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Der Israelit · 1894-11-01 · Heft 85 (1.11.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 85 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1582 amtengehälter, Erbauung eines Gemeindehauses mit Schullokalitäten und Bädern, eines Leichenhauses k. Ehre also, dem Ehre gebührt! AuS Bayern, 28. Okt. In Schweinfurt wurde es verboten, das Blut geschachteter Thiere zu solchen Nahrungsmitteln zu verwenden, die zum Verkaufe gelangen. Das Verbot ist von der Regierung bestätigt worden. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Bei Gelegenheit der Naturforscher- Versammlung in Wien hielt der Direktor des israelitischen Bltndeninstttuts Herr S. Heller einen Vortrag über psychische Taubheit im Klndesalter, in welchem er durch physiologische Darlegungen und durch Demonstrationen an Kindern nachwies, daß es einen Zustand gibt, der alle Merkmale der Taubstummheit zeigt und doch nur scheinbare Taubstummheit ist, und daß Kindern, die daran leiden, durch hetlpadagogische Behandlung Gehör und Sprache wtedergegeben werden können. Geheimer Rath Professor Dr. Heubner constattrt, daß die angeführten Behauptungen durch seine Studien bestätigt werden und freut sich, daß er durch die demonstrirten Fälle von der Heilbarkeit des Nebels überzeugt worden ist; er ersucht den Vortragenden, sein Heilverfahren zu veröffentlichen, was dieser zusagt. Der Vortrag wurde von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. Wien, 8. Oktober. Vor dem hiesigen Bezirksgericht fand die Verhandlung gegen den famosen Polizei-Kommissär von Tribuswrnkel, Anton Kraus statt, der den jüdischen Hausirer M. Glücksmann thällich mißhandelte: aus Konkurrenzneid, wie dies während der Verhandlung zu Tage trat, da dcr Hausirer, wie der Polizist mit Leinenwaren handeln. Der Polizist wurde verurtheilt, doch verzichtete Glücksmann auf dessen Bestrafung und begnügte sich mit einer Ehrenerklärung in den Blättern: Ich endesgescrttgter Anton Kraus, gewesener Gemeinde-Polizeikommiffär von Tribuswinkel, gebe hiermit nachstehende Erklärung ab: „Ich habe am 5. Juni l. I. Herrn Moritz Glücksmann in der Ortschaft Josefsthal nächst Baden arretirt, aufs Unwürdigste behandelt und denselben auch insbesondere durch sein Religionsbekenntniß verletzende Angriffe aufs Gröblichste beschimpft und geschmäht. Ich erkläre nunmehr, daß ich damals, durch den Genuß geistiger Getränke aufgeregt, nicht Herr meiner Handlungsweise war, daß ich nicht den geringsten Grund zur Arretirung des Herrn Glücksmann hatte, daß ich daher meine Handlungsweise, sowie alle ihm zugefügten Schmähungen und Kränkungen auf das Aufrichtigste bedaure und daß ich bezüglich aller und jeder einzelnen Beleidigung, welche ich durch mein Verhalten an der Ehre des Herrn Glücksmann, als eines rechtlichen und redlichen Mannes verübt habe, demselben hiermit öffentlich Abbitte leiste. Anton KrauS." Frankreich. Paris. In James Darmesteter, der am 19. Okt. im Alter von fünfundvierztg Jahren zu Maisons Lasfitte bei Paris gestorben ist, hat Frankreich nicht nur einen bedeutenden Sprachgelehrten, sondern auch einen Mittelpunkt des geistigen Lebens überhaupt verloren. Wie sein älterer, ebenfalls in jungen Jahren verstorbener Bruder Arsßne, der sich in der romanischen Philologie einen Namen gemacht hat, war James Darmesteter in CHLteau-Salins, das jetzt zu Deutsch-Lothringen gehört, als der Sohn einer ursprünglich deutschen Familie jüdischer Konfession, Namens Darmesteter geboren. Seine Erziehung erhielt er tu Paris, wo er im Jahre 1866 den Ehrenpreis der Rhetorik im allgemeinen Wettbewerb der französischen Lyceen erwarb. Zwei Jahre später wurde er Licentiat der Philologie und 1870 Licentiat der Rechte, wandte sich jedoch hierauf ausschließlich der Sprachvergleichung zu unter der Leitung von Breal und Bergaigne und pflegte das Zend als seine Spezialität. Eine Schrift über Ocmusd und Ahriman trug ihm 1877 den Doktort.itel ein und noch im gleichen Jahre wurde er zum Repetitor des Zend an der Ecole des hautes 6tudes ernannt, wo er bald zum Professor vorrückte. Infolge der „Essais orientaux“ und der „Etudes iraniennes“, die Darmesteter 1883 veröffentlichte, wurde ihm noch eine größere, wohlverdiente Auszeichnung zu Theil, die Ernennung zum Professor des Persischen am College de France. Bon einer wissenschaftlichen Reise, die der Gelehrte nach Afghanistan unternahm, brachte er nicht nur neue Aufschlüsse über die wenig ge^ kannte Sprache und die volksthümliche Literatur jenes Landes mit, sondern versah er das „Journal des Debats" mit vortrefflichen Reisebriefen, in denen er sich als Schriftsteller von ungewöhnlicher Begabung und vielseitiger Bildung offenbarte. Außer den iranischen Sprachen zog aber auch das jüdische Alterthum Darmesteter an. Er gab 1892 ein Buch über die „Propheten Israels" heraus, worin er sich zur Ueverraschung vieler seiner Freunde als einen rechtgläubigen Israeliten zu erkennen gab. Paris. Anatole Leroy-Beaulieu bespricht in der Revue des denx mondes“ die Aufsaugung des Kleinhandels durch große Genossenschaften und Magazine und sagt in Bezug auf den jüdischen Antheil daran: „Wem soll man die Beschwerden des Kleinhändlers (daß er durch die Eoncnrrenz der großen

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