Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 80-81 (12.10.1894)
- Date
- 1894-10-12
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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1523 holdem Errröthen und blickte ihn erwartungsvoll an. Was sollte er sagen? Der geneigte Leser wird mir sicher verzeihen, wenn ich die Discretion wahre und den Inhalt der Unterhaltung verschweige. Möge sich jeder selbst dieselbe denken und er wird sich freuen, wenn sie nach dem Ausgange unserer Erzählung passend erscheint. Nur so viel will ich verrathen, daß das jüdisch-deutsche Chumisch eine große Rolle dabei spielte und bald für Albert, bald für Selma sprechen mußte. Beide waren in die eigenthümliche Art ihrer Unterhaltung so vertieft, daß sie nicht hörten, wie sich die Thüre öffnete und Feiwel eintrat. Sprachlos vor Staunen blieb er an der Thüre stehen und sab den Beiden zu. Keiner sprach etn Wort, nur das Chumisch wunderte von einem zum andern und die Stellen, welche sie sich gegenseitig zeigten, dienten statt der Sprache. Sie mußten sich jedoch gut verstehen, denn ihre Augen glänzten von Freude und Glück. Feiwel rieb sich die Augen; er traute denselben nicht. War das feine Selma? Und wie vertraut sie mit dem jungen Mann war! Dieser Albert! er war doch ein heimtückischer Mensch! Läßt den Vater sich den Kopf zerbrechen, um ein für ihn passendes Mädchen zu finden und macht während dieser Zeit dessen eigener Tochter die Cour! Ob der Vater Alberts etwas davon wußte? Dann sollte er es aber hören, was es heißt, Feiwel Rothenstes nasführen zu wollen? Noch immer hatten sich die Beiden etwas zu sagen, noch immer merkten sie nicht, daß sie beobachtet wurden. Nun sah Albert Selma an. Sein Blick mußte ihr dasselbe gesagt haben, wie kurz zuvor das Wort der Bibel, denn sie erhob sich und sagte mit stockender Stimme: „Ich thue Unrecht, Albert. Ich kann für's erste nicht Dein Weib werden." „Und warum nicht?" fragte Albert erstaunt. „Weil ich zu meinem Vater gehöre, ihn pflegen, für ihn sorgen muß." „Dein Vater zieht zu uns; er lebt bet uns und Du theilst Deine Sorge zwischen mir und ihm." „Ich weiß nicht, ob das meinem Vater recht wäre. Es ist ein gar eigenthümlicher Mann." Feiwel riß die Augen noch weiter auf. Ei! ei, wie sprach seine Tochter von ihm. „Das Alter hat immer seine Eigenheiten," entgegnete Albert. „Dein Vater soll in meinem Hause seine Wohnung haben, in der er nach Belieben schalten und walten kann, er soll ohne Sorge leben können, denn was ich habe, gehört ihm. —" „Du bist ein guter Mensch, Albert, und ich danke Dir für das, was Du da sagst, aber Dein Weib kann ich trotzdem fürs erste nicht werden." „Die Närrin," dachte Feiwel bei sich, „bietet sich ihr die Gelegenheit eine brillante Partie zu machen und ziert sich. —" „Und warum nicht?" fragte Albert gedehnt. „Weil mein Vater — o, großer Gott, da steht er." Sie deutete auf den an der Thüre stehenden Feiwel, der jetzt langsam näher kam. Albert ging ihm gefaßt entgegen und reichte ihm die Hand, die Feiwel jedoch unbeachtet ließ. „Sie haben alles gehört?" fragte Albert, „so bleibt mir nichts mehr zu reden übrig." „Nein," sagte Feiwel, „reden Sie lieber nicht. Obschon ich nichts gehört habe, denn das Chumesch spricht nicht laut, kann ich mir doch alles denken." „Und was sagen Sie zu dem, was Sie sich denken?" „Was soll ich dazu sagen? Die erste Stimme fällt dem Fräulein zu und erst in zweiter Linie kommt der Vater. Will er aber das Fräulein zuerst hören, so kann er ihr nur rathen in den Wegen zu wandern, die unsere Altvordern gingen." „Gut," sagte Albert, „Ihren Ratb soll Selma befolgen. Als Elieser auszog, um für den Sohn seines Herrn eine Frau zu suchen, fand er, von Gott geleitet, Rebekka. Er wollte sie, wie ich heute Sie, Selma, von den Ihrigen zum Weibe und da erzählt uns die Bibel, was Rebekka dem Elieser antwortete." Er nahm das Pentateuch und wollte Feiwel die betreffende Stelle aufsuchen, doch dieser wehrte ab und sagte: „Ich weiß schon nikro la naaroli. Meine Selma hat Ihnen doch die Antwort gegeben —" „Ja, sie sagte, daß Sie das Hindernis sind, an dem die Erfüllung meiner Bitte scheitert. Und darum bitte ich Sie, kommen Sie zu uns, gethetlte Freude ist doppelte Freude, daß wir uns theilen in die Sorge um Sie und Ihr Wohl." Er sah Feiwel bittend an und dieser stand im Kampfe mit sich. Da öffnete sich die Thüre und Alberts Vater trat ein. „Du bleibst lange, mein Sohn," sagte er, nachdem er Feiwel und Selma begrüßt hatte. „Ich will einmal hören, wie weit Du in der bewußten Angelegenheit bist." „Noch gar nicht, Vater." „Und weshalb? Bist Du dem Fräulein nicht recht?" „Doch; aber —" „So hat der Vater etwas an Dir auszusetzen?" „Nein," währte Feiwel, „aber —" „Aber, aber, dann sagen wir heute massel tcnv eüosoll und kalloh und morgen so Gott will kom-