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Der Israelit · 1894-10-25 · Heft 82-83 (25.10.1894) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 82-83 (25.10.1894)
Date
1894-10-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1551 ein Verzeichniß der Oberrabiner, die in den letzten Jahrhunderten hier das Seelsorgeramt bekleideten. Der verstorbene Rabbi Salomon Hazan war gleichfalls ein Sohn Jerusalems und war er der Reihe nach Rabbiner in Rom und Korfu, worauf er hieher berufen wurde. Zefath (hdh) ':nin, im Sept. Die Direction der Bahn Jaffa-Jerusalem hat soeben ein Gesuch nach Konstanttuopel geschickt, damit ihr von der Hohen Pforte die Concession ertheilt werde, ihre Bahnlinie über Jericho bis zum Jordan und dem Todten Meere verlängern und zugleich auch auf Letzterem einen Dampfschiffsverkehr errichten zu dürfen. Da die Gewässer des Todten Meeres tiefgehende Boote nicht tragen können, da dieselben ihres großen Salz- und Pechgehaltes nur schwer zu durchschneiden sind, so will die Gesellschaft nur flachgehende Fahrzeuge Herstellen, die aber zugleich zum Frachteniransporte dienen werden. So werden binnen Kurzem, da die Gesellschaft zweifelsohne die angesuchte Concesston auch erhalten wird, Sodom und Amorah Dampfschiffsstationen sein und beide Ort schäften werden selbstverständlich ihr fashionablen Hotels erhalten, um die vielen Touristen, die sie besuchen werden, bequem unterbringen zu können. Aber auch das Städtchen Jericho wird durch seine Bahnverbindung einen neuen Aufschwung nehmen, und voraussichtlich auch im nahen Jordan eine Badeanstalt erhalten. Auch für die Verprovianttrung von Jerusalem verspricht man sich von der neuen Bahnlinie große Vortheile, da dann die Stämme jenseits des Jordans ihre Bodenprodukte schneller auf den Markt werden bringen können. Die Gesellschaft verspricht sich auch von der Ausbeutung des Pechreichthums im Todten Meere ein beträchtliches Einkommen, da sie dieses Harz dann nach Jaffa bringen könne, um es von dort aus per Schiff nach Egypten, Griechenland, Italien u. s. W., wo dasselbe sehr gesucht ist, zu versenden. M a r o c c o. Maroeeo. Man liest im Reveil du Maroc vom 8. August: Am vorigen Sonnabend amüsirte sich ein: Truppe arabischer Gassenjungen damit, einen armen Juden, der wie es scheint, etwas geistesgestört ist, auf dem großen Markt mit Schlägen und Steinwürfen zu verfolgen. Herr Gentile, der italienische Bevollmächtigte, ging gerade vorbei, als einer der Araber dem armen Israeliten durch einen Steinwurf den Kopf zerschlagen hätte; derselbe forderte die Hilfe eines Soldaten des Paschas, welcher unter den Zuschauern stand, um dem Opfer aufzuhelfen. Der Soldat jedoch, dem diese Menschenjagd zu amüsiren schien, that als wenn er nicht höre und versuchte unter der Menge zu verschwinden. Herr Gentile richtete diesbezüglich eine Klage an den Gouverneur, erfuhr jedoch am nächsten Tage mit Erstaunen, daß der Soldat nicht die mindeste Strafe bekommen, der Jude dagegen etngesperrt worden sei. Alsbald machte der italienische Bevollmächtigte dem Gouverneur sehr ernste Vorstellungen, und an Stelle des in Freiheit gesetzten armen Juden kam der beschuldigte Soldat in's Gefängniß. Das Verfahren des Herrn Gentile verdient unfern Dank. vermischtes. Berlin, I. October. Der vor einigen Tagen plötzlich aus dem Leben geschiedene Rechtsanwalt Tharau sungirte in dem bekannten Mord-Prozeß, der im April 1885 vor dem Schwurgericht zu Danzig stattfand, als Verteidiger. Wie Manchem noch erinnerlich sein dürfte, wurde am Morgen des 23. Januar 1884 in der Nähe des polnischen Dorfes Skurey bei Preuß. Stargard die arg verstümmelte Leiche des 14jährigen Knaben Cybulla gefunden. Da ein Raub¬ oder Lustmord nach Lage der Dinge ausgeschlossen war, so wurde sehr bald die Meinung verbreitet.' die Juden hätten den Knaben zu rituellen Zwecken geschlachtet. Es wurden in Skurey mehrere jüdische Wohnungen und Läden demolirt und auch drei Juden wegen Berdachis der Täterschaft verhaftet. Schließlich wurde ein christlicher Schlächtermeister, Namens Behrend, verhaftet, der, da er ein großer Judenfeind war, beschuldi t wurde, den Mord begangen zu haben, um ihn den Juden in die Schuhe zu schieben. Behrend hatte sich deshalb vom 22. bis einschließlich 30. April 1885 vor dem Schwurgericht zu Danzig zu verantworten. Seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Tharau, gelang es damals, seine Freisprechung zu bewirken. Letzterer, ein strenggläubiger Katholik, hat in diesem Prozeß, in dem die konfessionellen Gegensätze oftmals scharf aufeinander platzten, eine durchaus objektive Haltung bewahrt und es auch mehrmals ausdrücklich betont, daß weder für die Schuld seines Klienten, noch für die eines Juden ein Anhaltspunkt vorliege. Pose«. Im Verlage einer seit 7 Jahren bestehenden deutschen Tageszeitung war ein jüdischer Kaufmann als Buchhalter und Zeitungsexpedient eingestellt. Solange nun derselbe seinem Chef bei Wechsel oder Lohnzahlungen im Benothigungsfalle auf Anregung seines Prinzipals mit Darlehen unterstützte, ist das Verhältniß ein intimes geblieben. Als er aber nicht nur die Darlehen nicht zurückerhielt, sondern ihm auf 4 Jahre lang sein Gehalt nicht ausgezahlt wurde und dieser in Folge dies jedes weitere Darlehen verweigerte, da gab es keinen schlechteren Kerl und unbrauchbareren Menschen wie sein Buchhalter. Die Juden seien alle Spitzbuben und Gauner. Das war der Dank, daß dieser junge Mann diesem Hamanfreffer baares Geld und sein Gehalt fast 4 Jahre zinsfrei überließ. Ich bezwecke mit dieser Notiz, daß in Zukunft in der Stadt Posen und Umgegend keiner unserer Glaubensbrüder bei dem Antisemiten-Verleger und Druckereibesttzer irgend etwas bestelle. Unus pro multis. Aus Aushause«. dd'id’pn 'n rwv ipn D’» ra? Eingedenk dieser goldenen Worte des 34. PsalmeS (Vers 12) hat Lehrer B. Adler dahier in seiner Schule die erwähnenswerte Anordnung getroffen, daß an den Werktagen nach Schluß des Nachmittagsunterrichts in Anwesenheit des Lehrers und sämtlicher Kinder nruo rosn laut gebetet wird. Mögediese, die Jugend zur Religiosität heranbildende Anordnung auch Im anderen jüdischen Schulen Nachahmung finden!

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