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Der Israelit · 1894-11-01 · Heft 85 (1.11.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 85 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1579 den Adeligen und Geistlichen vor nicht allzuferner Zeit schon zu viel Schlimmes erfahren, als daß sie den Worten derselben Glauben geschenkt hätten. Vergeblich drohte auch der Pan von Wola, daß sich die Adeligen überhaupt von der Verschwörung zurückzögen und mit den Bürgerlichen keine gemeinsame Sache mehr machen würden. Schon war es nahe daran, daß die einzelnen Verbände der Verschworenen mit gezücktem Schwert über einander hergefallen wären und sich selber aufgerieben hätten, als der schlaue Pater Franziskus eine solche Eventualität befürchtend, Frtedensvorschläge machte. Er sagte, es scheine ihm die ganze Verschwörung nicht genügend vorbereitet. Im Uebrigen aber müsse man doch Gott walten lassen, der gewiß es nicht ruhig ansehen würde, daß eine Jüdin in einem christlichen Reich herrsche. Er sei fest davon überzeugt, Gott würde ihnen während des Festes schon irgend eine günstige Gelegenheit geben, um ihren Plan auszuführen, man solle weiter nichts zum Beschlüsse erheben, als daß man in möglichst großer Stärke und möglichst gut bewaffnet käme. Wenn dann Gott einen günstigen Augenblick zum Losbrechen gäbe, so würde schon jeder Tbeil, Adel wie Stadtbewohner, das Seinige thun. Wenn aber ein solcher Augenblick während des Krönnngsfestes nicht komme, so solle man für dieses Mal unverrichteter Sache wieder zurückkehren und die Verschwörung besser vorbereiten. Vielleicht, daß sich diesmal wieder wie ehedem ein Bündniß mit Rußland oder einem der übrigen umwohnenden Völker schließen laffe, denn dieses Mal würde der König keine Unterstützung bei Leibeignen und Bauern finden. Durch diese Rede wurde der Friede in der Versammlung wiederhergestellt, und man beschloß nach den Worten des Paters zu handeln und auf den Augenblick zu spähen, da man losbrechen könnte. Schwer bewaffnet kamen die Gäste zu dem Feste des Königs und ließen ihre Reisige in den Gasthäusern und freien Plätzen der Stadt kampiren, so daß sie jeden Moment bereit sein konnten, hervor zu brechen. Es war eine der glänzendsten Festversammlungen, die das königliche Schloß in Krakau je gesehen. Keiner von all den großen Würdenträgern des Reichs fehlte; sie Alle waren erschienen, und Alle harrten mit gespanntester Aufmerksamkeit der Dinge, die da kommen würden. Kurze Zeit vor dem Feste war es Elischa gelungen, noch einmal bis zu Esther vorzudringen. Mit scharfen Worten redete er ihr ins Gewissen. „Was hast Du gethan, Abtrünnnige," rief er ihr zu. „weh' Dir, Gott wird Dich hetmsuchen, so stolz Du jetzt bist, Du wirst herniedergeschmettert werden von Deiner Höhe, Du wirst bald in Sack und Asche Buße thun über Dein Verbrechen. „Fast scheint cs mir wie ein Räthfel, daß ich jemals Liebe fassen konnte zu einem solchen Weibe. O, Esther, Esther, weiß Dein alter Vater, was Du gethan! Weiß er, daß Du abgeschworen hast den Gott Deiner Väter, und Dich gewendet hast zu einer fremden Religion?" Lange hatte ihm Esther schweigend zugehört; endlich aber, als Elischa ihr drohte, daß er schon Mittel und Wege finden werde, um ihren alten Vater von dem schmählichen Vrrrath seiner Tochter an dem Glauben Israels zu benachrichtigen, da hatte sie nicht mthr an sich halten können, und sie erzählte Elischa, daß es nicht wahr sei, daß sie abtrünnig geworden dem Gotte Israels, daß die Taufe nicht stattgefunden, daß ein dienstwilliger Priester dem König auf sein Verlangen etwas bestätigt, was niemals vollzogen worden sei. Elischa aber, der Esther für so schlecht und verdorben hielt, glaubte ihr nicht. „Der König, Dein Gatte, hat mich betrogen und belogen," rief er, „er hat mir seiner Zeit versprochen, daß er meinem Wunsch Nachkommen, daß er Alles mir erfüllen werde, was irgendwie menschenmöglich sei, und er hat sein Versprechen nicht gehalten, sondern hat, nachdem ich mit vielen Mühen ihm Ruhe und Frieden verschafft, mich schnöde abgewicsen und davon gejagt, und Du warst mit ihm im Bunde. „Hättest Du dazumal auf meiner Seite gestanden, König Kasimir würde es nie gewagt haben, mich so schnöde zu behandeln. „Aber Du kennst nichts auf der Welt, als Dich selbst, Du hast weiter kein Ziel und keinen Zweck, als Deinen Gelüsten nachzugehen, als Dich selbst zu vergnügen, und Dein Volk Israel hat in Deinen Augen ebenso wenig Werth, wie Dein Glaube und die Liebe zu Gott. O, Esther, Esther, wie ist es möglich, daß Du so ganz verderben konntest, wie mochte es nur zugehen, daß Du so schlecht und elend werden konntest, die Du einst gut und fromm warst?!" Vergebens versicherte ihn Esther immer wieder und wieder, daß er sich irre in ihr, daß sie nicht abtrünnig geworden sei. Vergebens flehte sie ihn an. daß er um Gottes willen ihrem Vater nichts erzählen möge von den Gerüchten ihres Abfalles, die man nur ausgestreut,

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