Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 82-83 (25.10.1894)
- Date
- 1894-10-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1535 mit einander wetteifern, dem Gequälten und Verjagten eine sichere Stätte, eine sichere Existenz zu schaffen, so thun wir nicht mehr, als was die deutschen Protestanten nach 1685 für die Hugenotten oder 1731 für die von dem fanatischen Erzbischof Firmian vertriebenen Salzburger gethan haben; und mit aufrichtigem Jubel vernehmen wir von den großartigen Erfolgen, die Vereine und hochherzige Persönlichkeiten in diesem Bemühen erzielt haben. Wenn wir z. B. hören, wie durch die Thatkrafl einiger Vereine 5000 Unglückliche in 24 Kolonien untergebracht sind, wie diese Kolonien, obwohl sie zum Theil erst vier Jahre bestehen, schon im Stande sind, sich selbst zu erhalten: Welcher wahre Menschenfreund wird diesen Bestrebungen nicht aus vollem Herzen einen immer kräftigeren Erfolg wünschen? Wo diese Kolonien angelegt werden, ist gleich - giltig. Sind die Führer der Bewegung nach der sorgfältigen Prüfung aller in Betracht kommenden Verhältnisse, die man von ihnen erwarten darf und muß, zu der Ueberzeugung gelangt, daß den Unterdrückten in Palästina eine glücklichere und behaglichere Existenz geschaffen werden kann als in einem anderen Lande, so wird Niemand gegen eine Besiedelung des heiligen Landes etwas einzuwenden wagen: Aber hüten möge man sich vor dem Wahn, in Palästina etwa ein neues jüdisches Reich vor Eintritt der messianischen Zeit entstehen zu lassen, die Leute, die man aus dem Elend befreit hat, damit sie als fleißige Ackerbauer in redlicher Arbeit die Früchte ihres Schaffens genießen, zu Kämpfern heranbilden zu wollen für ein utopisches Gebilde, das nur neues, womöglich noch gesteigertes Elend über sie oder ihre Nachkommen heraufbeschwören hieße! Wo unsere Glaubenöbrüder auch weilen — in ehrlichem Bemühen als treue Bürger des Staates mögen sie mit ihren andersgläubigen Nachbarn wetteifern um des Staates Wohlfahrt und die Güter des Lebens und sich als herrlichsten Schmuck ihren reinen Glauben bewahren; sie mögen nicht herbeisehnen ein enges, ängstlich behütetes Sonderretch, das der Hoffnung Israels auf die Zeit der vollkommenen Erlösung nicht entspricht und das selbst, wenn es erstünde, nur von ganz kurzer Dauer sein könnte, wohl aber mögen sie jene Zeit herbeisühren helfen, wo der Allmächtige den Erlöser senden wird und alle Erdenbewohner dem Namen Gottes die Ehre geben und das wahre Gottesreich, dessen Mittelpunkt dann Zion sein wird, begründen! mts 'n 'vr rsinn dvd psn-^-Vy "ni VW 1ÖBM Bleiben wir dieser unserer herrlichen Mission treu, dann können wir getrost in die Z ckunft blicken. Unsere Religion wird dann unfern Kindern ein ebenso theures Kleinod bleiben, wie sie es uns ist und unseren Vorfahren in trüber Zeit gewesen ist, während diejenigen, denen nicht der Glaube, sondern vor allem eine geträumte jüdische Nationalität ohne Messias am Herzen liegt, unzweifelhaft beim Scheitern ihrer Idee auch die Fahne dcs Gottesqesetzes im Stich lassen werden." Wir wünschen der Adler'schen Broschüre, auf die wir vielleicht noch einmal zurückkommen, die weiteste Verbreitung in jüdischen Kreisen, sie leuchtet dem Zionismus gründlich heim. Zeituugsuachrichteu rrrrd Correspoudeuzeu. Deutschland. R. Aus dem Grotzherzogthum Hessen. Es ist nur zu bekannt, wie das Grotzh. Mirnstenum des Innern und der Justiz mit der Anstellung jüdischer Richter verfährt, oder btsser gesagt, nicht verfährt, denn wir haben in unserem Lande noch nicht einen jüdischen Richter, so daß selbst Preußen uns hierin „über" ist. Hingegen muß man mir Vergnügen konstatiren, daß das Ministerium des Innern, Abthetlung fürSchulangelegenheiten jede Gelegenheit gerne benützt, um jüdische Lehrer anzustellen. So ist in der letzten Zeit Lehrer Joseph, bisher Prtvatlehrer in Wöllstein, an die gemischte Schule nach Wörrstadt gekommen. Wir freuen uns dieser Anstellung umsomehr, als wir sehen, daß die Referenten im Schulministerium einen Unterschied in der Confession nicht kennen. R. Mannheim In Anwesenheit des Grobherzogs von Baden, seiner hohen Gemahlin und anderer hohen Festlichkeiten wurde Sonntags das Kaiser-Wilhelm Denkmal enthüllt. Zur Erinnerung an diesen Tag haben 2 Glaubensgenossen, Mitglieder des hiesigen Militärvereins, die Herren Carl Reiß und Jakob Kahn SpendenM. 1000 und 500 an nothletdende Mitglieder des Vereins, welche den deutsch-französischen Krieg mitgemacht haben, überwiesen, was gelegentlich des Banketts von General Röder von Diersburg besonders rühmend hervorgehoben wurde. — Die Großherzogin besuchte unter andern Anstalten, auch das Israel. Kranken- und Pfründnerhaus, wo sie von den Oberräthen Bensheim und Dr. Staadecker und dem Hausarzte Dr. Kahn empfangen wurde. Die hohe Frau sprach sich über Alles, was sie gesehen, sehr befriedigt aus. Stuttgart. Gestatten Sie mir Ihnen vor Allem herzlichsten Dank für den Leitartikel „Die