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Der Israelit · 1894-11-01 · Heft 85 (1.11.1894) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 85 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Alätter für die israelit. Schule. 1. Nov. 18841 tNr. 12. Witt& ttttb München. Aus israelitischen Kreisen wird der „Augsburger Abendzeitung" folgende Notiz mit der Bitte um Veröffentlichung zugesandt: „Bet diesen trüben Aussichten kann den jungen Leuten nicht dringend genug vor der Wahl des Lehrerberufes abgerathen werden", lasen wir jüngst in einer Zeitung. Dieser Mahnruf gilt ganz besonders auch für israelitische Schulamtskandtdaten und sind Eltern gar nicht genug zu warnen, ihre Söhne diesem Berufe zuzuführen. Von ungefähr 100 in den letzten 10 Jahren geprüften Schuldienstexspektanten sind höchstens 10 als Lehrer an israelitischen Volksschulen angestellt worden, während die übrigen in kleinen Gemeinden als Vorbeter und Religionslehrer mit geringem Gehalt von 5—600 Mark i>. a. ohne Dienstalterszulage, ohne Pensionsberechtigung, ohne Versorgung der Wittwen und Waisen von der betreffenden Kultusgemeinde angestellt sind. Dieses Verhältniß wird aber immer noch schlimmer, indem die kleinen Landkultusgemeinden, in welchen israelitische Volksschulen bestehen, immer kleiner und dadurch leistungsünfähiger werden, ja manche ihrer Auflösung entgegensehen und in den Städten, in welchen sich die jüdischen Gemeiudeangehörigeu von Jahr zu Jahr mehren, — keine eigenen israelitischen Schulen errichtet werden. So hat z. B. München bei 500 eingeschriebenen jüdischen Schulkindern nicht eine einzige israelitische Volksschule, sondern alle besuchen die katholischen und protestantischen oder die Simultanschulen, an welch' letzteren auch keine israelitischen Exspektanten angestcllt werden. Dasselbe Verhältniß ist auch in allen größeren Städten mit Ausnahme von Ansbach, Regensburg und Speyer, in welchen eigene israelitische Volksschulen bestehen. Prag. (Talmud Thora-Schule.) Diese im Jahre 1856 von der Prager israelitischen Cultusgemeinde-Repräsentanz gegründete behördlich genehmigte Lehranstalt tritt mit Anfang deS Schuljahres 1894—95 in das 39. Jahr ihres Bestandes. Sie hat den Zweck, den die Prager Volks-, Bürger¬ und Mittelschulen besuchenden Kindern Gelegenheit zu geben, erweiterte Kenntnisse in allen Religtonsdisc'plinen als in den Gebeten und deren Uebersetzung, in der Liturgie, im Pentateuch, in den Propheten und deren Commentaren, in der Mischna und im Talmud, endlich in der hebräischen Grammatik und im hebräischen Aufsatz sich anzueignen oder aber den in den öffentlichen Schulen erthetlten Religionsunterricht zu ergänzen. Die Schule besteht aus einer Knabrn- und Mädchenabtheilung und es wirken an derselben sechs Lehrkräfte. Es bestehen acht aufsteigende Knaben- und fünf aufsteigende Mädch entlassen. Die Einrichtung des Unterrichtes an der Anstalt ist derart, daß jeder Schüler einer öffentlichen Schule demselben ohne Störung anwohnen kann. Jede Elasse hat täglich eine Stunde nach dem allgemeinen Schulunterricht. Ein Kind, das von Anbeginn die Schule fleißig besucht, kann eS bis zur vollendeten Schulpfltchtigkeit bis zum Unterrichte in der Mischna und im Talmud bringen; denn der genehmigte Lehrplan trägt dem systematischen Fortschreiten unb den pädagogisch dtdactischen Normen vollkommen Rechnung. Der Unterricht an der Anstalt ist unentgeltlich und nur braven, gesitteten Kindern ohne Unterschied zugänglich. Die Schule

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