitenbundes. Bodcck spreche wohl in der Bierlaune. Der Antisemitenbund unterstütze Böckel nach wie vor. Berlin, 1. November. Einer der treuesten Freunde des „Israelit", ein Mensch so edel, so hilfreich und gut, ein Mann so hervorragend in jüdischer und weltlicher Gelehrsamkeit, ein selbstloser unendlich fleißiger Arbeiter ist am rvrina d von hinnen gegangen. Unser langjähriger Eorrespondent, Rabbi Nathan Deutschländer ist ntä t mehr. Als Sohn des gefeierten Rabbiners Samuel Deutschländer in Pucho (Ungarn) am 6. April 1844 geboren, früh m die Hallen der Thorah emmlüöu, Darinnen seine Ahnen alS Fürsten g< thront, kam er in einem Alter, m welchem die Mehrzahl