Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 79 (4.10.1894)
- Date
- 1894-10-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1467 •) voller und energischer vorginge, wozu in erster Reihe erforderlich wäre, daß einige wenige, gestnnungstüchtige Männer sich an die Spitze der Bewegung stellten. In Württemberg steht an der Spitze des Obeiktrchenraths gegenwärtig ein Mann, der dem orthodoxen Judenthum ungleich sympathischer als seine Vorgänger gegenüber steht. In den großen Kreisen, welche dort dem wahren Judenthum leider thatsächlich entfremdet sind, stoßen alle Schritte, die dem wahren, einzigen Judenthum zu Gute kommen sollen, allenthalben auf Opposition und Hindernisse. Es werden auch hier die Kämpfe nicht ausbleiben. Aber dieselben werden, wie sie auch ausfallen mögen, der Institution des Oberkirchenraths nicht förderlich sein. Wir leben daher der festen Zuversicht, daß das Zurücktreten des gesetzeslosen und die Erstarkung des gesetzestreuen Judenthums auch in Baden und Württemberg sich wie anderwärts in stetem Fortschritt vollziehen werden. Der „Israelit" wird allen dahin zielenden Vorgängen wie bisher mit voller Aufmerksamkeit folgen, um unter Gottes Beistand Hand in Hand mit unseren Gesinnungsgenossen in beiden Ländern der guten Sache zum Siege zu verhelfen. Zeit««gs»achrichteu mtb Corresporrdenzerr. Deutschland. Berlin, 28. September. Die Einweihung seiner neuen Synagoge Tauenzienstraße 9 beging am letzten Donnerstag der Religions-Verein „Westen." Das allgemeine Interesse, welches das Streben dieses rührigen Vereins hervorruft, fand seinen Ausdruck in der außerordentlich großen Thetlnahme an dieser Feier. Als ofstcieller Vertreter der jüdischen Gemeinde überbrachte das Vorstandsmitglied Herr Louis M. Bamberger die Glückwünsche de: selben, während vom Repräsentantenkollegtum der Vorsitzende Herr Hermann Landsberg und die Herren Martin Simon, Ruß, Letchtentrüt und Weinberg erschienen waren. Von den zahlreichen hervorragenden Anwesenden nennen wir nur die Herren Rabbiner Dr. I. Hildesheimer, Dr. Cohn und Dr. Rosenzweig, sowie Herrn Justizrath Makower. Glückwunschschreiben und Telegramme waren eingegangen unter anderen von den Herrn Rabbinern Dr. Ungeileider und Maybaum, von den Vorstehern Herren Justizrath Meyer und Jsaac, sowie von dem Repräsentanten Herrn Gustav Loewenberg rc. 2C. Es war ein weihevoller Augenblick, als rach dem Mah taunu - Gesänge die sechs Thorarollen in die Synagoge gebracht wurden und der Willkommgruß Boruch habo ertönte. Hieran schloß stch der Psalm Nmmaur lethodo, das Aushebett der Thorarollen und, unter Abstngung des Bauschioh no, ein siebenmaliger Umgang. Die Thorarollen wurden wieder in die Lade gesetzt und Herr Dr. Stein, der Prediger des Religions-Vereins „Westen" hielt die von Begeisterung durchglühte Festpredigt, deren Eindruck ein sichtlich erhebender war. Es folgte das Mariw - Gebet und als Schlußgesang der Adaun aulom. Sowohl die Predigt des Herrn Dr. Stein als auch der Festgesang des Mitgliedes Herrn Robinson, welche in uneigennützigster Weise ihre Kraft in den Dienst des Vereins gestellt haben, fanden uneingeschränkte Anerkennung. Die Synagoge macht einen vornehmen Eindruck durch die wunderbare Farbenharmonie und die gediegene, würdige Einrichtung, und es ist zweifellos, daß diese Andachtsstätte, welche für den Westen so sehr Bedürfnis ist, stch eines immer wachsenden großen Zuspruches erfreuen wird. Die Leitung des Religions-Vereins „Westen" darf in dem ideellen Erfolge dieser Einweihung die verdiente Anerkennung erblicken und stch zu weiterem Streben ermuthigt fühlen. Hamburg. In Bremerhafen, woselbst er stch vor einigen Jahren ins Privatleben zurückgezogen hatte, starb am «an '3 p”ff der cm. Löbauer Rabbiner, Herr Hirsch Caro. Der Verstorbene, einer altberühmten Rabbinerfamtlte entsprossen, war selbst als ein bedeutender und Kenner profaner Wissenschaften bekannt. Schon in frühester Jugend wurde er von seinem Vater, der als Schrimmer Rabbiner ein mn gewesen, für seinen später» Beruf vorbereitet, später besuchte er die damals berühmte Prager N3'i^ unter Rapoport um sich dann einige Jahre später in Posen als Leiter einer höheren Schule ntederzulassen, wobei er lebhaften Verkehr mit den bedeutendsten Posener Talmudgelehrten pflegte, die ihn als ebenbürtigen Collegen schätzten. Als dann sein Schwiegervater, der Rabbiner zu Löbau in Westpreußen starb, wurde er an dessen Stelle berufen und wirkte daselbst mit voller Hingebung für Gesetz und Recht, kämpfte mit Eifer und Muth gegen neologe Bestrebungen, die stch leider zu bald geltend machen und restgnirte, als er sich dem Andrängen nicht mehr gewachsen glaubte. Für Hamburg hatte der Verstorbene eine große Vorlt.be, die ihn einige Male hierherführte und so wünschte der Verstorbene hier nnapn rvaa beerdigt zu werden, was am heutigen Tage unter zahlreicher Betheiligung geschah. Im Sn« sprach Sr. Ehrwürden der Herr Oberrabbiner über die hohen Verdienste des Dahtngegangenen und mit dem Texte '3 rs -f? w ns dö nnm (rta t'3;vyr) "op no 7V naxn schilderte der Redner in ergreifender Weise die Vergangenheit des