Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 79 (4.10.1894)
- Date
- 1894-10-04
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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1489 meiner Unterschrift, mit der Unterschrift meines Prinzipals. „Wie kommen Sie dazu?" war seine Frage an mich und als ich auf mein Ehrenwort versicherte, daß ich von nichts etwas wisse, ließ er jenen rufen. In meinem Beisein stand er wie vernichtet vor dem edlen Manne und bat, seine Schuld eingestehend um Gnade. Er habe keinen Menschen schädigen wollen, sondern habe die Wechsel nach und nach von seinem Gehalte einzulösen die Absicht gehabt, und es sei ein Bertrauensbruch, daß die Papiere weitergegeben worden seien. „Und die gefälschten Unterschriften? Haben Sie auch bedacht, daß Sie sich und Ihren Freund damit ins Zuchthaus hatten bringen können?" „Ich habe nichts bedacht; ich wollte Ruhe haben und darum schrieb ich." „Und warum brachten Sie ihren Freund noch in diesen schmählichen Verdacht?" „Weil ich mich über seine Frömmigkeit, über seine Bedürfnislosigkeit, kurz über sein ganzes Leben ärgerte, weil es mich verdroß, daß er trotz seiner Bescheidenheit angesehener war als ich, weil ich ihm Rache geschworen hatte, daß er das Mädchen, das ich geliebt habe, mir abspenstig gemacht hat. —" „Unser Prinzipal sah mich fragend an; ich war empört über die gemeine Anschuldigung und rief aus: „Bet meiner Ehre, nie habe ich ein Wort mit der Schauspielerin. —" „Wer spricht von jener Dirne, sagte er; ich kam an sie erst als ich sah, daß ich bei Fräulein Sp. nichts zu hoffen hatte." „Kurz, ich bat bet meinem Prinzipal für ihn und versprach, für jeden Schaden aufzukommen, der aus einem solchen Wechsel entstehen könne. Erst daraufhin sah er von einer Anzeige ab und entließ jenen. Anstatt mir nun dankbar zu sein, versuchte der Elende mir zu schaden, wo er konnte. Er verleumdete mich, redete mir Böses nach und versuchte sogar uns zu entzweien." „Ja, ich erinnere mich," sagte Frau Beit; „sein Vorhaben scheiterte an meinem Vertrauen zu Dir." „Aber Dein Vater und die Deinen glaubten ihm und es hielt mir schwer, mich in ihren Augen zu rechtfertigen. Ich etablierte mich. Wie ein Bluthund sein Wild verfolgt und hetzt, so verfolgte mich jener, aber immer waren seine Streiche derart, daß er nicht zu fassen war, denn glaube mir, ein zweites Mal hätte ich ihn nicht laufen lassen. Es bedurfte meiner ganzen Energie, mich heraufzuarbetten, vieler schlaflosen Nächte, um so weit zu kommen, daß ich mir sagen durfte „laß ihn nur bellen, er kann mir nicht schaden." Gott icgnete meine Arbeit; mein Geschäft wurde immer besser, während daS seinige sich kaum über Wasser halten konnte. Durch eine Heirath suchte er seinen zerrütteten Finanzen aufzuhelsen; wie glücklich er in seiner Ehe ist. weißt Du. Da wurde er vor zwei Jahren krank. Er, der seither nicht an Gott^ und nicht an seine heilige Lehre dachte, wurde plötzlich fromm. Er hoffte, daß die Frömmigkeit sich rentieren werde, und sie hat sich vielleicht rentiert, denn das gute, jüdische Herz „läßt keinen fallen, der sich in seiner Noth an dasselbe wendet." „Auch mir gegenüber versuchte er sich wieder zu nähern, aber ich wies jeden solchen Versuch unerbittlich zurück. Heute nun hat er einen Hauptangriff gewagt; ich bin stark geblieben." Herr Beit hatte sich in Erregung gesprochen und war während der Erzählung im Zimmer auf und ab gegangen. Jetzt blieb er vor seiner Frau stehen und sagte: „Habe ich nicht Recht gethan?" Diese zögerte eine Weile. Alsdann sagte sie: „Nein, mein Mann, Du hast nicht Recht gethan. Der Mensch soll nicht unversöhnlich sein." „Ich kann mich nicht mit ihm bersöhnen; lieber möchte ich — horch was ist das?" Ein gellender Schrei durchzitterte die Luft; darauf erhob sich Lärm aus der Straße, so daß Beit und seine Frau ans Fenster eilten, dasselbe öffneten und htnaussahen. Was ihre Augen da erblickten, war geeignet, das Blut in ihren Adern stocken zu machen: An einem Hacken, der sich in der Höhe der ersten Etage befand, hing ihr jüngstes Söhnchen, ein Kind von vier Jahren. Er war aus dem Fenster gefallen und läge jetzt zerschmettert auf der Straße, wenn ihn der Haken nicht im Falle aufgehalten hätte. Jetzt hing sein ganzes Gewicht an einem leichten Fetzen, der jeden Augenblick zu reißen drohte. Da nahte auch schon Hilfe. Einer der Untenstehenden stellte sich direkt unter den Knaben und rief ihm zu, seine Händchen, mit denen er sich an dem Haken festhielt, los zulaffen, er wolle ihn auffangen. Der Knabe schrie fürchterlich und hielt sich nur noch fester. Aber seine Kraft war zu Ende, ehe man ihm auf andere Weise zu Hilfe kommen konnte. Abermals ein Schrei — der Knabe war herabgefallen und von dem unten stehenden Manne aufgefangen worden. Das Kind war ohnmächtig wie die Mutter, die vom zweiten Stock den Fall gesehen hatte. Während Bett sich mit seiner Frau beschäftigte, waren die Geschwister hinabgeeilt, um dem fremden Manne das ohnmächtige Kind abzunehmen. Er gab es aber nicht her, sondern trug es selbst hinauf zu den Eltern. Schon beim Hinauftragen kehrte dem Knaben die Besinnung wieder und der Fremde sah mit großer Freude, daß das Kind unverletzt war. Er trug es zuerst in das