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Der Israelit · 1894-10-29 · Heft 84 (29.10.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 84 (29.10.1894)
Date
1894-10-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1563 für jetzt, sondern für ewige Zeiten gelten solle, und daß keiner seiner Nachfolger auf dem Throne Polens das Recht haben solle dasselbe aufzuheben, oder zu verändern. Und um Allen im Beispiele voraus zu gehen, wie man die Juden zu ehren und zu achten habe, bekleidete König Kasimir eine Reihe von Juden mit hohen Stellungen im Staate und verlieh einige sehr einträgliche Acmter an dieselben. Auch als Oberhaupt der Steuerbehörde wurde ein Jude eingesetzt und hierdurch wurde das Volk an einem seiner empfindlichsten Punkte getroffen. Der Haß gegen die Juden loderte immer höher und immer mächtiger empor. Auch Esther wußte nichts von der Stimmung im Volke, aber sie konnte sich voraus sagen, daß die Maßregeln des Königs keinen günstigen Einfluß auf die Menge ausüben würde. Vergeblich warnte sie denselben wieder und wieder, nicht zu freundlich und freigebig gegen die Juden zu sein, da er ihnen dadurch wohl mehr schadete als nützte. Der König hörte nicht auf sie und sagte ihr, was dann die Würde eines Königs bedeute, wenn er nicht einmal Gutes thun könne, denen, die er liebe und schätze. Auch quäle es ihn, daß er Elischa nicht habe danken können und dies solle sein Dank sein. Nicht allein, daß eine düstere und schwere Stimmung auf dem ganzen Adel und dem Volke Polens ruhte, auch die Juden selbst konnten sich der Güte, die ihnen von dem König widerfuhr, nicht recht erfreuen. Wie ein drohendes Gewitter schwebte die gehässige Stimmung der Einwohner des Landes über ihrem Haupte, und sie mußten sich sag?n, daß der Tag voraus zu sehen sei, an dem das Unwetter über sie losbrechen würde. Auch schmerzte sie tief, daß Esther ihrem Gotte abtrünnig geworden, daß sie ihre Religion um d?s äußeren Vortheils wegen verleugnet hatte, und wenn sie auch die Wohlthaten des Königs empfingen und empfanden, so vermochten sie sich derselben doch nicht zu erfreuen in dem Gedanken, daß es eine Abtrünnige sei, die ihnen all dieses Gute erwiesen habe. Im ganzen Lande Polen, in allen Kreisen, hoch wie niedrig, von Prinzen und Fürsten bis zu den Leibeignen in ihren elenden Hütten, sprach man nur von dem einen Einzigen, was die Herzen des ganzen Volkes bewegt, von des Königs jüdischer Gemahlin. Der Einzige im ganzen Lande, außer dem Herrscherpaare, das nichts von allen diesen Dingen erfuhr, war Rabbi Jehoschua, der noch immer an das Krankenlager gefesselt und in Folge dessen von der Außenwelt vollständig abgeschnttten blieb. Desto mehr aber stand Elischa in Mitten der Bewegung, die sich bildete. Ahnte doch auch er nicht, daß Esther nur zum Scheine der Religion ihrer Väter untreu geworden war, daß sie im Herzen treu geblieben, daß in Wirklichkeit die Taufe gar nicht vollzogen worden war. Seit jener Zeit, da der König seine Bitte abgewiesen, da er den Plan und die Hoffnung seines ganzen Vorhabens scheitern gesehen, hatte sich eine tiefe Schwermulh und ein finsterer Haß des Gemüths dieses sonst edlen Mannes bemächtigt; und als er nun noch die Nachricht erhielt, daß Esther ihren Glauben verleugnet, da war jede Spur von Liebe zu ihr aus seinem Herzen getilgt, und sein ganzes Denken und Sinnen konzentrirte sich nur darauf, wie er die Abtrünnige strafen sollte. Er meinte, daß sie nur ihrem eignen Herzen folgend, nur ihrem eignen egoistischen Triebe stöhnend, ohne Rücksichtnahme auf das Wohl von Israel, diese gräßliche Sünde begangen habe, das war für Elischa ein unverzeihliches Verbrechen, das mit dem Tode gesühnt werden mußte.- Die Leute, die in der Nähe des Königs geblieben waren, hüteten sich, wie wir bereits erfuhren, eifrigst davor, dem König die Stimmung zu verrathen, die sich des Volkes bemächtigt hatte. Im Gegentheil, sie schmeichelten ihm, das Volk sei beglückt, nun endlich eine Königin erhalten zu haben und mit Liebe und Verehrung blicke man zu Kasimir und Esther empor. Einer der Adeligen, der dem Bunde der Verschwörer angehört hatte, vermochte es dem Könige glaubhaft zu machen, daß man überall im Volke erwarte. Kasimir werde auch ein großes, prunkreiches Krönungssest zu Ehren seiner Gemahlin veranstalten. Und der König billigte diesen Rath und ließ verkünden, man werde ein Fest begehen wie es Krakau noch nicht gesehen habe. Esther hatte zu verschiedenen Malen Kasimir gebeten, er solle sie so viel als möglich in Stille und Zurückgezogenheit Üben lassen, damit sie nicht durch ihr persönliches Erscheinen den Aerger und Zorn, der die Adeligen erfüllen müsse, noch steigere. Dies aber entsprach dem Charakter Kasimirs nicht. Er war eine offene und gerade Natur und haßte alle Winkelzüge. Auch die Scheintaufeund alles, was damit verknüpft war, hatte er erst nur nach langem Zögern gebilligt und nur die Liebe zu Esther, und weil es ihm durchaus nicht möglich war einen anderen Ausweg zu finden, hatte ihn zu dieser Handlung bewegen können. Es lastete aber schwer auf seinem Herzen,

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