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Der Israelit · 1894-11-01 · Heft 85 (1.11.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 85 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1583 Magazine ruinirt werde) in die Schuhe schieben? Dem Capitalismus? Oder etwa dem Sündenbock der aufrichtigen „Soziologen", dem Semitismus? Der Semitismus steht in keinem Zusammenhänge damit. Große industrielle Werke oder große Magazine, wenn sie auch hier und da mit jüdischem Kapital gegründet sind, sind keineswegs eine jüdische Erfindung. Man kann sogar behaupten, daß die großen Magazine mehr den Juden, als den Christen bedrohen, weil sich in der Mitte und im Osten Europas, auch in Frankreich, viele Juden mit dem Kleinhandel beschäftigen. Vielleicht keine Rasse ist, wie man es ihr nur zu oft vorwirft, so wie diese mit dem Kleinhandel verwachsen. So haben die großen Magazine und in gewisser Hinsicht auch die großen Banken, fern davon, ihren Ursprung den Semiten zu verdanken und ebenso fern davon, ein Werkzeug des sogenannten jüdischen Nebergewichts zu sein, den Kindern Israels eine Schlappe beigebracht, der der kleine Jude, der kleine Detaillist immer zuerst zum Opfer fällt. Sogenannte „Soziologen" haben die Stirn gehabt, die öffentlichen Anleihen als eine Art von Hypothek darzustellkn, welche den modernen Stationen durch die hohen Bankgesellschaften auferlegt ist. Nach ihnen wären die fälligen Staatsrenten ein jährlicher Tribut, welcher den Regierungen durch die kosmopolitische Finanzwelt, besonders durch die jüdischen Banken auferlegt würde. Ich schäme mich, soche Kindereien zu widerlegen. Es ist unmöglich, die Rolle, welche die Banken dabei spielen, weniger zu begreifen und mehr zu entstellen. Wenn die Banken sich an den Staatsanleihen betheiligen, so ihnen sie es nicht, um die Titel im Geldschrankzu behalten, sondern um sie weiter zu begeben. Nicht sie cassiren die Zinsen ein, sondern die namenlose Menge ihrer Kunden." Rußland. Petersburg, 17. Okt. Am 18. April d. I., am 2. Osterfeiertage, fand bekanntlich in Jekatrtnoslaw ein gegen die Juden gerichteter Krawall statt. Die Sache begann mit einem Streit zwischen Juden- und Christenkindern, in den sich bald Erwachsene, Arbeiter aus den Gouvernements Kursk und Charkow einmischten. Die Arbeiter prügelten zuerst alle Juden, auf die sie stießen, schlugen dann unter Pfeifen und Johlen die Fenster in den von Juden bewohnten Häusern ein, wobei auch verschiedene von Christen bewohnten Quartiere beschädigt wurden. In einige Häuser drangen die Unruhestifter ein, schleppten Sachen fort und zündeten schließlich auch eine Kneipe an. Die Unruhen wurden mit Hülfe von Militär noch an demselben Tage unterdrückt und gegen 100 Personen wurden verhaftet. Der größte Theil derselbe« wurde jedoch bald freigelassen, da ihnen die Betheiligung an dem Exzeß nicht nachgewiesen werden konnte, und so kamen schließlich nur 15 Personen auf die Anklagebank. die dieser Tage von einer Abtheilung des Odessaer Gerichts unter Zuziehung von ständigen Beisitzern abgeurthetlt wurden. Der Staatsanwalt ließ die Anklage gegen 4 Personen fallen. Die übrigen 11 wurden schuldig befunden, aber nur 6 Personen wurden zu Gefängniß von 2 Monaten bis 1 Jahr verurtheilt. Odessa. Die Juden werden jetzt aus der Krim ausgetrieben. Aus Tiflis, Kutais und anderen Orten des Kaukasus wird gemeldet, daß Juden dort nicht zu Stadtverordneten gewählt werden dürfen. Von 273 Juden, welche in Odessa die öffentlichen Schulen befriedigend absolvirt und um Zulassung zur Universität gebeten haben, ist nur 7 (sieben) dieses Recht gewährt worden. In der Universität Kiew sind von 197 Applikanten 39 als Studenten ausgenommen worden. Odessa. Am 22. August 1894 beging die Stadt Odessa die Feier ihres hundertjährigen Bestandes. Anläßlich dieses Ereignisses widmete der „Odeski Listock“ in seiner Festnummer den Juden dieser Stadt einen längeren Artikel, in welchem er auf deren Verdienste um die Entwicklung derselben hinwetst. Die jüdische Bevölkerungszahl Odessas beträgt gegenwärtig 112.235 Seelen. „Den Juden unserer Stadt" — schreibt das genannte Blatt — „gebührt wegen ihres Fleißes und rastloses Eifers, den sie von jeher bekundet haben, um den Wohlstand in unserer Mitte zu fördern, die größte Anerkennung. Sie waren die ersten, welche den Grundstein zu dem Reichthume Odessa's gelegt haben. Im Jahre 1822 entstand hier das Horowitz'sche Welthaus. 1829 das von Efrussi. Sie haben den Getreide-Export ins Ausland, den Holz-, Silber¬ und Goldhandel gefördert und auf die Höhe gebracht, um die wir jetzt beneidet werden. Und nicht nur auf dem Gebiete des Handels und der Industrie haben die Juden Großes geleistet; sie scheuten und scheuen auch heute vor schwerer körperlicher Arbeit nicht zurück. Unter den Arbeitern und Taglöhnern sind 50 Procent Juden, abgesehen von den Fuhrleuten und Droschkenkutschern, unter denen 25 Procent Juden sich befinden. Die Geschäftshäuser Mendelewitsch Dreyfuß, Neufeld, Jurawski beschäftigen Tausende von Arbeitern und haben im vergangenen Jahre die Summe von 5,148,304 Rubel umgesetzt. Und welche Verdienste haben sich unsere Juden erst um die Bildung ihrer Glaubensgenosse« im Reiche erworben! Im Jahre 1826 ist hier die erste jüdische Elementar-Schule gegründet worden, deren Rector Herr Sittenfeld aus Berlin war.

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