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Der Israelit · 1894-10-25 · Heft 82-83 (25.10.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 82-83 (25.10.1894)
Date
1894-10-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1537 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag (Zwei heilige Kunstwerke.) Ein frommer und talmudgelehrter Mann aus Rußland, der in seiner Heimath in der Gesellschaft eine hochgeachtete Stellung einnahm und sogar vom Czar durch mehrere hohe Orden ausgezeichnet wurde, lebt seit einigen Jahren, nachdem harte Schicksalsschlage ihn getroffen, hier in Prag und besitzt unter den wenigen Trümmern, die er von seinem früheden Wohlstände gerettet hat, zwei heilige Kunstwerke, die ihm in seinen besseren Tagen um keinen Preis feil waren, obgleich ihm bald nach dem Ankauf ein bedeutendes Aufgeld auf den von ihm bezahlten Preis von 500 Dukaten angeboten wurde, die er aber jetzt wegen drückender Noth gern zu verkaufen bereit wäre. Es sind dies nämlich ein min ibd und eine mit sämmtlichen mitten, von denen das Erstere 13 Ctm. und die Letztere 181/* Ctm. in der Höhe mißt. Trotz dieses relativ winzigen Formates ist die Schrift wunderbar deutlich und scharf hervortretend. Die nuvsn-Rolle zeichnet sich noch außerdem durch wahrhaft künstlerische Initialen in Goldfarben aus. Das Alter beider Handschriften soll ein sehrhohessein, namentlich hinsichtlich des n"v ist von glaubwürdiger Seite verbürgt, daß es von Rabbi Meir Margulies geschrieben worden ist. Trotzdem sind die Buchstaben in beiden Handschriften so frisch und unverwischt, als wären sie erst gestern auf das Pergament gesetzt worden. Die beiden heiligen Kunstwerke müssen das Staunen eines Jeden, der sie sieht, erwecken. So sind dieselben jüngst unserem Oberrabbiner Sr. Ehrwürden dem Herrn Dr. Ehrenfeld voraelegt worden, der gleichfalls seiner rückhaltlosen Bewunderung Ausdruck gab. Wie bereits im Eingänge erwähnt, stehen beide Kunstwerke zum Verkauf. Reflectanten erhalten bereitwilligst Auskunft durch Herrn P u t t m a n n, Eantor an der Pinkassynagoge in Prag. England. London, 14. October. Ueber die Sukkoth - Feier in unserer großen Weltstadt läßt sich manches Interessante berichten. Es befinden sich über 600 Sukkoth im östlichen und nahezu an 200 Sukkoth im nördlichen und vielleicht ebenso viele im westlichen Stadttheile. Eine der größten und merkwürdigsten ist die Sukkoh in Norwood, welche für so viele, cjß. 200 Waisenkinder der dortigen Waisen- Anstalt erbaut wurde und als Riesen-Sukkoh bezeichnet werden kann. In City ist die portugiesische Succah höchst geschmackvoll arrangirt; dieselbe befindet sich neben der Synagoge der Spanisch-Portugies. Gemeinde. Auch die der Restauration Goldstetn (Blomfield Street) ist zu den geräumigsten und j best dekorirten zu rechnen. Dieselbe wird namentlich von den Herren Bankiers, welche an der Börse beschäftigt sind, während der Woche besucht. Ursprünglich wurde dieselbe von dem Herrn Frlsenftein (aus Fürth bei Nürnberg) gegründet. In der Succah des südlichen Stadttheils (Borough) trifft man häufig jüdische Soldaten, welche in der Mittagsstunde dieselbe besuchen. Der Revd. Francis Cohen, (Schwtergersohn des berühmten Cantors Hast) arrangirte im vergangenen Jahre einen Gottesdienst lediglich für jüdische Soldaten (Bolunteers), welcher in höchst erhebender Weise abgehalten wurde. Eine der interessantesten Succoth ist die des jüdischen Bäckers Mr. Simchah Cohen (im Ostend), woselbst viele Hunderte von unseren polnischen , eingewanderten Glaubensbrüdern speisen und eine große Anzahl derselben sogar darin übernachten. Bemerkenswerth ist, daß Lord Rothschild an alle Diejenigen, welche ihren Namen in eine hiezu aufgelegte Liste verzeichnen, prachtvolles Laub als Geschenk zu deren Sukkah liefert und dasselbe sogar vor das Haus fahren läßt. Viele, selbst wohlhabende Succah - Eigenthümer machen stets von diesem Anerbieten Gebrauch, so daß in dieser Woche 380 Wagen voll Laub aus den Rothschild'schen Besitzungen ausgeführt wurde. Dieses Laub ist so herrlich, daß es auch als Verzierung für das Innere der Succah vielfach benützt wird. Die Prediger und Cantoren der größeren Synagogen erhalten noch nebenbei herrliche Obstkörbe zur inneren Zierde ihrer Sukka. Rußland. Petersburg, 15. Ociober. Der russische Thronfolger, der während der Krankheit seines Vaters die Regiernngsgeschäfte übernommen hat, soll ein sehr selbstständiger Charakter sein. So muß das Gerücht verzeichnet werden, welches die Stellung des Zarewitsch zu den strengen Maßregeln gegen die Juden illustrin. Aus seiner Umgebung weiß man zu erzählen, daß er seinem Unmuthe über die Judenverfolgungen wiederholt Ausdruck gab. Nach den bekannten Judenkrawallen in Starodub soll der Thronfolger einem hohen russischen Würdenträger geäußert haben, er wäre glücklich, wenn die Reglerungsgeschichte seines Vaters derartige Blätter nicht aufzuweisen hätte. Dem Zaren selbst soll der Zarewitsch eine ihm von unbekannter Sette (man behauptet, vom Rabbiner zu Kopenhagen) zugekommene Denkschrift über die Judenverfolgungen in Rußland überreicht haben, die mit eigenhändigen Randglossen des Thronfolgers bedeckt war, in welchem er die Judenverfolgungen scharf mißbilligte. Damals hieß es, das Verhältniß zwi-

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