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Der Israelit · 1894-10-12 · Heft 80-81 (12.10.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 80-81 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Erste Beil, jit J\/° 80 & 81 des „Israelit". Leitende Artikel. Z>ie Wora. ein unvergängliches Krögut. (Zum Feste der Gesetzesfreude.) Mainz, den 9. October. Wenn ein Mensch, deffen ganzes Leben vom Glücke getragen, dem die Bethätigung der Gottesfurcht dem Ruhm, Ehre, Reichthum, stete Gesundheit und ein langes, freudenreiches Leben vergönnt war, wenn ein solcher Mensch aus diesem Leben scheiden muß und alt und gesättigt an Tagen sein Ende herankommen sieht, so wird er weit davon entfernt sein, sich an diesem Zeitpunkte unglücklich zu fühlen. Er wird vielmehr seine Kinder, Enkel und Urenkel um sein Bett versammeln und im Bewußtsein dessen, daß ihm während seines langen Erdenwallens keine menschliche Freude fremd geblieben, und daß ihm nun die himmlische Glückseligkeit winkt, im Bewußtsein deffen, daß seine jugendsrische Nachkommenschaft sein großes Erbe in seinem Sinne und nach seinen Weisungen verwalten, und daß er gleichsam in ihnen fortleben wird, in diesem Bewußtsein wird er ruhig und fröhlich von hinnen scheiden, glaubensvoll des Tages harrend, da die große Posaune erschallen und die Tobten jubelnd zur Auferstehung rufen wird. Beim scheidenden Jahre, bei der scheidenden Thora sind auch wir nicht traurig, fühlen auch wir uns nicht unglücklich. Herbst ist's. Lang und länger werden die Abende, feuchte Nebel wallen kalt und dicht aus den dunklen Tiefen, der Wind rüttelt die Stämme der Wälder, Blatt auf Blatt raschelt zur Erde, die gar bald tief in Schnee begraben liegen wird — eine Riesenleiche. Wie es sich aber in den langen Winterabenden gar schön vom Frühlingshauche träumen läßt, vom Gesänge der Nachtigall und den tausend bunten Blüthen, wie durch den Schleier der Nebel der Sonne goldenes Licht zukunftverhetßend sich Bahn bricht — mit ähnlichen Gefühlen der Freude und Zuversicht, beginnt der Jude sein nyj nwia wenn mit dem scheidenden Leben der Natur auch unsere Thora zu Ende gelesen ist. wros wird unsere Thora genannt, ein Erbgut, nicht etwa njno ein Geschenk, das oft auf den ursprünglichen Geber wieder zurückgeht, sondern nxni», ein Erbgut, das sich vererbt vom Vater auf den Sohn, vom Sohne auf den Enkel, vom Enkel auf den Urenkel und so fort bis in alle Zeiten. Und nicht etwa ein vergängliches Gut ist die heilige Lehre, die wie irdischer Retchthum dahinschwinden kann, nein, unverlierbar und unvergänglich ist sie für Israel. Mag Letzteres einen eigenen Staat bilden, mag es zerstreut sein unter alle Völker; mag Israel unter Richtern stehen, ein absolutes Königreich oder einen konstitutionellen Staat bilden, die Thora ist ihm ntsnia, ein unvergängliches Erbgut; die Regierung, unter der das jüdische Volk geleitet wird, kann eine Form haben, wie immer sie die Zeitverhältniffe mit sich bringen: nix min nro vb Die Lehre, die uns Moscheh geboten hat, apr r6np ntnio sie ist ein Erbthetl unter der sich selbst verwaltenden Gemeinde Jacobs. Aber auch jvwa \yi, wenn ein selbstherrschender König Jeschurun regiert oder dp »wo *)dwitü, wenn die Häupter des Volkes sich zum Parlamente versammeln — das unvergängliche Erbgut Israels wird stets daffelbe sein und auch, wenn Israel unter alle Völker zerstreut ist -irr bnixp »sä» alle Stämme Israel bilden stets ein einmüthtges Volk, dassich schaart unter dem Banner seiner sich ewig verjüngenden Thora, die eine nemo ist, ein unvergängliches Erbgut für alle Zeiten. _ Wann sagt man den irnwv "ns "w vor oder nach dem Tischgebete? Diese Frage beschäftigte schon die beiden Gelehrten des vorigen Jahrhunderts R. Joseph b. Moses Koßmann und R. Löb b. Solomon Oppenheim. In seinem Werke.min' nov (Offenbach *r»n) behauptet der letztere, dieser yv sei vielleicht von einem Tanaiten verfaßt, da in demselben nicht auch die Yvvrn auin mm erwähnt wird, und es sei Gebrauch pivn mm cnip Yvmb denselben vor!)em Tischgebete vorzutragen. In Koßmanns Mo jnj (Hanau n*yn) §.10 niD-o nioi>n wird mitgetheilt, daß R. Joseph b. Piueas Seligmann Nordlingen, beigenannt Hahn, m seinem Werke *pr poi« den obengenannten yv vor dem Tischgebete vorzutragen empfiehlt. (Nordlingen war der Großvater Koßmanns.) In unseren Ausgaben kommt die von Koßmann angeführte Stelle nicht vor. Koßmann kopirte diese Stelle nach dem Manuscripte der Oppenhetmer'schen Bibliothek (jetzt in Bodleiana Nr. 1414) und diese Sandschrift unterscheidet sich wesentlich von dem ret uns bekannten poix (selbst die verschiedenen Exemplare der gedruckten Ausgabe unterscheiden

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