Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 84 (29.10.1894)
- Date
- 1894-10-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448487--39506-2487658- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1 zur Ausstellung hier weilten und Freitag nach | Brody abretsen mußten, ließ Dr. Byk die genann- U ten jüdischen Gymnasialschüler in einem hiesigen jt Gasthaus über Samstag auf eigene Kosten bekösti- K gen, da dieselben am Sabbat nicht fahren durften, D und am Samstag Abends ließ er sie wieder auf | eigene Kosten nach Brody zurücktransportiren. I; Frankreich. Paris, 11. Oct. Das Schwurgericht sprach den Herausgeber der „Libre Parole“ von der! Anklage der Beleidigung der Behörde durch Artikel des Blattes frei, verurtheklte jedoch den Verfasser f des einen Artikels. Drumont, in contumaciam zu |j drei Monaten Gefängniß und 500 Frcs. Geldstrafe. J > Äermischies. I Auö Weftsaleu, im Oktober. Zu der Nachricht von der Umfrage der Königlichen Negierung zu Arnsberg i wegen der Ferien an jüdischen Schulen wird geschrieben:! Diese Enquete dürfte wohl auf Beschwerde des jüdij scheu Schulvorstandes zu Essen zurückzuführcn sein, der bei I; dem Ministerium wegen der Ferienkürzung au jüdischen Schulen vorstellig geworden ist. Diese Kürzung schließt nämlich eine sehr ungleiche Behandlung der verschiedenen Bekenntnisse in sich. Während den katholischen Schuten die Feiertage nicht in Abrechnung gebracht werden, müssen die |: jüdischen Schulen im Regierungsbezirk Düsseldorf auf An- 1! ordnung der Bezirksregierung sämmtliche Feiertage an den Ferien kürzen, so daß denselben nicht einmal die gesetzliche Mindestdauer der Ferien verbleibt. Dieser sehr fühlbare Mißstand, wie die ungleiche Behandlung der Konfessionen,?! hat den jüdischen Schulvorstand in Essen bewogen, den f. Herrn Minister um Abhilfe zu bitten, und das Ergebniß jjl .. dieser Bitte dürfte vorerst die erwähnte Umfrage sein. HeuiLleto n. Esterka, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 37.) (Nachdruck verboten.) Wenn die früheren Leibeigenen auch ihren König liebten, der ihnen so viel Freihkit gegeben, und sie vor sehr vielem Unrecht bewahrt hatte, so liebten sie doch noch mehr ihre Religion, und fanatisch wie sie waren, wollten sie lieber Freiheit und Recht wieder verlieren, als Juden werden. Außerdem aber versprachen Adelige und Geistliche dem Volk das Beste und Schönste, wenn erst der König gestürzt wäre, daß die Leibeigenschaft überhaupt aufhören solle, und daß für die Bauern goldene, steuer- und abgabefreie Zetten beginnen würden. Von diesen Vorgängen innerhalb der Adelskreise und des Volkes erfuhr König Kasimir nichts, denn einei setts war keiner der Leute, die von der Bewegung wußten, ihm so ergeben, daß er hätte ihn warnen mögen, andrerseits aber mußte man auch mit Recht befürchten, daß diese Warnungen bei dem König nichts helfen würden. Selbst die, die seiner Person am Nächsten standen, wie etwa der Kastelan von Krakau oder der Erzbischof von Gnesen waren schwer betroffen durch die Handlungsweise des Königs und er hatte sich seine nächsten Freunde und Diener durch dieselbe entfremdet. Wohl hatte ihm der Eine oder der Andere anfangs noch Vorstellungen gemacht, in welch schwere Kämpfe er sich dadurch stürzen würde, daß er eine geborene Jüdin zur Frau nehmen wolle. Der König aber hatte alle die Warner und Mahner barsch abgewiesen und war für alle Einreden unzugänglich, die ihn gegen Esther einnehmen wollten. Der Fürst Sapieha, ein mächtiger einflußreicher Mann, harte sich so weit Hinreißen lassen, dem König in herben und derben Worten zu sagen, daß das Volk berechtigt sei zu verlangen, daß ein König nicht der Laune seines Herzens folge, sondern nur seiner Einsicht und der Weisheit seiner Räthe. Dafür war Fürst Sapieha auf unbestimmte Zeit auf seine Güter verbannt worden. So wagte! s denn keiner mehr dem König Kunde zu geben von dem, was vorging, oder ihm eine Warnung zukommen zu lassen. Kasimir selbst lebte in der Wonne und dem blinden Glücke der jungen Liebe und ahnte nichts von den schweren dunklen Wolken, die sich über seinem Haupte zusammenballten. Er war nur darauf bedacht, auf welche Weise er seine junge Gemahlin erfreuen könne, und hätte es noch einer Ursache bedurft, um die Erbitterung gegen die Juden im Volke zu steigern, so trat dieselbe nun ein. Mag es nun gewesen sein, daß König Kasimir eine Art von Gewissensbissen darüber fühlte, daß er die Bitten Ellscha's nicht erfüllt hatte, weil er sie nicht erfüllen konnte, sei, daß es lediglich deßhalb war, um seine junge Gemahlin zu erfreuen, genug der König erließ jetzt eine Reihe von Gesetzen, die so sehr freundlich und günstig für die Juden waren, daß die ärgsten Feinde Israels sie nicht schlimmer hätte ausdenken können, denn die Gährung im Volke wuchs durch dieselben immer mächtiger an. Vor allem bestätigte der König das Recht der freien Einwanderung und der Freizügigkeit aller Juden, einerlei aus welchen Landen dieselben kommen, sowohl für das ganze Reich Polen, als auch für die neu eroberte russische Provinz und zwar mit der Bestimmung, daß dieses Gesetz nicht allein 1562