Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 82-83 (25.10.1894)
- Date
- 1894-10-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1550 Im Parlamentsbericht heißt es an dieser Stelle: „Beim Eintritt in die Schule sind die Kinder Rusien und Polen, und beim Verlassen sind sie oft kaum von den englischen Kindern zu unterscheiden." Eigentliche „Paupers," Leute also, die jede Energie zur Selbsthilfe verloren haben und im Arbeitshause oder ausschließlich von Armenunterstützung leben, gibt es unter den Einwanderern fast gar nicht. Nach dem erwähnten Parlamentsbericht bilden die russischen und polnischen Juden im Ostend Londons 18 Procent der Bevölkerung, nehmen aber am Pauperismus nur mit 0.67 Pcocent theil. Ebenso gering ist ihr Antheil am Verbrechen; im Jahre 1891 saßen 21 Juden im Gefängntß. Es macht einen tragikomischen Eindruck, wenn man hört, daß sich diese verelendet-jüdischen Einwanderer zu einer Gruppe unter dem stolzen Namen „Ritter der Freiheit" zusammengefchlossen und daß die Sozialdemokraten unter ihnen eine „Gruppe Vorwärts" gebildet haben. Die Agitation gegen die jüdischen Einwanderer wird wohl erfolglos bleiben. Der Parlamentsbericht faßt sein Urtheil dahin zusammen, daß diese russisch-polnischen Juden „im Ganzen eine friedliche gesetzestreue Gesellschaft sind." Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Spanien. Madrid, 24. September. Der gestrige Tag war ein epochemachender für die Glaubensfreiheit in Spanien. Gestern wurde nämlich hier unter großer Prachtentfaltung und in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der spanischen Freimaurerlogen die erste protestantische Kirche eröffnet, zu deren Bau auch die Protestanten Deutschlands ihr Schärflein beigetragen haben. Nun denken auch die wenigen hier lebenden Juden sich eine gemeinsame Andachtsstätte zu gründen, damit sie nicht mehr wie bisher am Neujahrs- und Versöhnungstage in einem Privathause zusammenkommen müssen, um daselbst ihre Gebetstunden abzuhalten. Was den Protestanten hier gestattet ist, das wird doch hoffentlich auch den Juden noch erlaubt sein, zumal der jetzige spanische Ministerpräsident, Herr Sagasta, ein Mann von recht freisinnigen und toleranten Anschauungen ist. Zweifelsohne wird auch die Köntgin-Regentin Maria Christina, die ein Sproß aus dem milden und judensreundlichen Hause Habsburg ist, nichts dagegen einzuwenden haben, wenn die Juden hier, unter denen sich auch einige Wiener befinden, so z. B. Herr Alfred Glog au, Consul Sr. k. u. k. apostolischen Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef I., dann der Juwelier Hartmann rc. sich eine bescheidene Andachtsstätte schaffen, um daselbst ihren religiösen Pflichten obliegen zu können. Vor Kurzem ist in Bilbao die aus Tanger (Marokko) gebürtige Jüdin Male« Mercedes zum Christenthume übergetreten und wurde mit großer Feierlichkeit in den Schoß der katholischen Kirche ausgenommen. Dieselbe lebte schon seit einigen Jahren im spanischen Seebade San Sebastian und ernährte sich schlecht und recht vom Hausirhandel. Sie wohnte bei Christen und aß natürlich auch bei denselben, und so ließ sie sich von ihren Wirthshausleuten überreden, ihren Glauben abzuschütteln und Katholikin zu werden. Nach spanischen Blättern wurden kürzlich in Mexico in einer Grotte drei jüd. Leichen gefunden, die noch mit ihren Gebetmänteln umhüllt waren. Näheres über diesen interessanten Leichenfund ist bis jetzt nicht bekannt. Egypten. Alexandrien, im September. Unser Rabbino Maggiore (Oberrabbiner) Elia Haz a n (pn) vm hat die hebräische oder vielmehr unsere rituelle Literatur um ein schönes Werk bereichert, indem er die synagogalen und rituellen Gebräuche in der hiesigen Gemeinde und deren Bethäusern sammelte und niederschrieb, und sie unter dem Titel ml?» nu der Oeffentlichkeit übergab. Alexandrien ist bekanntlich die älteste außerpalästinenstsche Gemeinde (soll doch nach hiesigen Ueberlieferungen schon der Prophet Elias wfy p* iitot hier vorgebetet haben und trägt daher unsere Hauptsynagoge auch dessen Namen) und hat sie daher auch recht sonderbare und eigenthümltche Gebräuche (d'Jtub), die es verdienen, in der ganzen jüdischen Diaspora gekannt zu sein. Das genannte Werk darf daher auf eine freundliche Aufnahme rechnen, zumal sein Autor ein hervorragendes Mitglied des afrikanischen Rabbinats ist. Oberrabbiner Hazan ist ein Sohn der heil. Stadt Jerusalem und war er früher Rabbiner zu Tripolis in der Berberei, worauf er vor vier Jahren nach dem Tode unseres Oberrabbiners Rabbi David Pardo jn, dessen Nachfolger hier ward. Auch ein Anverwandter und Namensvetter unseres Oberrabbiners David Hazan, Sohn unseres ehemaligen Oberrabbiners Salomon Hazan yj, ift jetzt mit einem interessanten Werke vor die Oeffentlichkeit getreten, indem er das noch von seinem Vater verfaßte Werk isv nt^>ts6 mtyon in der Officin des hiesigen jüdischarabischen Buchdruckers Faray Hajim Misrachi unter den Druck beförderte. Dieses Werk ist eine Fortsetzung von Azulai's Dt* und enthält die Autoren und die Werke, die seit dem Tode Azulai's entstanden sind. Auch enthält es