Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 80-81 (12.10.1894)
- Date
- 1894-10-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1496 Der Generalanzeiger vom Mittwoch den 12. Sept. schreibt: Herr Polizei-Thierarzt Fenner hielt in der zweiten Sitzung der schleswig.holsteinischen Thierärzte in Schleswig am Sonnabend einen Bortrag über die brennende Tagesfrage: Ist der Kampf gegen das jüdische Schächten der Thiere, vom veterinär-medizinischen Standpunkte aus betrachtet, gerechtfertigt oder nicht? Derselbe behandelte sein Thema mit großer Wärme und Gründlichkeit und beantwortete schließlich die gestellte Frage mit einem lauten Ja! In der längeren Diskusston unterstützten die Herren Schlüter-Kiel, Franzenburg-Schleswig u. A. den Referenten, während Böllers, sowie Oberthierarzt Kühnau-Hamburg und andere Kollegen die Frage mit Nein! beantworteten. Eine Abstimmung erfolgte nicht, doch schloß sich die Versammlung überwiegend der Ansicht von Herrn Völlers und Genoffen an. Als Hauptresultat dürfen wir hier berichten, daß vor allen Dingen eine Betäubung des Schlachtthieres vor der Tödtung verlangt worden ist, so lange noch die gebräuchlichen Schlachtmethoden bestehen bleiben. Schon am folgenden Tage erschien nachstehende Berichtigung: Herr Polizei-Thierarzt Fenner sendet uns zudem Referat über die zweite Sitzung der schleswig-holsteinischen Thierärzte in Schleswig, welches wir der „Kiel. Zig." entnommen hatten, nachstehende Richtigstellung: „Aus den in dem Vorträge hervorgehobenen Gründen beantworte ich die Frage: „Ist der Kampf gegen das jüdische Schächten, vom veterinär-medizinischen Standpunkt aus betrachtet, gerechtfertigt oder nicht?" nicht mit ja, sondern mit nein. — Das Hauptresultat ergab nicht etwa, daß die überwiegende Mehrzahl vor allen Dingen eine Betäubung des Schlacht- Ihieres vor der Tödtung verlangte, sondern es haben von ca. 40 Thierärzten nur 3 Stimmen, welche als Gegner der Schächtung vorher bekannt waren, die Betäubung vor dem Schächtschnitt für nothwendig erklärt." Halle. (Geschäftsjubtläum.) In aller Stille beging die Firma D. H. Apelt u. Sohn bier am 1. Oct. ihr 50jähriges Bestehen. Am 1. Oct. 1844 legte der Senior des Hauses, Herr D. Apelt den Grund zum Geschäft; einen kleinen Wirkungskreis hatte er sich anfänglich zum Ziele genommen, rastlose Thätigkeit, Gewissenhaftigkeit und Reellität führte das Geschäft zu der Bedeutung und Achtung, deren es sich heute noch erfreut. Die dem Jubilar und dem Hause von vielen Seiten zugegangenen Begrüßungen und Glückwünsche geben beredtes Zeugniß von der Achtung und Sympathie, deren der alte Herr, sammt seiner Familie sich erfreut. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Ungarn. (Der älteste jüdische Grabstein Unaarns.) Professor Dr. David Kaufmann hat in Ofen den ältesten jüdischen Grabstein Ungarns aufgefunden. Er berichtet darüber im Pesther Lloyd: Bei Grabungen zum Behufe der Fundamente eines neuen Hauses sind auf dem Boden unserer Stadt (I., Christtnenstadt), auf dem Eckgrund der Pauler- und Tunnelgaffe in einer Tiefe von 4 Metern Grabsteinfragemente mit hebräischen Schriftzeichen zu Tage gekommen, die ein ganz besonderes Interesse für sich in Anspruch nehmen. Ein Fragment ist es vor Allem, das durch seine wunderbare Erhaltung und durch die Nachricht, die es uns bringt, die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Trotz der Schärfe und Klarheit der Schrift, die wie eben unter dem Meißel hervorgegangen erscheint, verräth der alterthümliche und nur aus früheren Jahrhunderten nachweisbare Charakter der Buchstaben, daß wir es da, wie das klar ersichtliche Datum 1278 besagt, wirklich mit einem Denkmale von hohem Alter zu thun haben. Es ist ein jüdischer Grabstein aus der Arpadenzeit, der älteste jüdische Grabstein Ungarns, der hier ans Licht gekommen ist. Wie um kein Zweifel an dem Alter des Steines aufkommen zu lassen, in dem das Datum nur durch die Zahl 38, d. i. 5038 — 1278 bezeichnet ist, hat sich in unmittelbarer Nähe dieses Denkmals ein zweites gefunden, das die Jahreszahl in Worten ausdrückt. Fünftausendundvierzig, so lautet die klar erhaltene Datumszeile, entspricht aber dem Jahre 1279/80. Beide Denkmäler stammen also aus dem gleichen Jahrzehnt, ja aus demselben Lustrum. Da die Sockel dieser Grabsteine aufrecht in der Erde standen, als man beim Graben auf sie stieß, so ist durch diesen Fund zugleich die Stelle des ältesten jüdischen Friedhofs im Lande entdeckt. Unterhalb des Burgfelsens, der Ofen trägt, auf der dem Strome abgekehrten Seite, um denUeberschwemmungsgefahren zu entgehen, hatte die jüdische Gemeinde von Ofen ihren Gottesacker, dessen Lage nunmehr unzweifelhaft klar geworden ist. Der einzige Name, der auf dem lesbarsten Fragmente erhalten geblieben ist, wird Manchem eine Ueberraschung bereiten. Der Vater des hier 1278 beigefetzten Mannes, der also in den Anfang des 13. Jahrhunderts hinaufreicht, träat den Namen Peter, der freilich auch an anderen Orten, wie mehrfach aus Deutschland bezeugt ist, von Juden unbedenklich ihren Kindern beigelegt wurde. Noch ist der Theil der Paulergasse, unter dem dieser älteste jüdische Friedhof Ungarns sich offenbar hingezogen hat, nicht dem Verkehr übergeben. Es ist kaum zu bezweifeln, daß fortgesetzte systematische Grabungen noch manches Denkmal an den Tag bringen würden, das eine aller schriftlichen Urkunden beraubte Epoche jüdischer Geschichte in Ungarn beleuchten könnte. (Wir hoffen, daß der Vorstand der Ofener Cultusgemetnde bet der zuständigen Behörde sich bemüht, daß dieser älteste Friedhof Ungarns, gleich dem in Prag, in seiner Ursprünglichkeit erhallen bleibe. Red.) Budapest, 8. Okt. (Magnatenhaus.) Verhandlung über die Gesetzvorlage betreffend die Judenrezeption. Allgemein fällt das Erscheinendes