Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 85 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1578 Trägheit unter dem Deckmantel der Religion. Es entsteht also ein thatsächlicher ovn und Schädigung der wirklich Religiösen. Aus dem Rabbinatsbezirk Brette». Ein seltener Fall einer Gerichtsverhandlung beschäftigte am verflossenen Freitag den 26. Oktober das Schöffengericht in Eppingen; es handelte sich um einen Strafantrag gegen Personen, welche Aussagen gegen einen Cultus-Angestellten, er habe rituell unerlaubte Speisen genossen, verbreiteten. Der Thaibestand ist folgender: Vor einigen Monaten machten die Lehrer der Volksschule in Gemmingen, darunter auch der israelitische Lehrer Reis, mit ihren Schülern einen Vergnügungsausflug nach Weinsberg (Württemberg). In einem Wirthshaus wurde das Mittagsmahl eingenommen und zwar die Schüler in dem äußeren, die Lehrer in dem innern oder Nebenzimmer. Während die christlichen Lehrer Fleischspeisen erhielten, ließ sich der jüdische Lehrer gesottene Eier servieren. Dennoch ging bald das Gerücht in Gemmingen um, Herr Reis habe sich an dem Mahle rituell nicht erlaubter Speisen betheiligt. Gegen zwei Personen hat Lehrer Reis Beschwerde bei Großh. Oberrathe der Israeliten in Karlsruhe erhoben. Nachdem der von diesem beantragte Sühnversuch beim Synagogenrath in Gemmingen gescheitert war, wurde die Sache dem Staatsanwalte zur geeigneten Bestrafung übergeben. Denn wenn die Sache wahr wäre, so wäre der Lehrer bezüglich Ertheilung des Religionsunterrichts und als Vorsänger nicht mehr geeignet gewesen. Die eidlichen Beweise haben bet der Gerichtsverhandlung ergeben, daß Lehrer Reis sich an dem Genüsse rituell nicht erlaubter Speisen nicht beiheiligt habe. Der eine der Angeklagten wurde mit einer Geldstrafe belegt, der Andere wurde deßhalb freigesprochen, weil er Mitglied des Synagogenraths ist und rechtliche Interessen zu wahren hatte. Wir freuen uns, nicht weil ein Angeklagter bestraft wurde, wohl aber deßhalb, weil falsche Anschuldigungen gegen Kultusangestellte wegm Uebertretung religiöser Pflichten der weltlichen Strafe unterliegen. Stuttgart. Die Israelit. Religionsgesellschaft ersucht um Aufnahme der Erklärung, daß sie die in Nr. 82 u. 83 des „Israelit" erschienene Correspondenz aus Stuttgart in vollstem Maße mißbilligt. vermischtes. BrÜu«, 1. October. Bei dem gestern in Kremsier stattgefundenen czechifchrn Gewerbetage fand sich nebst mehreren ezechischen Abgeordneten auch der Reichsrathsabgeordnete Mechan.ker Schneider aus Wien als Delegirter von Wiener Genoffenfchaften ein. Er wurde aber nicht zum Worte zugelaflen, weil sich die anwesenden politischen Persönlichkeiten entschieden dagegen aussprachen. Feuilletott. Esterka, Königin von Noten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 38.) (Nachdruck verboten.) Es war eine große Anzahl von Plänen vorgebracht worden, auf welche Weise es am günstigsten wäre, den Ausbruch der Katastrophe geschehen zu lassen. Früher, als nur wenige Männer an der eigentlichen Verschwörung gegen den König theilgenommen, da ordneten sich Alle willig dem Pan von Wola und seinem Beirathe, dem Pater Franziskus unter. Jetzt aber, da die Zahl der Verschworenen eine so große geworden war, waren sehr viel Männer darunter, die eben so befähigt, oder noch befähigter waren, als die Beiden, ein großes Unternehmen zu organistren und zu leiten. Der Pan von Wola wollte sich aber dte Herrschaft nicht entreißen lassen, und so war es im Rathe der Verschworenen mehrfach zu Uneinigkeiten gekommen und als die Zeit des Festes herangekommen war, da hatte man noch keinen bestimmten Plan gefaßt, auf welche Weise man gegen den König Vorgehen sollte. Die Vorschläge, die von verschiedenen Seiten gemacht worden waren, standen sich schroff gegenüber. Diesmal hatten nämlich auch dte Städte und die Genossenschaften der Bürger Landboten entsendet, die an den Versammlungen der Verschworenen Theil nahmen, und diese wiedersetzten sich auf das energischste jedem Plan, der es auf das Leben des Königs abgesehen hatte. Ihr Zweck war nur, die Gemahlin des Königs zu lobten, um das Land von dieser jüdischen Gefahr zu befreien; niemals aber wollten sie ihre Einwilligung dazu erlheilen, daß dem König selbst auch nur ein Haar gekrümmt werde. Den Adeligen und Geistlichen war es weit weniger darum zu thun, Esther zu beseitigen und so dte Herrschaft Kasimirs wieder zu befestigen, als diesen selbst unschädlich zu machen. An dem Abend vor dem Feste sahen sich die Verschworenen in die Nothwendigkeit versetzt, zu einem bestimmten Entschlüsse zu gelangen, aber es war ganz unmöglich, die verschiedenen Parteien zu einem einheitlichen Vorgehen zu bestimmen. Vergeblich wandte Pater Franziskus die zündendsten Mittel seiner Beredlsamkeit auf, vergeblich versprach er den Landboten der Bürger alles erdenkliche Gute und Schöne. Dieselben hatten von