Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 80-81 (12.10.1894)
- Date
- 1894-10-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1498 Lestimmungen waren bis jetzt auch für die Juden im Reiche giltig. Nunmehr aber verfügt eine Verordnung des General-Gouverneurs von Irkutsk, daß die jüdischen Familienmitglieder, welche ihrem deportirten Familienhaupte folgen, nur in dem Verbannungsorte desselben sich ansiedeln und denselben nicht verlassen dürfen. Durch diese Verfügung werden sämmtliche in Sibirien lebenden Judensamilien, welche ihren verschiedenen Familienhäuptern gefolgt sind, mit den Deportirten selbst glei§gestellt und theilen, obwohl sie freiwillig nach Sibirien gezogen, nunmehr das Schicksal der Verbrecher, welche ihre Verbannungsorte nicht verlassen dürfen. Damit werden diese Familien nicht allein ihrer Niederlassungsfreiheit, sondern auch unter Umständen der Möglichkeit beraubt, sich sortzubringen. > Vermischtes. < Krotofchtu Durch verschiedene Zeitungen ging neulich die Nachricht, daß Herr Rabb. Dr. Baneth eine Berufung nach Wreschen erhalten und angenommen hat. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist diese Nachricht ganz und gar aus der Luft gegriffen. New Jork (Kein Antisemitismus!) Mayor Schiren in Brooklyn ist entschieden gegen alles, was nach Raffenhatz oder Rassenkampf aussehen könnte. Vor einigen Tagen hatte sich eine Deputation von Israeliten aus der 16. Ward, an ihrer Spitze der Bankier Heymann Epstein nach City Hall begeben, um Klage wegen Mangel an Polizeischutz zu führen. Auf der Revierwache an Sfagg Street soll Sergeant White die von Straßenräubern insulirten und mißhandelten Israeliten, welche klagten, ausgelacht und denselben ironisch den Rath gegeben haben, den Bezirk zu verlassen, wenn es ihnen dort nicht gefalle. White und sein Capitän Enpis waren gestern vor den Mayor Schiren geladen, wo dieselben natürlich leugneten, einen Unterschied zwischen Israeliten und anderen Bürgern zu machen. Der Mayor ermahnte sie ernstlich, sich neutral zu verhalten und ordnete eine Untersuchung der Zustände an. Schon über 400 Verhaftungen seien wegen dieser Mißhandlungen vorgenommen worden. Die energische Sprache Mayor Schiren's wird die Polizei wohl veranlassen, Remedur zu schassen, und gegen die „Thougs“, welche die Israeliten aus Spott an den Bärten zu zupfen pflegen, mit aller Energie vorzugehen. Rev. OziaS Hochglück. Feuilleton. Estrrka? Königin von Folen. Historische Erzählung von Hugo Freu«-. 35.) (Nachdruck verboten.) Der König aber trat zu Elischa, nachdem Esther und ihr Vater das Zimmer verlassen hatten. Gewaltsam kämpfte er seinem Unmuth nieder, und *) Neu eingetretene Abonnenten erhalten den Anfang dieser Erzählung auf Verlangen kostenfrei nachgeliefert. dann sagte er mit ruhiger Stimme, durch die nur, wie das ferne Grollen eines Gewitters sein schwerer Zorn hindurch tönte: „Elischa, Du hast Großes für mich gethan, Du hast mir Rathschläge ertheilt, die mich gerettet haben von meinen Feinden, aber das Unrecht, das Du jetzt an mir begangen, das wiegt alle die Wohlthaten von früher wieder auf. Du hast schwer an mir gesündigt, Elischa, unsere Rechnung ist beglichen für alle Zeit. Mögest Du einst einsehen, daß Du von mir verlangst, was ich nicht erfüllen konnte, und möge es Dich reuen, daß Du mir so bittres Leid zugefügt. „Nun aber gehe, und lasse Dich nie mir sehen vor meinem Angesicht." Nachdem der König diese Worte gesprochen, schritt er ruhig mit ernster, finstrer Miene aus dem Saale. Elischa aber hob die Hände zum Himmel empor und dann stürzte er nieder auf den Boden. „So ist es vorüber," schrie er auf, „so ist Alles vorbei. Ausgeträumt ist der schöne Traum meiner Jugend, den ich so nahe erfüllt wähnte. O armes Israel, o unglückliches Volk, es gibt keine Hilfe für Dich, und wer sich Deiner annimmt, muß zu Grunde gehen. „O Gott, o Gott, Allerbarmer, allgerechter Gott, fühlst Du denn kein Mitleid, hast Du denn keine Gnade!? Du, der Du die Thiere des Waldes ernährest und die Vögel des Himmels, warum erbarmst Du Dich nicht auch Deines Volkes? „Nun muß es weiter fliehen in die wette Welt. Nun wird der König seinen ganzen Zorn auslassen an meinen armen Brüdern und Schwestern, nun wird von Neuem Elend und Jammer beginnen. Ich vermag nicht mehr Einhalt zu thun, mit mir ist eS vorüber in dieser Welt. O, Gott, rette Du Dein Volk Israel, sonst ist es verloren." Die Diener des Königs kamen und forderten Elischa auf, den Saal zu verlassen und mühsam raffte er sich vom Boden empor, und gebeugten Hauptes und gekrümmten Rückens schritt er die Stufen des Palastes hinab, ein gebrochener, jeder Hoffnung beraubter Mann. VIII. Nachdem Rabbi Jehoschua zu Bett gebracht worden war, untersuchte ihn der Leibarzt des Königs und fand, daß der kranke, zuvor schon sehr schwächliche Körper des Greises durch die erlittene Erregung in eine schwere Krankheit verfallen war; noch erklärte er, nichts mit Bestimmtheit sagen zu können über den Verlauf der Krankheit, doch so viel sei sicher, daß dieselbe eine sehr ernste wäre. Esther saß Tag und Nacht an der Lagerstätte ihres Vaters und pflegte ihn.