Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 85 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1576 tung brr Bronchophonie", „die Nothwendtgkeit der Staatshülfe bei Massenepidemien, speciell der Cholera". Hiermit war aber Hirsch's ärztliche Thätigkeit noch nicht erschöpft. Er war Gründer und Präsident des Jsr. Vereins zur Pflege und Unterstützung armer und hülfsbedürftiger Kranken, Gründer und 8 Jahre lang Arzt der ebemaltgen Privatheilanstalt für Lungenkranke in Falkenstein i. T., die jetzt in dem Besitze des hiesigen Rcconvalescenten Verein sich befindet, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Jsr. Krankenpflegeinstitutes u. s. w., — und überall hat er sich nach Kräften bemüht, das Gute zu fördern. Bei diesen vielseitigen Beschäftigungen fand Hirsch noch Muße für religiöse und politische Tagessragen. In dem Geiste seines Vaters streng orthodox erzogen, vertrat er seine Ueberzeugung mit aller Energie. In dem Kampfe gegen den Antisemitismus nahm er eine hervorragende Stelle ein und seine, nur wenige Monate vor seinem Tode erschienene Schrift „Kulturdeficit am Ende des neunzehnten Jahrhunderts" ist voll beweiskräftiger und schlagender Gründe gegen jene Schänder der deutschen Kultur. Zur socialen Frage lieferte er einen Beitrag in dem Schriftchen: „Betteln und Haustren ist verboten". In allen diesen Schriften offenbart sich sein menschenfreundliches Gemüth ebenso wie seine Gewandtheit in Sprache und Ausdruck. Ein Mann, der so voll Menscheuliebe war gegen Jedermann, weß' Standes und Glaubens er auch sein mochte, war natürlich anch der beste Sohn, Gatte und Vater, ein hülfreicher Freund. Und wie stand er zu seinen Kollegen.' Er hatte unter ihnen keinen Feind, er wahrte die Ehre des Standes in vollkommener Weise und niemals ließ er sich zu Verstößen gegen die Berufsgenofscn verleiten. Hirsch überstand im Winter 1892/93 eine schwere eitrige Mittelohrentzündung, die ihn einige Monate seinen Berufe entzog. Mit unendlicher Geduld ertrug er seine Schmerzen, ohne zu verzagen. Nachdem er genesen, begab er sich im Mai 1893 nach Karlsbad und kam völlig erholt zurück. Von da ab lag er wieder in gewohnter Weise seiner ärztlichen Thätigkcit ob, bis er gegen Ende Oktober unerwartet von stenocardischen Anfällen und Herzschwäche heimgesucht wurde, die seinem Leben jählings ein Ende setzten. Unter imposanter Betheiligung wurde Hirsch am 3. November zur Ruhe bestattet. In ihm übergaben wir der Erde einen Mann, den wir als Mensch, Freund und Kollegen hoch schätzten und den wir daher dauernd in gutem Gedächtnisse behalten werden." 0. Hamburg, 28. October. Die bereits in voriger Nummer des „Israelit" erwähnte Errichtung einer großen Synagoge vor dem Dammthore (Grindel-Harvestehude), woselbst schon seit Jahren eine große Anzahl Gemetndemitglieder wohnt und sich auch fortwährend insbesondere die von auswärts hierher ziehenden Israeliten ansiedeln, war schon längst ein anerkanntes Bedürfniß, welches sich während der jüngsten Feiertage um so fühlbarer machte, da viele gezwungen waren bet schlechtem Wetter zur Stadt zu wandern. Schon bet der letzten Wahl zum Delegirten Collegium des Synagogen- Verbandes, dem die Pflege der Synagogen obliegt, wurde von verschiedenen Seiten darauf htngewiesen, solche Mitglieder zu wählen, die für die Erbauung einer Gemeinde-Synagoge vor dem Dammthore einzutreten geneigt seien; allein bis vor Kurzem wurde über einen diesbezüglichen Beschluß nichts verlautbar. Nunmehr hat sich aus einigen Anwohnern dieser Gegend ein Komitee constituirt, welches vorläufig aus eigenes Risico einen zehnjährigen Micthe- Contract mit einem Bauübernehmer abgeschlossen, der in einem Neubau eine Synagoge für c. 500 Stellen herrichtet. Dieses Komitee wendet sich jetzt per Circular an die anwohnenden Israeliten ohne Rücksicht auf deren Gemeindercsp. Synagogen- Verbands-Angehörigkeit, zur Zeichnung von Beiträgen zur Beschaffung des Inventars, Uebernahme von Stellen und sonstigen Leistungen — man will auch einen eigenen Prediger (Richtung noch unbekannt) anstellen. Ob das gedachte Komitee sich sobald eines bedeutenden Erfolges erfreuen wird, halten wir schon deshalb für fraglich, weil es (das Komitee) sich eben ohne vorausgegangene öffentliche Versammlung, also ohne Mandat constituirt und, wie es scheint, eine unabhängige Stellung innerhalb, richtiger außerhalb der Gemeinde einnehmen möchte, wozu die Hamburg t sch e Judenschaft, wenn nicht religiöser Nothstand es erfordert, sich ungern hergibt. Außerdem werden die im genannten Bezirk, bereits bestehenden fünf Männer-Synagogen, darunter drei private, sich mit dieser Gründung nicht verschmelzen, was sie bei einem Gemetndeunterriehmen, sehr gerne gethan hätten, resp. thun würden. Die jährlichen Kosten für dieses vom Komitee gevlanten und, wie bemerkt, in seinem Haupttheil contractlich bereits eingeleiteten Unternehmen werden von sachverständiger Seite auf ca. 16.000 M. geschätzt. Die Herren vom Komitee werden sich daher auf größere Zuschüsse aus eigener Tasche gefaßt machen müssen, wenn sie es nicht vorziehen mit dem Synagogen- Berbande, der nunmehr, um die Concurrenz gegen sich nicht aufkommen zu lassen, eine eigene Syna-