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Der Israelit · 1894-11-01 · Heft 85 (1.11.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 85 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Erste Beilage ju M 85 des „Israelit". Zeitnugsuachrichte« und Correspoudeuze«. Deutschland. Ahrweiler, 26. Oki. Wenn das in diesen Tagen zu Ende gegangene Fest ausdrücklich als ein solches der Freude, als unnotp im charakteristrt ist, so fand das now rrm in unserer Gemeinde in diesem Jahre eine ganz besondere Berücksichtigung; galt es doch einer gar seltenen Feier. Am 21. 22. und 23. Oktober wurde die neuerbaute Synagoge durch eine würdige Weihefeier ihrem Zwecke - übergeben. — Ucber den Verlauf dieser Feier, die zu einem wahren o»n sich gestaltete, möge weiteren Kreisen in Folgendem einiges mitgethetlt sein. Programmgemäß versammelten sich am Sonntag, «m wj/nn Nachmittags 3 Uhr, die Gemeindemitglieder wie die schon zahlreich aus Nah und Fern erschienenen Festgäste im alten Bethause, wo nach Verrichtung des nniv - Gebetes Herr Lehrer Stern ergreifende Abschiedsworte an die Gemeinde richtete. Unter Hinweis auf den am Schlußfeste stattfindenden Auszug aus 'jhn rvn und den Wtederbezug der ynp 'i legte Redner die Bedeutung der Stunde dar, die Mitglieder ermahnend, ihren opferwilligen und gottbegetsterten Sinn auch zukünftig sich zu bewahren. An dem nun folgenden Feftzuge zur neuen Synagoge betheiltgten sich außer den Vertretern des Stadtverordneten - Collegiums, die Gerichtsbehörde in Person des Herrn Amtsgerichtsrath und ein großer Theil der Bevölkerung unserer Stadt. Unter den Klängen der Kgl. Pionierkapelle aus Coblenz bewegte sich der imposante Zug mit den durch Guirlanden umkränzten Trägern der Thorarollen zur neuen Synagoge. Hier angekommen erfolgte zunächst unter passender Ansprache die Uebergabe des Schlüssels durch die Schlüsselträgerin an den stellvertretenden Bürgermeister und durch diesen an Herrn Bezirksrabbtner Dr. Weingarten aus Ems, der nunmehr das neue Gotteshaus öffnete, während dessen die Musikkapelle das „Hoch thut Euch auf ihr Thoren" tntonterte. Die Festtheilnehmer begaben sich auf die Plätze und weideten ihren Blick an der ebenso einfachen, künstlerischen Ausstattung des Innern, insbesondere an den in maurischem Style ausgeführten Malereien der Fenster und Wände. Nachdem der Kinderchor das no gesungen, erfolgten unter Absingen des mn die üblichen niepn und das Einheben der Thorarollen unter Chorgesang 'dm 'm rc. rc. Nunmehr trat Herr Rabbiner Dr. Weingarten vor die heil. Lade, um zunächst min» '212 zu sprechen, dann aber in meisterhafter Rede die Bedeutung der Feier darzulegen. Wahrlich, das waren goldene Worte, wie sie nur einem von wahrer Religiosität durchdrungenen Herzen entspringen können. Und sie verfehlten ihren Zweck nicht. Kein Athemzug wurde hörbar, mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte ein jeder den hochinteressanten Ausführungen des Redners, und sämtliche Anwesenden, den verschiedensten Confessionen angehörig, waren tiefergriffen. Anlehnend an die Bezeichnungen in, ,tw, rra schilderte Redner das Gotteshaus als die Stätte, die den Verkehr zwischen Gott und den Menschen vermittle. Die eigentliche Weihe bestehe darin, daß wir in ihm uns weihen. Ein Gotteshaus ist geweiht, wenn ein edler Mensch es betritt. — Es würde zu wett führen, an dieser Stelle auch nur einiges aus dieser herrlichen Rede zu bringen, und könnte dies dem Gesamteindrucke, den sie zu machen geeignet, nur schaden. Dem nun folgenden Weihegebet und Gebet auf Kaiser und Vaterland reihte sich das n'ipv-Gebet mit Chorgesang an. Der Abend vereinigte nun die Festtheilnehmer, zu denen sich noch die Notabeln der Stadt Ahrweiler gesellten, zu einer solennen Versammlung im Festlokale, bei welcher Gelegenheit Toaste auf Kaiser, Stadt, Cultusgemeinde 2c. rc. abwechselten mit den herrlichsten Musikpicccn oben erwähnter Capelle. Möge zum Schluffe an dieser Stelle all' denen, die zur Verschönerung unseres Festes beigetragen, insbesondere Herrn Rabbiner Dr. Weingarten, Ems und Herrn Lehrer und Cantor Stern unser Dank abgestattet sein. Homburg v. d. Höhe, 17. Oktober. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde Herr Wolf Ackermann fast einstimmig zum Mitglied des Magistrats ernannt, nachdem er schon vor Jahren von derselben städtischen Vertretung in den Kreistag gewählt worden war. Seine Klugheit und Gesinnungstüchtigkeit haben ihm die Sympathien aller sich oft befehdenden Parteien errungen. Derselbe gehörte dem alten aus 12 Mitgliedern bestandenen Gemeinderathe seit 1865 an. Als 1890 eine neue Städteordnung hier eingeführt wurde, wählte man ihn und Herrn Eduard Emmerich zu Stadtverordneten. Beide sind gleichzeitig Mitglieder des hiesigen israelitischen Kultusvorstandes. Herr Ackermann ist Vorsitzender desselben, und haben seit seiner Amtsdauer von 1876 an fortdauernd Verbefferungen unseres Gemeinde- Wesens stattgefunden, beispielsweise die gerechtere Vertheilung der Steuern, Verbesserung der Be-

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