Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 85 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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1595 Jedem Recht gibt und Recht thut, oder in Heuchel- und Schmeichelnden m Füßen kriecht. Es ist nicht jedem Wahrheit und Recht liebenden, echt religiösen Beamten gegeben, Solches thun zu können. Um aber mit Kollegen Goldmann zu reden, gibt es jetzt — es ist hierin seit früher eine bedeutende Besserung eingetreten — Gottlob, noch recht viele Gemeinden, deren vorgeschrittene Bildung es möglich macht, die dem Beamten und Seelsorger berechtigte, gewisse Loyalität und Achtung entgegen zu bringen. Jedoch ist nicht abzuleugnen, daß der israelitische Kultusbeamte auch unter heutigen, weit gebesserten Verhältnissen noch unter einem gewissen Drucke lebt, der ihm sein schweres Amt oft verleidet macht. Wer bietet ihm Schutz in vorkommenden, unverschuldeten Fällen; wer hilft ihm, wenn er alt und schwach, unfähig seines Amtes ferner zu walten, seine alten Tage in Ruhe zu beschließen? Und wenn er schon früher durch des Allmächtigen Schickung in seinem Berufe erkrankt, verunglückt oder gar stirbt; was geschieht mit seinem Weibe und Kindern? — Welchen Schutz bietet sein Beruf, seine Familie nicht Hunger leiden zu sehen, oder zu wissen? — Sein kümmerliches Einkommen ist selten geeignet, Ersparnisse für unvorhergesehene Fälle zu machen, oder für die Zukunft sorgen zu können. Es reicht nur meist kümmerlich zu den äußerst nothwendigen Bedürfnissen hin. Ja, es gibt, wie bereits gesagt, noch recht viele gerechte, humandenkende Gemeinden, die für ihren Beamten redlich und liebevoll bis zu dessen Ende sorgen; wenn das Betragen und die Eigenschaften des Beamten derart sind, daß sie mit ihm zufrieden waren. Aber auch viele Gemeinden sind anderen Sinnes und üben mit ihren Beamten weniger Rücksicht. Brüder und Freunde! Ist es da nicht Pflicht eines Jeden, brüderlich sich zu vereinen und so einen gegenseitigen Schutz zu bilden gegen alle Unbilden und Gefahren, eine gegenseitige Hilfeleistung zu schaffen? Nicht besser und schöner könnten wir sie erzielen, als sie in der „Ahawas Achim" uns gegeben. Nicht Dank genug können wir Bruder Gelbart zollen, der diese Vereinigung angeregt. Hier heißt es: Einer für Alle, Alle für Einen! Darum, liebe Brüder! wäre hier gewiß der Wunsch berechtigt, sich diesem wohlthätigen Zwecke immer mehr zu widmen. Alle zu einem Ganzen sich zu vereinen, um, wo es Noth, hilfreichen Schutz zu bieten. So den Zweck der „Ahawas Achim" kräftig zu fördern, zum eigenen, wie dem Wohle aller Brüder. Wenn wohl mancher Schmähartikel geschrieben wird, um unsere Vereinigung störend entgegen zu wirken, manche unbegründete Verleumdung (wie der „Jeschurun" sie vor Kurzem brachte) abgelassen wird, die Ahawas Achim in ihrem Rufe zu schädigen, so möge uns dieses nicht zurückschrecken. Durch Kampf zum Sieg, und je mehr Kampf, um so größer der Sieg. Wir können den Leitern des Vereins, welche nicht allein in lobenswerther Uneigennützigkeit, sondern auch mit großen Opfern für das Zustandekommen der „Ahawas Achim" arbeiteten und noch wirken, volles Vertrauen schenken. Möge es unsere Aufgabe sein, als thatkrästige den Verein „Ahawas Achim," als wahre, treu liebende und helfende Brüder Ehre zu machen, daß der Verein so seinen wohlthätigen Zweck erfülle. Eins möge unseren Gegnern, besonders dem „Jeschurun" zum Schlüsse gesagt sein: Wenn derselbe sich wieder einmal veranlaßt fühlen sollte, seinen Les ern Aufklärung üb er eine ihm mißliebige, wohlthätige Vereinigung zu geben, möge er sich nicht erst hierzu der Mitthetlung einer je beliebigen Person bedienen, um durch unwahre, nicht erwiesene Behauptungen einen jungen, keimenden Verein von braven, gegenseitig sich schützenden Brüdern als verfehltes Projekt hinzustellen. Eine solche Verleumdung werden die Brüder mit der gehörige« Nichtachtung zu würdigen wissen. Stuhm rvvy 5655. Mit brüderlichem Gruß! Oskar Kroner. Glogau, 18. Okt. Die verehrliche Redaktion des „Israelit" ersuche ich hiermit um freundliche Aufnahme folgender Berichtigung zu dem Artikel des Herrn Ehrlich - Oppeln: „Zur Steuer der Wahrheit:" 1. Es ist unwahr, daß der Vorstand nur besteht aus den Herren Ehrlich, Gelbart und Eichenbaum. Beweis der Wortlaut des Protokolls der Generalversammlung: „Nach definitiver Annahme der Statuten schreitet die Generalversammlung sofort zur Wahl des aus fünf Mitgliedern bestehenden Vorstandes. Derselbe setzt sich demgemäß aus folgenden fünf (Mitgliedern) Herren zusammen: Graf-Glogau, Gelbart-Magdeburg, Ehrlich-Oppeln, Neustadt-Breslau, Eichenbaum-Kkppenhetm.