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Der Israelit · 1894-10-12 · Heft 80-81 (12.10.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 80-81 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1499 Der König hatte mehrfach versucht, sich mit ihr ausznsprechen, sie aber hatte ihn bitten lassen, zu dieser Zeit nicht zu ihr zu kommen. Gerade weil sie fühlte, wie sehr sie ihn liebte, war es ihr furchtbar mit ihm zusammen zu sein. Wußte sie doch, daß sie nie die Seine werden konnte. So viel aber hatte der König wenigstens erreicht, daß sie ihm erklärte, daß sie nicht Theil gehabt, an den abenteuerlichen Plänen jenes Mannes, daß sie ihm eindringlich vorgestellt, wie verwerflich und unausführbar sein Verlangen sei, doch daß er nicht hatte auf sie hören wollen. Und das war ja auch das Einzige, was Kasimir für jetzt von ihr zu wissen begehrte. Er war in seiner innigen Liebe zu ihr bald davon überzeugt, daß sie die Wahrheit redete, und daß Elischa unwahr gesprochen. Der Zustand Rabbi Jehoschuas besserte sich täglich; das Bewußtsein, daß es ihm noch möglich geworden war, seine Tochter vor dem Schlimmsten zu retten, die ihm immer mehr zur Gewißheit gewordene Ueberzeugung, daß sie unschuldig und rein geblieben sei, hatte ihn dem Tode entrissen. So lange der Vater in Lebensgefahr schirebte, verließ Esther sein Lager nicht; erst jetzt pflegte sie in der Dämmerstunde, nachdem der Vater eingeschlummert war, sich aus kurze Zeit im Parke des Schlosses zu ergehen. Hier war es, daß sie seit vielen Tagen wieder zum ersten Male mit dem König zusammentraf. Auch Kasimir hatte in diesen Wochen Zeit gefunden ruhig zu werden Er war jetzt nicht mehr der feurige Liebhaber, der sich von der ungeheuren Leidenschaft des Augenblickes hinreißen ließ, desto ernster war in ihm der reifliche Entschluß geworden: Esther und keine andere müsse sein Weib werden. Nachdem Esther den Herrscher ehrfurchtsvoll begrüßt und ihm nochmals versichert hatte, sie habe keinen Theil an den verwerflichen Plänen Elischahs. da zögerte Kasimir nicht, diese Versicherungen als ein erneutes Eingeständnis ihrer Liebe hinzunehmen. „Nun denn, Esther," sagte er zu ihr. „wenn Du nur mir angehören willst, weil Du mich liebst, und nicht um andrer Zwecke wegen, wenn Dir die Krone nichts gilt, wenn Du nichts anderes zu sein begehrst als mein Weib, so bringe mir auch das kleine Opfer, das ich von Dir fordern muß. Du selbst hast es mir gesagt, daß Du die Pläne jenes Mannes für verwerflich hieltest, nun so reiße Dich auch los von dem Stamme, der nur verachtet in den Landen lebt, bald geduldet und bald vertrieben, und werde mein Weib, die Königin Polens, die Herrscherin dieses Landes." Esther aber antwortete ihm nicht auf sein Drängen, sie sagte nur, daß sie vorerst gefesselt sei an die Lagerstätte ihres Vaters und keinerlei Entschlüsse zu treffen vermöge. Wohl war sie im Innern fest entschlossen, niemals das Begehren des Königs zu erfüllen, aber sie vermochte noch nicht, es auszusprechen, denn die Liebe zu ihm war gar zu mächtig in ihr; so sehr sie auch darnach rang, das entscheidende Wort auszusprechen, es kam kein Laut hierüber über ihre Lippen. Aber immer wieder und immer wieder drang der König in sie: „Ich kann kein Weib lieben außer Dir, denn Dir gehört mein Herz, Dir gehört meine Seele, mein ganzes künftiges Leben; sieh, Esther, ich entstamme einem großen und ruhmreichen Geschlechte. Die Piasten, die viele Helden und Könige gezeugt, sind meine Vorfahren. Ich bin der Letzte ihres Stammes, und wenn Du Dich nicht meiner erbarmst, Esther, so muß dieses große und ruhmreiche Geschlecht mit mir zu Grunde gehen, denn niemals werde ich ein anderes Weib lieben außer Dir." Esther ward gerührt von seinen Bitten und Flehen und statt zu antworten, wie sie hätte müssen, verschob sie immer wieder und wieder das Wort der Entscheidung, und sie sagte immer, sie müsse es noch bedenkm und werde nicht früher sich entscheiden, als bis ihr Vater genesen sei- Aehnltche Gespräche wiederholten sich an jedem Abend, aus dem Esther aus der Krankenstube des Vaters herniederstieg, um die reinere Luft des Parkes zu genießen. Wohl nahm sie fih an jedem Tage, wenn sie zurückkchrte, mit aller Bestimmtheit vor, nicht mehr in dem Parke zu spazieren, doch sobald der Abend dämmerte und der Vater eingeschlummert war, da zog sie es mit schier unwiderstehlicher Kraft hinab, obgleich sie wußte, daß sie sich stets wieder neuen, schweren, qualvollen Kämpfen aussetzte. Sie war ja noch ein Kind an Jahren-, ein Kind, das mit dem Feuer spielte, ohne seine Gefährlichkeit zu kennen. Doch die Flamme züngelt weiter und bald ist ein Brand entstanden, der nicht mehr zu löschen ist. Und da der König immer wieder vergeblich sie angcfleht hatte, ihm einen günstigen Bescheid zu geben, so suchte er sich Helfershelfer bei den Großen seines Reichs und bei den Geistlichen. Tag für Tag kamen nun würdige Erzbischöfe und Bischöfe zu Esther und schilderten ihr die Größe ihrer Religion, und wie es die Religion der Liebe sei, und daß sie nur allein in ihr glücklich und selig werden könne. Der Erzbischof von Gnesen, derselbe Mann, der seiner Zeit in jenem Mordprozeffe, in dem Esther ang eklagt war, so sehr zu ihren Gunsten ge-

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