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Der Israelit · 1894-11-01 · Heft 85 (1.11.1894) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 85 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1594 befindet stch vom Schuljahre 1894—95 an in der JakobSgaffe Nr. 4 neu, 1. Stock. Die Lehrzimmer entsprechen nunmehr allenhygienischen Anforderungen, find gut eingerichtet und wurden sowohl von der löblichen Schulbehörde, als auch von derSanitätscommisston als geeignet für Schulzwecke erklärt. Die Schule untersteht der Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn OberrabbinerS Dr. N. Ehrenfeld und der löblichen k. k. Schulbehörde. Im Schuljahre 1893—94 wurde' dieselbe vom k. k. Herrn Bezirksschulinspector, Professor Emanuel Reinisch und vom Präses der löblichen Cultusgemeinde Herrn Dr. Arnold Rosenbacher inspieirt, und sprachen sich beide Herren recht lobend über Discipltn und Leistungen aus. Ganz besonderer Dank gebührt der löblichen Cultusgemeinde-Repräsentanz für die besondere Fürsorge und Opfer- Willigkeit, die sie der Schule angedeihen läßt. Zur Förderung des fleißigen Schulbesuches, des sittlichen Betragens und guten Fortgangs bestehen nebst mehreren Stiftungen auch Geldprämien, welche am Schluffe des Schuljahres anläßlich der Zeugnißbertheilung an brave und fleißige Schüler verlheill werden. Im abgelaufenen Schuljahre wurden in sieben Knaben- und in fünf Mädchenclassen 420 Kronen an Prämien vertheilt. Schüler der Talmud- Thora-Schule genießen auch besondere Berücksichtigung bet Schulsttftungen und bei den bestehenden Wohlthätigkeitsvereinen, wofür letzteren besonderer Dank und Anerkennung gebührt. Diese Vereine machen sich hierdurch zu wahren, tndirecten Förderern des Studiums unseres heiligen Schriftthums, was unter den gegenwärtigen Verhältniffen ein unabweisliches Gebot der Nothwendigkeit ist. Die heutige Zeit braucht gesinnungstüchtige, überzeugungstreue, für ihre angestammte Religion erglühte und charakterfeste Männer, die befähigt und im Stande sind, mit heroischer Begeisterung und mit den Waffen des Geistes für unsere heiligsten Güter einzutreten und die falschen Anklagen unserer Gegner zu bekämpfen. Diese Charaktereigenschaft kann aber nur Derjenige erlangen, der in die Geschichte seines Volkes eingedrungen, das hebräische Schriftthum und den ihm innewohnenden moralischen und ethischen Werth und Inhalt gründlich erfaßt und erlernt hat. Es ist daher eine Ehrenpflicht eines jeden Einzelnen, ganz besonders der Eltern und Leiter israelitischer Wohlthätigkeitsvereine, den Kindern und der Heranwachsenden Jugend die Erwerbung gründlicher Kenntnisse der hebräischen Sprache und des heiligen Schriftthums durch Besuch der Talmud-Thora-Schule angedethen zu lassen und zur Pflicht zu machen. Die Bildung des Herzens und des Gemüthes ist ein sehr wichtiges Postulat und sollte intensiver gepflegt werden, als alle anderen Fertigkeiten. Im Schuljahre 1893—94 hat die Frequenz der Anstalt die höchste Ziffer seit ihrem Bestände erreicht. Es wurden 403 Schüler und 182 Schülerinnen ausgenommen und es konnten am Schluffe des Schuljahres 314 Knaben und 156 Mädchen classificirt werden. Von den ersteren gehörten 186 Schüler den verschiedenen Volks- und Bürgerschulen, 124 den verschiedenen Mittelschulen und 2 der Universität an. 2 Schüler treten mit Anfang des Schuljahres in das Rabbiner-Seminar über. Mögen die Anmeldungen im neuen Schuljahr den Beweis erbringen, daß in allen jüdischen Familien der Sinn und das Verständniß für jüdisches Wissen und Kenntntß des Hebräischen noch rege ist, daß Eltern die Wichtigkeit dieser Kenntnisse für ihre Kinder und deren Charakterbildung erkennen, kurz, daß alle Factoren Zusammenwirken, um die gesunkenen Kenntnisse unseres heiligen Schriftthums auf jene Stufe zu bringen, auf der das jüdische Volksthum durch Charakterfestigkeit und Gestnnungstüchtigkeit einst groß dastand. Wird diese Ueberzeugung sich Bahn brechen, was zuversichtlich erwartet wird, so steht eine weitere Prosperirung und eine noch steigendere Frequenz der Anstalt in Aussicht. Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgefetzliche Verantwortung.) Ayawas Achim! Der letzte Vorfall, betreffend die Entlassung eines Kantors nach langjähriger Dienstzeit, wie er uns vor Kurzem vom Kollegen Goldmann in einer schaurigen, aber leider zu wahren Thatsache geschildert wurde, gibt uns mehr und mehr Veranlassung, der „Ahawas Achim" unser Augenmerk zuzuwenden. Daß die „Brüderliche Vereinigung" ein längst empfundenes Bedürfniß schon seit Jahrzehnten ist und war, wird kein Kollege, kein Bruder ableugnen können. Ich brauche wohl Niemand daran erinnern, daß der Beruf eines israelitischen Kultusbeamten in seinem inneren wie äußeren Walten, im Gotteshaufe, in der Religionsschule wie bei den Schlachtfunktionen, keine beneidenswerthe Stellung ist. Trotz seiner großen, heiligen Verantwortung ist er der meist nur geduldete, und oft von den Launen seiner Vorgesetzten, wie auch btr Mitglieder, abhängige, untergeordnete Diener, der nur dann Liebe und Achtung erwirken kann, wenn er — was den meisten wohl schwer fallen wird —

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