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Der Israelit · 1894-10-12 · Heft 80-81 (12.10.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 80-81 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1504 hat unsere Behörde, leider keinen Hochschein! Sie schwimmt mit dem Strom, unbekümmert um die Richtung, welche er nimmt und glaubt wirklich auf der Höhe der Zeit zu stehen, wenn sie der Zeit schmeichelt. — Es liegt auf der Hand, daß man unter solchen Umständen einen gewissenlosen Vorstand, Schächter und Lehrer bet seiner Großmutter verklagt, wenn man bei dieser Behörde Beschwerde erhebt. Es muß darum für Baden eine Aenderung geschaffen werden! Die kleine orthodoxe Vereinigung in Karlsruhe hat Synagoge, Mtkwah, Rabbtnen, Lehrer, Chasonim, Schulen, Gasthöfe, Metzgereien, sogar einen Sofer zu Wege gebracht, alles mustergtltig; warum sollte es den Jehudim des ganzen Landes nicht möglich werden, hierin entweder auf eigene Faust oder mit Hilfe der Regierung Wandel zu schaffen. Unsere Katholiken haben nur der positiven Rlchtung angehörende L hrer- und Theologen- Bildungsanstalten, das Erstere sogar unter Protection der Regierung. Unsere Protestanten haben unter Protection der Regierung ein der positiven Richtung huldigendes evangelisches Lehrerseminar in Karlsruhe, (die Jsr. besuchen das gemischte Seminar.) In Heidelberg sind für die evang. Theologen, 2 Lehrstühle, der eine für die positive Richtung; letzteren blos auf einmalige Anregung des Freiherrn G. A. v. Göler in der 1. Kammer. Wenn nur einige Männer, bei Herrn Staatsminister Exc. Dr. Noojy, Audienz nehmen würden, und ihm hierüber Aufklärung gäben, (derselbe war in seiner früheren Stellung Oberschulrath), so wäre möglicherweise Aenderung zu hoffen. Wenn dies nicht möglich wäre, so müssen bte Eltern, welche ihre Söhne dem Lehrstande widmen wollten, dieselben bayrischen Instituten anvertrauen, wie auch zuvor die der positiven Richtung angehörenden Eltern der bad. evangelischen Theologen, ihre Söhne in Erlangen die Universität besuchen ließen. Jedenfalls, wird der Stein, nachdem er einmal ins Rollen gekommen ist, sobald nicht wieder zur Ruhe kommen. — Wir wünschen der Bewegung gegen die erschreckenden Mißstände in unserem jüdischen Gemeindeleben einen ersprießlichen Fortgang und hoffen auf einen erfreulichen Abschluß, einen raio no'nn! Es find nicht wenige, die von der Nothwendigkett einer Aenderung gleich uns durchdrungen sind; ste sollten das Wort ergreifen und öffentlich dagegen schreiben, damit unsere Misere ungeschminkt zur allgemeinen Kenntniß gelangt. Nur nach einer solchen rrns .12'rw mögen wir auch einer naiö noTin zuversichtlich entgegen sehen! Merzig, 6. Oktober. Herr Edmund Hanau, Sohn des vor einigen Jahren verstorbenen Mitgliedes unserer Gemeinde, Herr Feist Hanau n'y, seit länger als 23 Jahre in Rio de Janeiro (Brasilien) wohnhaft, hat uns nach seinen bereits seit Jahren überreichten vielen Geschenken zur Verschönerung unserer Synagoge eine weitere Ueberraschung bereitet. Vor einigen Wochen sandte er uns von Paris aus eine schwere, echt vergoldete Krone mit Edelsteinen besetzt, ein wahres Meisterwerk der Goldschmiedekunst. Vorstand und Repräsentanten der Gemeinde ernannten Herrn Hanau zum Ehrenmitgliede, und als uns Herr und Frau Hanau am Neujahrsfeste mit ihrem Besuche beehrten, wurden ihnen seitens der Gemeindevertretung und Gemeindemitglieder eine großartige Ovation bereitet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 28. Sept. (Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte.) In der Abtheilung für Ethnologie und Anthropologie hielt Herr Dr. G. Buschan (Stettin )einen Vortrag über: „Einfluß der Raffen auf die Häufigkeit und Formen pathologischer Veränderungen im Allgemeinen und die der Nerven- und Geisteskrankheiten." Innerhalb der weißen Raffe, führte der Vorsitzende aus, bestehen sichtliche Unterschiede hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit gegen gewisse Infektions-Krankheiten. So erweisen sich Vertreter des nordischen Typus in verschiedenem Grade empfänglich für Malaria und Gelbfieber, die Vertreter des südländischen dunklen Typus relativ immun gegen diese Leiden. Hinsichtlich des psychischen Verhaltens läßt sich feststellen, daß die skandinavisch-germanische Raffe mehr zur Melancholie und dementsprechend zum Selbstmorde inkltnirt, die iberisch-ligurische und keltische mehr zur Manie. Die Semiten stellen einen hohen Procentsatz für Nerven- und Geisteskranke, insbesondere für Diabetes, verhalten sich hingegen relativ immun gegen Infektionskrankheiten (Cholera, Croup, Thyphus, LueS) und Tabes. Dr. Glück (Serajevo) hielt einen Vortrag: „Beiträge zur physischen Anthropologie der bosnischen Spaniolen". Der Vortragende führte aus: Jkow hat die Hypothese aufgestellt, daß die Juden anthropologisch in zwei Gruppen zerfallen, in „brachycephale Nichtsemiten" und „doltchocephale Semiten". Die Ersteren. namentlich in Rußland an gesiedelt, sollen aus Mittel- Asien, Babylonien und dem Kaukasus, die Letzteren, welche die transbalkanischen Türkei bewohnen, aus Palästina stammen. Dr. Glück tritt auf Grund von Messungen dieser Hypothese entgegen und weist nach, daß die Spaniolen, sowie die übrigen Juden Europas eine Mtschrace bilden, in der neben semitischen auch mehrere nichtsemitische Elemente Vorkommen. Allerdings weisen die nordeuropäischen

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