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Der Israelit · 1894-10-12 · Heft 80-81 (12.10.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 80-81 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1497 enragirten Rlformfeindes, des Obersthofmarschall Grafen Szechen auf. Dte Opposition ist verstärkt durch sein Erscheinen. Es sprach Paul Szontagh für Graf Ferdinand. Zichy gegen die Rezeption. Kultusminister Eötvös erklärt, man dürfe dte Vorlage nicht vom dogmatischen Standpunkte beurtheilen. Die Vorlage involvire die Gerechtigkeit. Obersthofmarschall Szecheny spricht gegen die Vorlage. Obersthofmeister Szapaiy nimmt sie an, lehnt jedoch die Uebertretungsbestimmung ab. Der frühere Kultusminister Graf Csaky sagt, die Vorlage sei eine Nothwendigkeit. Zum Schluß der Debatte spricht Szilagyi, er erklärt, die Vorlage sei ein Schritt zu dem Endziel, daß der Staat allen Bürgern gegenüber die gleiche Gerechtigkeit übe. Es wünsche die Abstimmung. Auffallend viel Magnaten, zum großen Theil aus der liberalen Partei, sind abwesend. Die Vorlage wurde mit 103 gegen 109 Stimmen abgelehnt. Rumänien. Jassy. Man schreibt uns: Am 1./13. Sept. fand in Jassy die feierliche Einweihung der von dem Verein „Cultura" gegründeten Schulen statt. Wie unseren Lesern bekannt, wurden dte Juden Rumäniens durch das im vorigen Jahre votirte Schulgesetz, welches jüdische Kinder vom Besuche der öffentlichen Schulen fast gänzlich ausschlteßt, genöthigt, zur Gründung von Schulen aus eigenen Mitteln zu schreiten. Ja fast allen größeren Städten des Landes entstanden Vereine, welche es sich zur Aufgabe machen, den Kindern jüdischer Eltern den ihnen durch das neue Schulgesetz entzogenen Schulunterricht wiederzugeben. Die bedeutendste derartige Vereinigung ist der, Dank den Bemühungen des Herrn Dr. H. Tiktin anfangs dieses Jahres ins Leben gerufene Verein „Cultura" in Jassy, der gegenwärtig über 400 Mitglieder mit Jahresbeiträgen von zusammen über 25,000 Francs zählt. In den drei von diesem Vereine bisher gegründeten Schulen erhalten über 600 Knaben größtentheils unentgeltlichen Unterricht, sowohl in allen von dem Programme der Staatsschulen vorgeschriebenen Elementargegenständen als auch in der hebräischen Sprache. Die Vortragssprache ist ausschließlich die rumänische. Die Eröffnungsfeier nahm folgenden Verlauf: Am Morgen des 1./13. September versammelten sich sämmtliche Zöglinge der drei Schulen vor dem Lokale der Schule Nr. 2 (Strada Palatuluc Nr. 15), zogen mit ihren Fahnen und mit einem Mustkcorps an der Spitze, unter Führung ihrer Lehrer, durch die Hauptstraßen der Stadt und begaben sich nach der Schule Nr. 1 (8taäa Alba Nr. 15), woselbst dte Feier stattfand, und welche zu diesem Zwecke mit Laub, Guirlanden, Fahnen und Lampions auf Reichste geschmückt war. Daselbst war bereits eine große Menschenmenge versammelt, welche den ganzen Hof des Schulhauses und den davor befindlichen Platz aasfüllte. Auf dem vorderen Balcon hatten die Damen der Jaffyer Gesellschaft Platz genommen, während die Mitglieder des Vereins auf der Terasfe des Hauses und den zu derselben führenden Freitreppen Aufstellung genommen hatten. Nachdem die Schüler den Umzug durch die Stadt beendet hatten und in den Hof des Schulgebäudes gelangt waren, betrat der Chor des Tempels „Beth Jacob" die Terraffe und eröffnete dte Feier mit Absingung von Psalmen und einer Festhymne, worauf der Cantor das übliche G.bet für den Landesherrn verrichtete. Dann betrat Herr Dr. Tiktin dte Rednerbühne 'und hielt die Festrede, in der er dte Umstände schilderte, welche zur Gründung des Vereins geführt, die große Wichtigkeit der Aufgabe zeigt, welche sich derselbe gestellt, die Opferwilligkett seiner Mitbürger mit warmen Worten pries und den Segen des Allbarmherzigen auf das schöne Unternehmen herabflehte. Nach Herrn Dr. Tiktin sprachen noch die Herren Dr. H. Herzenberg, Vizepräsident der Schulcommission und Dr. Ph. Margultes, Mitglied derselben. Hierauf wurden seitens der Damen des Festcomite's Erfrischungen an dte Zöglinge verabreicht. Am Abend fand ein Gartenfest in demselben Lokale statt. Beim Festmahle verlas Dr. Tiktin die eingelaufenen Glückwunschtelegramme- und Schreiben. Zahlreiche Toaste wurden ausgebracht; die Luft erscholl von den Rufen: Hoch der Verein „Cultura"! hoch Ehrendtrector Tiktin! hoch das gesammte Comite! u. s. w. Das schöne Fest schloß mit einem Bankett, das zahlreichen Zuspruch fand und erst in den Morgenstunden endete. Rußland. Petersburg. Der General-Gouverneur von Irkutsk hat dieser Tage, wie der Graschdantn meldet, eine Verfügung getroffen, welche die in Sibirien als Verbannte lebenden Juden äußerst hart treffen dürfte. Nach den Bestimmungen der russischen Gesetze steht es den Familienmitgliedern eines zur Verbannung nach Sibirien Verurtheilten frei, ihrem Familtenhaupte nach seinem Bestimmungsorte zu folgen. Während der Deportirte seinen Bestimmungsort in Sibirien in der vom Gerichte festgesetzten Zeit nicht verlassen darf, sind die übrigen Familienmitglieder, welche mit dem Verschickten dessen Loos freiwillig theilen wollen, in ihrer Niederlassung nicht beschränkt. Diese Gesetzx

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