Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-10-29 · Heft 84 (29.10.1894) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 84 (29.10.1894)
Date
1894-10-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448487--39505-2487657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1561 kostenfrei in dem Lokale, Alter Markt 51, wo die Geschäftsinhaber ihre Vakanzen anzumelden haben, vermittelt. Kosten, 12. Oelober. (Auflösuna der jüdischen Schule.) Die von dem Herrn Kultusminister bereits vor mehreren, Monaten angeordnete Auflösung der jüdischen Schule Hierselbst, welche der Schulvorstand durch eine an denselben gerichtete Vmfttllung zu verhindern bestrebt war, kommt nun zum 1. November unwiderruflich zur Ausführung. Durch Beschluß der Regierung zu Posen vom 1. dss. Mts. sind die jüdischen Hausväter vom genannten Zeitpunkte ab der cvanaelischen Schulsozietät zugewiesen worden. Letztere bchält jedoch ungeachtet dieser Zuschulung ihren bisherigen konfessionellen Charakter. Der bisherige jüdische Lehrer ist nach Schildberg versetzt worden. Da derselbe hier gleichzeitig als Kultusbeamter fungirte, büßt er durch die unfreiwillige Versetzung ungefähr die Hälfte seines bisherigen Einkommens ein. Wegen Erhaltung der Schule hat sich die jüdische Schulgemeinde zwar noch in letzter Stunde in einer Immediateingabe an den König gewendet, jedoch ist hiervon ein günstiger Erfolg kaum zn erhoffen. Hannover, 12. Oktober. Die hiesige Gemeinde hat am Nüsttage zum Vcrsöhnungsfest durch das plötzliche Hinscheideu des im 64. Lebensjahre stehenden Herrn Konimerzienraths Adolf Molling einen schmerzlichen Verlust erlitten. Neben seiner weitverzweigten geschäftlichen Thätigkeit hat er seit 25 Jahren dem Ncpräsentanteukollegium und dann dem Vorstande unserer Gemeinde angehört und stets mit lebhaftestem Interesse und größtem Pflichteifer s eines Amtes gewaltet. Er saß außerdem im Vorstande des Israel Simon'schen Waisenhauses, sowie des Vereins für Alterversorgung und Krankenpflege. Die Verpflegung der Le'denden war seine angelegentlichste Sorge, und seine Biederkeit, Herzlichkeit und Freundlichkeit ließen ihn als steten Freund und Tröster am Krankenlager erscheinen. Ebenso widmete er über ein Vierteljahrhundert als Vorsteher des jüdischen Wohlthütigkeits-Vereins den umfassenden Obliegenheiten gerade dieses Vereins seine persönliche Thätigkeit und förderte in hervorragender Weise dessen gedeihliche Entwickelung und segensreiche Wirksamkeit. Sein Name wird stets in Ehren gehalten werden, und sein Tod wird um so schmerzlicher beklagt, als in dem Nachwuchs unserer Gemeinde ein religiöser Jndifferenttsmus herrscht, durch den der alte Ruf zu schwinden droht. Das imposante Lcichenbegängniß zeugte von der Beliebtheit, welcher der Verstorbene in weiten Kreisen sich erfreute. Oesterr.Ungar. Monarchie. Wien, 30. Sept. Anläßlich der hier tagenden Versammlung der Acrzte und Naturforscher waren auch zahlreiche jüdische Gelehrte anwesend, und in der ethnographischen und anthropologischen Sektion hielt Primararzt Dr. Leopold Glück (Sarajewo) eine Vorlesung über die Spaniolen in Bosnien. Der Vortragende kam zu folgenden Schlüffen: Die Mehrzahl der heute in Bosnien angesiedelten Juden ist aus Konstantinopel und Salonichl, ein kleiner Thctl aus Italien eingewandert. Ein großer Theil der bosnischen Spaniolen stammt von 30 bis 40 Familien ab, die im Jahre 1604 mit Naphtale ben Mandjur, dem Bankier des Gouverneurs von Bosnien Paltadje Mehemed Pascha, nach Bosnien gekommen sind. Viele Familien sind später aus Rumelicn, Serbien und Bulgarien eingewandert, einzelne aus Padua und Venedig. Die Thatsache, daß die bosnischen Juden Sephardin sind, und daß sie durchweg theils spanische, theils italienische Flamen haben und daß sie endlich alle untereinander spanisch mit türkischen und bosnischen Beimengungen sprechen, beweise zur Genüge, daß die bosnischen Juden echte Spaniolen sind und sich in anthropologischer Beziehung nicht von anderen Spaniolen unterscheiden. Wien. Wie bekannt, wurde der Pfarrer von Weinbaus, Dr. Deckert, vor einigen Monaten vom Bezirksgerichte wegen unbefugter Kolportage zu einer Geldstrafe von zehn Gulden verurtheit,weil er eine Druckschrift an den Kirchcnthürcn durch Schulkinder vertheilen ließ. Dr. Deckert hatte gegen dieses Urtheil die Berufung angemeldet, über welche am 11. d. Mts. vor dem Appelsenate verhandelt wurde. Fast in gleichem Maße wie die Sache selbst, rief der Vertheidiger des Angeklagten ein eigenthümliches Interesse hervor. Als solcher fungierte Herr Max Löw, ein jüdischer Advokat, welcher sich vor wenigen Jahren der Taufe unterzog. Sowie Herr Pfarrer Deckert, obwohl er gegen die Juden eifert, sich nicht scheute, mit dem getauften Juden Paulus Meyer Hand in Hand zu gehen, so gab er jetzt ein Seitenstück hinzu, indem er in Gemeinschaft mit Dr. Max Löw vor Gericht erschien. Ebenso charakteristisch ist es für den Letzteren, daß er für die genügend gewürdigten Auslassungen des Pfarrers Deckert eintrat. Nach längerer Berathung wies der Gerichtshof die Beschwerde als unbegründet zurück. Lemberg. Herr Rabbiner Isaak S ch melk es gründete einen Verein zur Versorgung kranker Israeliten im allgemeinen Krankcnhause mit ritueller Kost und erwirkte vom hohen Landesausschuß die Concession, daß auch den t§raelitifdjen Kranken in dem Nonnenspital Koscherkost verabreicht werde. Ein Akt der Humanität und Toleranz seitens des Neichsrathsabgeordneten Dr. Byk darf nicht unerwähnt bleiben. Als am Freitag den 28. Sept. Abends 28 Gymnasialschüler aus Brody corporattv mit 200 christlichen Gymnasialschülern aus Brody

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.