Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 85 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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15-5 Wöhnten, sagt der Talmud, daß sie nicht als Götzendiener zu betrachten sind, sondern nur als Menschen, die die Bräuche und Sitten ihrer Ahnen beibehalten haben und daß deßhalb die bibl. Gesetze bezüglich der Götzendiener auf sie keine Anwendung haben (Chulin 13 b)7), umsomehr aber gilt dies vom Christenthum, welches unsere schriftliche Lehre, unsere heiligen Schriften als göttliche Offenbarung anerkennt, unsere Ethik als die Grundlage feiner Satzungen annimmt, unser Mornlgesetz als das seinige adoptirt, den Schöpfer des Himmels und der Erde so wie wir, verehret und anbetet, zu ihm schwöret und ihm nachzustreben lehrt, welches außer seinen verschiedenen Dogmen in Wahrheit eins und innig verbunden mit dem Judenthum ist, umsomehr, sagen wir, daß die Bekenner des christlichen Glaubens, in jeder Beziehung, was die Ethik und die Moral betrifft, als vollkommen gleichwertbig vor Gott, als wahrhafte Brüder von den Bekennern des jüdischen Glaubens nach reltgionsgesetzlicher Vorschrift zu betrachten sind. (Fortsetzung folgt.) ZeitrmgSrrachrichterr «ud Correfpouderrzerr. Deutschland. R. Frankfurt a. M, 29. Okt. In dem soeben erschienenen Jahresbericht über die Verwaltung des Medizinalwesens die Kranken - Anstalten und die öffentlichen Gesundheitsverhältnisse der Stadt Frankfurt a. M., herausgegeben von dem ärztlichen Verein, Jahrgang 1893, (Frankfurt a. M., I. D. Sauerländer's Verlag), widmet Herr Sanitätsrath Dr. E. Marcus dem leider so früh dahingeschiedenen Dr. Marcus Hirsch, den folgenden Nachruf: „In der Nacht vom 1. auf den 2. November, 1893 wurde Dr. Marcus Hirsch im besten Manncsalter aus dem Leben abgerufen, ein schwerer Verlust für Alle, die ihn und seine vortrefflichen Eigenschaften als Arzt und Mensch kannten. Der Verblichene, Sohn des vor wenigen Jahren verstorbenen Rabbiners bet der Jsr. Religionsgesellschaft, Dr. Samson Raphael Hirsch, war am 15. Dezember 1838 geboren. Er studirte in Berlin, Würzburg, Wien und Paris und erhielt in Würzburg auf Grund einer Dissertation „tzuaeäam äe Fluorcalcio" am 31. März I8t>0 den Grad eines Doktors der Medicin, Chirurgie und Geburtshülfe. Nach bestandenem Frankfurter Staatsexamen wurde er durch Rathsbeschluß vom 23. Mat 1862 unter die Zahl der hiesigen ausübenden Aerzte ausgenommen. Dann ging er noch einige Zeit nach Prag, p ry naiy nsnraw o"iay pnv '"i im (7 . pin) omo orrnaN jhjd um sich an der dortigen Gebäranstalt in Geburtshülfe und Gynäkologie auszubilden, und ließ sich, von da zurückgekehrt, in Frankfurt als Arzr nieder. In demselben Jahre ward er Mitglied des Aerztltchen Vereins, dem er bis zum Tode angehörte. Hirsch war ein Arzt von großem Wissen und Können und in Folge dessen brachte er es sehr bald zu einer sehr ausgebreiteten Praxis. Mit unendlicher Geduld, mit Ruhe und Besonnenheit, mit unsäglicher Aufopferung und Hingebung widmete er sich seinen Schutzbefohlenen und die Armen unter ihnen hatten an ihm auch einen materiell sorgenden Freund. Das große Vertrauen, das ihm allseits entgegengebracht wurde, rechtfertigte er durch sein ganzes Auftreten und Handeln. Jeder einzelne Kranke war Gegenstand seiner aufmerksamsten Fürsorge und es machte keinen Unterschied, ob er es mit Reichen oder Unbemittelten zu thun hatte. Pedantisch in der Untersuchung, galt es ihm, seinem Patienten nicht durch eine schnell hingeworfene Diagnose zu imponiren, sondern durch ruhige, kalte Ueberlegung; um so sicherer aber war seine diagnostische Feststellung. Stand er so auf einem nicht schwankenden Boden, dann nahm er den Kampf mit der Krankheit muthtg und hoffnungsvoll auf, da scheute er keine Mühe und kein Opfer, um zu helfen, und die Sicherheit des gewonnenen Unheils gab ihm auch das Vertrauen in die Wirkjamkelt seiner Mittel und Anordnungen. Unterlag er aber dennoch, so griff es ihn tief an, lange Zeit war er zerknirscht und verstimmt, während er anderseits, wenn er einen Steg davongetragen, ein innerlich beglückter Mensch war. Und wie gegen seine Privatpatienten, so war er auch gegen die Kranken in der Jsr. Männer- und Frauen-Krankenkasse, sowie gegen Leidende im Georgine Sara von Rothschild'- schen Spitale voll Liebe und Sorgfalt. In der letztgenannten, für erkrankte fremde, arme Israeliten errichteten Stiftung, deren Entstehung seiner Initiative und Fürsprache bet dem Sttster zu verdanken war und deren bauliche Einrichtungen nach seinen Ideen gemacht wurde, entfaltete er 23 Jahre lang als Chefarzt eine mühevolle, vielseitige Thättgkeit. Hirsch liebte es nicht, an den Vereinssitzungen viel Theil zu nehmen. Um so eifriger waren seine medicinlschen Studien, die er zu Hause machte. Er kannte die Literatur auf's Genaueste und keine neue Forschung entging ihm. Seine Belesenheit war gerazu erstaunenswerth und mit kritischem Verstände wußte er Alles zu beurtheilen. Seine Kenntnisse hat er auch in mehreren Aufsätzen bekundet, die in sachwffsenschaftlichen Zeitungen oder als Broschüren erschienen, so z. B. „Beitrag zur Zremffen'schen Bluttransfusion", „Ueber die diagnostische Bedeu-