Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-11-01 · Heft 85 (1.11.1894) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 85 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448488--39522-2487675
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1577 goge daselbst zu erbauen beschlossen hat, gemeinsame Sache zu machen. Die Collegien des Synagogen- Verbandes geben sich der Hoffnung hin, da die paraten eignen Mittel nicht ausreichend erscheinen, vom Gemeindevorstande eine entsprechende Subvention event. unter Preisgabe einer der städtischen Gemeindcsynagogen zu erhalten, sowie vom Staate einen geeigneten Platz, sei es unentgeltlich oder doch gegen billige Vergütung überlassen zu bekommen. Schließen sich alsdann die erwähnten drei Privatsynagogen — was unzweifelhaft geschehen dürfte — an, so wäre hierdurch schon eine gute Grundlage geschaffen. — Die Leistungsfähigkeit der hiesigen Gemeinde leidet unter ihrer eigenthümlichen Verfassung, welche den Cultus von der Hauptgemeinde in Analogie des Prinzips „Trennung der Kirche vom Staate" trennt, sowie unter dem Umstande, daß außer den Eingeborenen Niemand von den Zuziehenden verpflichtet ist, ihr anzugehören, und daß auch der Austritt sich leichter gestaltet, wie in Preußen. — Die religiöse Bewegung während der vergangenen Feiertage war eine recht erfreuliche, der aufmerksame Beobachter konnte zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Hamburger Gemeinde eher Fortschritte darin als das Gcgentheil gemacht habe. Der Andrang in den vielen Synagogen, insbesondere die Ueberfüllung bei der num am mw rov, zu welcher an die ‘td von nnyn *on rpyo als Thema gewählt hatte; die Masse der nym« (auf etwa 1200 taxtrt) die ansehnliche Anzahl rvo'D (c. 800), wobei verschiedene öffentliche, legten beredtes Zeugniß dafür ab. Auch das Bestreben min zu lernen findet bet den jüngeren Leuten kräftigen Widerhall. Man kann wohl sagen, die Hamburgische Gemeinde nimmt in religiöser Beziehung einen ersten Platz ein. Was noch zu wünschen übrig bleibt, darüber ein anderes Mal. 11. Posen im Oktober. Trotz des überhandnehmenden Jndifferentismus in religiösen Dingen bleibt unsere Gemeinde ihrem alten Rufe treu. Daß sämmtltche Institutionen in althergebrachter Weise fortbcstehen, daß für nö»rw und nntpa in peinlichster Weise gesorgt wird, braucht nicht wiederholt zu werden. Heute soll nur mitgetheilt werden, daß der Gemeindevorstand dem religiösen Bedürfnisse der Gemeinde wieder in dankenswerther Weise entgegengekommen ist. Es macht sich hier nämlich, wie in allen größeren Städten, der Umstand fühlbar, daß ein großer Theil der Gemeindemitglieder keine naio haben kann, da theils die baulichen Verhältnisse, thetls andere Umstände in den meisten Häusern die Errichtung einer naio unmöglich machen. Viele, denen noch na-D niso am Herzen liegt, suchen sich nun damit zu helfen, daß sie bei befreundeten Familien die besuchen, wobei sie sich allerdings auf bloßes mp und n’öid resp. pon nana beschränken. Diesem Uebelstande einigermaßen abzuhelfen, hat der Vorstand eine größere j-did auf dem Synagogenhofe errichten lassen, so daß es nun einer größeren Anzahl religiöser Mitglieder ermöglicht ist, ohne Belästigung Anderer naiv w.xv zu erfüllen. — Die hiesige Gemeinde und speziell die neue Betschule hat einen herben Verlust erlitten. Herr Paul Borchert, der erste Vorsteher dieser Betschule ist im 51. Lebensjahre verschieden. Er war auch Mitglied der Repräsentantcnversammlung, der Stadtverordnetenversammlung. Vorstandsmitglied mehrerer wohlthätigen Vereine, Armendeputirter, und hat in diesen Stellungen mit Eifer und Gewiffenhaftigkeit recht viel Gutes gewirkt. Als Vorsteher der neuen Betschule war er darauf bedacht, aufkeimend.' Neuerungsgelüste niederzuhalten uud ihm ist es zu verdanken, daß der Gottesdienst iu der neuen Betschule noch in althergebrachter Form stattfindet, was man von vielen andern hiesigen Synagogen nicht so absolut behaupten kann. Sein Leichenbegängniß, wobei auch die städtischen Behörden vertreten waren, fand unter überaus großer Bethetligung statt. Die eben vergangenen Festtage haben wieder einmal Anlaß zu einer unliebsamen Wahrnehmung gegeben. Sobald nämlich die Festtage, wie dieses Jahr, auf Schultage fallen, bemühen sich die Eltern, die noch den verzeihlichen Wunsch hegen, ihren Kindern den Sinn für die Bedeutung des Festes zu erhalten, denselben Dispensation vom Schulbesuch zu erwirken. Von den Direktoren des Marien- und des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums wird diese Dispensation in bereitwilliger Weise gewährt, von dem Direktor des Real-Gymnasiums dagegen verweigert. Dies ist um so bcmerkenswerther, als gerade an den beiden ersterwähnten Anstalten, an denen die jüdischen Festtage berücksichtigt wurden, kein jüdischer Religionsunterricht ftattfindet, während an dem Real-Gymnasium, das die jüdischen Feste ignorirt, jüdischer Religionsunterricht erthült wird, so daß man mit um so größerem Rechte eine Berücksichtigung erwarten dürfte. Uebrigens sind leider die Eltern, von denen Dispensation nachgesucht wird, nicht allzuviele. Die meisten, selbst solche, die für religiös gelten, finden es für richtig, ihre Kinder auch an den Festtagen zur Schule zu schicken. Offenbar schaden solche „Fromme" hierdurch dem Judenthum mehr, als die Jrrreligiösen; denn der Lehrer, dem es auffällig ist, daß nur so wenige von der Rücksicht Gebrauch machen, muß auf die Vermuthung kommen, daß der Festtag denn doch von keiner so wesentlichen Bedeutung sein könne; vielmehr sei es von den wenigen, die Dispensation verlangen, nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.