Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 84 (29.10.1894)
- Date
- 1894-10-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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daß er in gewisser Beziehung getäuscht und falsche Vorspiegelungen gemacht hatte, und er sehnte sich in seinem Innersten danach, seinem Volke mit der vollen Wahrheit gegenüber zu treten und zu bekennen: „Seht, so habe ich gethan, weil ich nicht anders konnte; es handelte sich um mein Lebensglück und ihr werdet mir vergeben!" Er wollte an die Oeffentlichkeit hinaus treten und das vertheidigen was er gethan. Esther erzitterte, als er ihr diesen Gedanken mitthetlte und sagte ihm, daß sie fürchte, daß all ihr stilles Glück hierdurch zu Grunde gehe. Er aber streichelte ihr liebevoll das Haupt und entgegnete: „Du bist eben ein Weib und Weiber sind furchtsam. Glaube mir, ich bin König und uneingeschränkter Herrscher dieses Landes, was ich will, das wird und muß geschehen und kein Mensch darf es wagen, mir entgegen zu treten, oder zu widersprechen." Esther neigte ihren Kopf, legte ihn an seine Brust und sah zu ihm empor und sprach: „Du weißt ja Alles besser, Du lieber, herrlicher Mann, thue denn nach Deiner Einsicht, ich will mich gerne Deinem Willen fügen." Da schickte der König Sendboten umher zu allen Adeligen und Geistlichen des Landes und ließ sie einladen zu dem Feste, das er zu Ehren seiner neuen Gemahlin geben wollte. Er ließ den einzelnen Würdenträgern sagen, daß ihm besonders daran gelegen sei, wenn sie zu diesem Feste erscheinen wollten, da sie dadurch kund thun, daß sie ihm nicht zürnten über die Wahl, die er getroffen, sondern daß sie als gute und treue Unterthanen sich auch hierin dem Willen des Herrschers fügten. Aber gerade dadurch entflammte König Kasimir den lange aufgehäuften Zündstoff. Jeder der Würdenträger der Adeligen und Geistlichen hatte die Absicht gehabt dem Feste des Königs ferne zu bleiben, um ihm dadurch kund zu thun, wie wenig er mit der Wahl übereinstimmte, die der Herrscher getroffen. Dies aber war durchaus nicht nach dem Plan, den der Pan von Wola gemeinsam mit dem schlauen Pater Franziskus getroffen und verabredet hatte. Es lag ihnen vielmehr daran, daß das Fest zu Stande komme, und daß möglichst viele der höchsten Personen im Reiche daran Theil nähmen, denn sie hatten es darauf abgesehen es bet diesem Feste zur Katastrophe zu bringen. Längst schon war in jeder Nacht im Schlosse des Pan von Wola eine große Anzahl von Verschworenen versammelt, und es verging kein Tag, an welchem die Zahl derselben sich nicht vermehrte. Hier wurde denn beschlossen, daß man jetzt seine ganze Kraft aufbieten wolle. Keiner darf dem Feste des Königs ferne bleiben. Die Verschworenen selbst aber verabredeten unter einander, daß sie scharf geschliffene Schwerter unter ihren Mänteln tragen wollten, und daß jeder mit einer möglichst großen Anzahl von Reisigen einträfe. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 2. November, 3. Cheschwan. Sabbat-Anfang in Mainz 4 Uhr 4b Min. (M. E. Z.) Samstag, 3. November, 4. Cheschwan m Sabbat-Ausgang in Mainz 5 Uhr 45 Min. (M. E. Z.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jrdkSmal in mindestens zwei Bogen. Prei« des Jahrgang« für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark, für'S Ausland IS Reichs-Mark. Man aboanirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Aurch im Onchhavtel M «n*bei €. /. Kteinocker, Letpstg, Dloßptatz IS. — Inserat« 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeilr oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Di recte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland uud Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. Mi»« flUktfeafcimi fco« a« die Redaktion eingesandte« Manuskripte» findet nicht statt, mau bittet deShald sich fco« alle« Einsendungen timt «Kopie zartirkzabehalte«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die neue Freiburger Synagogenordnung. — Zeitungsnachrichten und Eorrrspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus der Provinz Posen. Kosten. Hannover. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg. — Frankreich: Paris. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Jtthalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Gebete für den Czaren. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. Mannheim. Straßburg i. E. — Amerika: New-E)ork. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Central-Firmenliste. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.