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Der Israelit · 1894-10-12 · Heft 80-81 (12.10.1894) · page 47

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 80-81 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 47)
Language
German
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seitens der hiesigen die mit ihm konkurrirten, sowie sei^^^Wer Hafenbeamten, die seinen vierfache Zollgebühren verlor den Muth nicht; sein Gottvertrauen half ihm über al^AMWrnisse hinweg. Er hatte bald die GkMDti^tnnaBg, um sich einen, wenn auch kleinen KreiÄschkenasischer Glaubensgenossen versamsehen. Er veranlagte noch mehrere ,DWnbensgenossen, hierher zu kommen, denen ^‘er auf alle mögliche Weise zu helfen suchte, nur um den Einen oder den Anderen nicht wieder zu verlieren. Wenn sich ein Glied von der Kette der neuangesiedelten Juden losriss, so war das für ihn eine herbe Enttäuschung. Mit einem jeden Glaubensbruder, der sich verabschiedete, sagte er, ginge ein Stück seines Herzens mit. Er versuchte es nun mit jüdischen Handwerkern, richtete ihnen hier Werkstätten ein, und sorgte für sie auf die rührendste väterliche Art. Auch in dieser Hinsicht blieben ihm keine Enttäuschungen erspart, und er jammerte und klagte oft, J affa wolle keine Gemeinde wer den. Später kamen etwas günstigere Zeiten. Charles Netter sei. And., dieser grosse Freund seiner Nation, dem das Judenthum für seine ernsten Bestrebungen ewigen Dank schuldet, der seinen Brüdern den Weg zu ihrer Zukunft wies, sie zum Pfluge zurückführte und mit rüstigem Beispiele vorangehend, selbst zuerst Hand an den Pflug legte, und der den Grund zur jüdischen Ackerbauschule in Mikweh Jisrael bei Jaffa, wo auch seine Gebeine unter einem grossen marmornen Denkmal ruhen, gelegt, kam nach Palästina, ausgerüstet mit allen nöthigen Empfehlungen von der französisch e n Regierung und einer besonderen amtlichen Auszeichnung vom Sultan, der ihm als Zeichen seiner Gunst das Stück Land schenkte, auf dem Netter die Ackerbauschule errichtete. Hier aber fehlte es ihm an einem verlässlichen Wegweiser. Als Europäer mit den Landessitten und Verhältnissen nicht vertraut, war es ihm trotz seines kaiserlichen Geleitschreibens nicht leicht, den gewünschten Aufschluss über die ihm wissenswerth erscheinenden Dinge zu erhalten. Da der ihm vom Sultan überlassene, zum Anbau günstige Landstrich, wo er seine Ackerbauschule zu gründen beabsichtigte, nur eine halbe Stunde von Jaffa entfernt lag, so sah man sich in dieser Stadt um einen womöglich jüdischen Rathgeber um, und fand keinen besseren und konnte auch keinen besseren wünschen, als Schmerling. Netter erkannte bald den ganzen Charakter, den schlichten Sinn und das anspruchslose Wesen dieses Mannes, schenkte ihm unbegrenztes Vertrauen, und unternahm schliesslich ohne seinen Vertrauten keinen Schritt. — Schmerling selbst zählte diese Zeit zu seinen glücklichsten Tagen; hoffte er doch, jetzt alle seine Ideale bald verwirklicht sehen zu dürfen: Bearbeitung des ihm theueren heiligen Bodens, Ansiedelung einer grossen Zahl von Juden und — Gründung einer grossen Gemeinde in Jaffa. Er erntete den schönsten Lohn für seine Bemühungen. Er sah, wie eine grossartige Ackerbauschule entstand, wie Kinder jüdischer Eltern zu tüchtigen Landbauern herangezogen wurden, wie die Weinreben unter der sorgsamen Pflege jüdischer Hände gediehen, und endlich, wie der Zuzug in das heilige Land immer grösser wurde, und wie sich auch Jaffa allmählich mit Juden bevölkerte. Schmerling traf auch synagogale Einrichtungen, und war unablässig um das Wohl und Gedeihen seiner Gemeinde besorgt. Das Wohl jedes Einzelnen lag ihm am Herzen, und überall wusste er Rath. Schmerling war Schiedsrichter, Armenvater und Gemeinde -Verwalter, Alles in einer Person. Das Unrecht hasste er wie die Pest, und so Mancher lernte seine Aufrichtigkeit in Gestalt einer Rüge kennen und — schätzen. Ebenso natürlich und ungezwungen wie sein Charakter war auch seine Gottesfurcht. — Von der grenzenlosen Verehrung, die der Verstorbene in seiner Vaterstadt genoss, zeugten die Klagescenen an seiner Bahre. Der Schmerz der Bevölkerung war ein ungekünstelter. Zwei hervorragende Mitglieder der palästinensischen Judenschaft, Herr M. Pines und Herr Ben Towim, widmeten dem Heimgegangenen Nachrufe, namentlich hielt der Erstere eine ergreifende Ansprache, in welcher er das Verdienst Schmerlings um die Kolonisation Palästinas und die Friedensliebe des Verblichenen hervorhob und die Trauergäste zur Nacheiferung aufforderte. Unabsehbar dehnte sich der Leichenzug aus, dem die Pedelle der englischen, deutschen und österreichischen Konsulate in ihren Uniformen und mit ihren silberbeschlagenen Stäben voranschritten. Derselbe bewegte sich nach dem Bahnhofe, von wo der Leichnam nach Jerusalem zur Bestattung befördert wurde. Auf dem Wege nach dem Bahnhofe hielt der Zug zweimal: einmal bei der Synagoge, wo ein sephardischer Chacham einen Nachruf hielt, ein zweites Mal beim Hause des ascbkenasischen Rabbiners, Herrn N. H. Lewy, der sein Krankenlager verliess, an welches er schon seit Monaten gefesselt war, um draussen an der Bahre des geliebten Freundes demselben noch ein letztes Lebewohl zuzurufen. — In Jerusalem erwartete die vollzählig erschienene Chewrah Kadischa den theueren Todten, um ihn auf dem Oelberge zur ewigen Rnhe zu bestatten. Ehre sei seinem Andenken!

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