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Der Israelit · 1894-10-12 · Heft 80-81 (12.10.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 80-81 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1503 und die Wendung zum Besseren wird um so nachhaltiger sein, wenn sie sich nicht ruckweise, sondern allmählich vollzieht. — Lassen wir diesmal das Haupt ungeschoren und reden ein wenig von den Gliedern. Ich glaube unsere oberste jüdische Behörde dürfte noch mehr zu wünschen übrig lassen, wenn nur, um von den vielen himmelschreienden Mißständen einen einzigen herauszugreifen, ein gesinnungstüchtiger Lehrerstand da wäre, der dem religiösen Manchesterthum, welches unsere oberste Behörde proklamirt hat, durch die That entgegentritt. Daß dies nicht der Fall ist, bildet einen unserer schwersten Schäden. Wohl haben wir in Karlsruhe dafür ein Internat, aber wenn man dasselbe nach seinen Früchten beurtheilen soll, gelangt man zu bedenklichen Schlüssen hinsichtlich des Stammes. In Sandhaufen (der Name ist unleserlich geschrieben. Red.) hat sich ein Zögling dieser Anstalt derart betragen, daß er nach Amerika auswandern mußte. Im badischen Oberlande hatte ein anderer in der Kirche mit Weihkessel und Kreuz in einer Weise zu thun, wie sie bet jüdischen Religionslehrern sonst nicht üblich ist. In M i ch e l f e l d hat ein solches Früchtchen am naip Kegel gespielt, was doch einigen zu bunt war. Sie traten dagegen auf und der Kegler gab seine Stelle auf. Die Dinge, die man sich von Gemmingen erzählt, lasse ich für jetzt unerwähnt , weil ich nur Thatsachen zur Sprache bringen möchte, die nicht in Abrede gestellt werden können. Ich sehe einmal ab von dem religiösen Sinne, von dem jüdischen Wissen, von Quantität und Qualität desselben, wie es unseren künftigen Lehrern in Karlsruhe beigebracht wird. Angenommen, es wäre das alles in bester Ordnung, so muß es einem doch auffallen, daß die künftigen Lehrer nicht auch als Schächter theoretisch und praktisch ausgebildet werden. Man kann prinzipiell dagegen sein, daß der Lehrer- und Schächterberuf in ein- und dieselbe Hand gelegt sind, aber man kann nicht in Abrede stellen, daß die ökonomischen Verhältnisse vieler Gemeinden diese Vereinigung dringend verlangen. Von der religionsgesetzlichen Seite der Schechita ganz abgesehen, müßte für eine Behörde, welche gewissenhaft über die ihrer Obhut unterstellten Gemeinde-Institutionen wacht, diese Institution Gegenstand ganz besonderer Aufmerksamkeit sein in einer Zeit, in welcher sich allenthalben eine so gehässige Agitation gegen die Schechita geltend gemacht. Und wie ist es damit in der That bestellt? In Grombach, Amt Sinsheim, liegt die Schechita in den Händen eines Privatmanns, Namens Götter. Diesem gehen die erforderlichen theoretischen Kenntnisse vollständig ab. Derselbe hat die Autorisation (r&ap) zum Schächten von Rabbiner Dr. Sondheimer in Heidelberg. In Gemmin gen besorgt die Schechita ein Herr Lehmann Frank; in Münzesheim ein Herr Stroh, beides Privatleute ohne die erforderlichen theoretischen Kenntnisse, von welchen der zweite sogar nicht einmal gut sieht, was ihn schon allein als Schächter untauglich macht. Beide Schochtim haben nVap von Herrn R abbiner Schlesinger in Breiten! Wo sollen mit der Zeit die Schochtim hergenommen werden, wenn unsere Lehrer nicht die Schechita erlernen? — Freilich müßte die Ausbildung der Lehrer dann in die Hände von Männern gelegt werden, welche das erforderliche Vertrauen voll und ganz genießen; sonst geht unseren sämmtlichen Gemeindeinstituttonen ihr jüdischer Charakter mit der Z;it ganz verloren. Dieses Vertrauen genießt unsere höchste jüdische Behörde leider nicht. Es ist erfolglos bet dieser Behörde wegen dieser und ähnlicher Mtßstände Beschwerde zu führen. In Eppingen fungirt als Parnes seit ca. 40 Jahren ein Mann, der durch Einführung von Neuerungen im Gottesdienst und sonstige Willkürlichkeiten großes Aergerniß erregt. Sein eigener, greiser Lehrer hat in Folge dieses paschamäßtgen Gebahrens seines früheren Schülers und späteren Vorstehers sein Amt niedergelegt. (Der heutige Lehrer ist ein gefügiges Werkzeug in der Hand seines Oberen.) Dieser Vorsteher, der noch heute, wenn er zur Tbora aufgerufen wird, bei der Beracha die Worte wegläßt: pi uavn vtai Dt>iy »»m nos min, läßt seinen Verwandten, Metzger Moritz-Eppinger, der an nav öffentlich Fleisch aushackt, vor der Gemeinde als Vorbeter sungiren, desgl. einen Herrn Seeligmann Ettlinger, der ebenfalls nrnv ^aixi mir ist. Auf eine diesbezügliche Beschwerde hat der Oberrath erwiedert, er könne nichtdagegenetnschreiten, weil nicht von mehreren Mitgliedern dagegen Beschwerde erhoben worden sei. Man sollte meinen das, was in der Welt recht und unrecht ist, bliebe recht und unrecht unbekümmert, ob es von einem oder von mehreren vertreten wird. Besteht aber ein Unterschied, dann besteht er doch gerade nach der entgegengesetzten Seite. Das Unrecht, das von Majoritäten erkannt und verurtheilt wird, bedarf zu seiner Abstellung nicht erst der Mitwirkung einer Behörde. Aber das Recht, das keine, oder nur wenige vereinzelte Annehmer hat, das bedürfte der Förderung und Unterstützung, je mehr sich der große Troß bereit finden läßt, sich mit diesem Unrecht abzufinden. Von dieser höheren Auffaffung ihres Berufs

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