Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 77-78 (27.9.1894)
- Date
- 1894-09-27
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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1459 Verlesung gelangten. Die Anwesenden trugen sich in die Präsenz-Liste ein. Entschuldigt waren mit amtlicher Verhinderung oder durch Krankheit (nach der Reihefolge des Eingangs): Rosenthal-Stenschewo, Dr. Bamberger-Schrimm, Altmann-Arnswalde, Borchardt-Samter, Berlowitz-Neustadt, Dr. Wiener-Oppeln, Dr. Cohn-Kattowitz, Rosenblatt-Rauschenberg. Dr. Sandler-Schwedt, Dr. Bamberger-Schildberg, WarszawSki-Neutomischel,Feibel-Jauer,Groß-Fraustadt.Kempner-Patschkau, Hamel-Winzig, Bender-Loewenberg, Kuttner- Gostyn, Sandler Jnowrazlaw. Wolf-Janowitz. Willner-Kattowitz Bernstein-Unruhstadt, Dr. Cohn-Wreschen, KSinski-Kempen, Lewin-Berlin, Loewenthal-Gr. Wartenberg, Dr. Chodowski-Oels, ferner: Dr. Rosenthal-Breslau und Dr. Rippner-Glogau, deffen liebenswürdiges Begrüßungsschreiben au dieser Stelle Platz finden mag zur Aufmunterung aller Halben und Schwachen. G log au, 2. Juli 94. Sehr geehrter Herr! Ich hätte mich gern an der Versammlung jüdischer Religionslehrer beteiligt, aber die Rücksicht auf meine Familie zwingt mich nach einem Kurorte zu reisen, ich muß demnach Ihren Beratungen fern bleiben. Die gegenseitige Aussprache wird jedenfalls die Pläne und Absichten klären. Wie es nach der Ansicht des Talmud für den Besuch der Synagoge schon einen„ Lohn des Gehens" giebt, so ist schon das Zusammenkommen jüdischer Religionslehrer, ganz unabhängig von den Beschlüßen, an sich ersprießlich. Jedes andere Lehramt hat seine feste Ordnung; die jüdische Religionsschule befindet sich leider noch immer im Stadium des Experiments. Um so mehr bedürfen wir der Anregungen, wie sie in Zusammenkünften uns geboten werden. Mit herzlichem Gruß für Sie und alle unsere Genossen: Ripp ne r. Darauf schreitet die Versammlung zur Wahl des Büreaus. Zum Tagesprässdenten wird durch Zuruf einstimmig Herr Dr. Louis Neustad t-B re S lau gewählt, der auf Vorschlag auS der Mitte der Versammlung zum Protokollführer Herrn Rabbiner Dr. Silberberg-Rawitsch ernennt, mit der Führung der Rednerliste Herrn Rabbiner Dr. R o s e n t h a l-R o g a s e n betraut und als Beisitzer die Herren Rabbiner Dr. Wreschner-Samter und Lehrer Max Graf-Glogau beruft. Der Präsident macht zuerst einige Mittheilungen über die bisherige Entwickelung des geplanten Verbandes. Der Aufruf ist in einigen hundert Abzügen nach den Provinzen Schlesien, Posen, Pommern, Westpreußen, Brandenburg geschickt worden; für Ostpreußen, Sachsen und Berlin hatten die Exemplare nicht mehr gereicht. Man hat nämlich ursprünglich den Plan gehabt, sich auf die altvreußischen Provinzen zu beschränken; weil in ihnen die Zustände innerhalb der L°hrer und auf dem Gebiete des Religionsun'errichts eine gewisse Ähnlichkeit besitzen. Aus den genannten Provinzen sind in der kurzen Zeit bis zum Verbandstage 102 Meldungen eingelaufen, von denen 41 aus Schlesien, 35 aus Posen, 11 aus Brandenburg, 8 aus Pommern, 7 aus Westpreußen stammen. In fast allen Zuschriften kehrt der Gedanke wieder, daß die Bildung eines derartigen Verbandes längst ein sehnsuchtsvoller Wunsch weiter Kreise der Lehrerschaft gewesen sei, besondere Begeisterung haben diejenigen Punkte des Programmes gesunden, welche ein Eintreten für die sociale Roth der kleinen Beamten verheißen. „Auch der Deutsch-JSraelitische Gemeindebund, mit dem ich mich in Verbindung gesetzt habe, erkennt „die beklagenSwerthen Nothstände im jüdischen Lehrwesen" an und hält unsern Plan sür .wohlgemeint." In der That handele es sich, schreibt er, um Befriedigung thatsächlicher Bedürfnisse. Insbesondere sei die Zahl der Stellenlosen eine sehr große und es gehöre ein großes Grundkapital dazu, um „diesen Aermsten auch nur 5 Mk. wöchentlich sicher zu stellen." Der Präsident erstattet im Weiteren Bericht über seine Verhandlungen mit dem Präsidenten de- D. I. Ä. B. und dem Breslauer Delegirten desselben, den Herren Geh. Rath Dr. Kristeller-Berlin und Th. OschtnSky-BreSlau. Die Bemühungen des letzteren, den D. I. G. B. zu veranlassen, den Theilnehmern am BerbandStag einen Reisezuschuß gleich den Theilnehmern anderer Lehrervereine zu gewähren, sind leider erfolglos geblieben, weil der gefchäftsführende Ausschuß nach seinen Geschäftsgrundsätzen keine derartigen Veranstaltungen „in den ersten drei Jahren unterstütze, um erst Zeit zu gewinnen, die Lebensfähigkeit solcher Unternehmungen zu prüfen." In gleicher Weise giebt der Präsident der Versammlung Kenntniß davon, daß er mit dem Lehrer Blumenfeld-Adel ebsen, dem Vater der Idee eines allgemeinen deutschen israelitischen LehrerbundeS Beziehungen angeknüpft habe, weil doch gewiß der Gedanke jedem unserer Mitglieder gekommen sei, wie wollen wir unS zu dieser Frage stellen, die seit Jahr und Tag Gegenstand der Besprechung in der jüdischen Presse, wie in einigen Lehrervereinen gewesen ist. „Ich habe für meine Person, ohne selbstverständlich irgend welche Zusagen für unsern Verband machen zu können, dem Collegen Blumenfeld meine Bereitwilligkeit erklärt, an dem Zustandekommen deS A. D. I. L. V. mitzuwirken und dafür tn unsern Kreisen einzutreten. Ich habe Herrn Blumenfeld unsern Aufruf eingesandt, noch bevor er in die Oeffentltchkeit gelangt ist, und er hat mir geschrieben, daß unsere Bestrebungen „berechtigt und der Förderung werth sind". Ein Verband, wie Sie ihn im Auge haben, würde in keinem Gegensätze zu dem D. I. L. B. zu stehen brauchen und wohl auch nicht stehen. Derselbe könnte sich als Glied dem Ganzen anschließend An dieser Auffassung habe ich auch b s zum heutigen Tage sestgehalten. Wie Sie aus den Ihnen vorliegenden Satzungen ersehen, ist in zwölfter Stunde noch der Wunsch rege geworden, den Verband auf das ganze Reich auszudehnen. Ich habe mich Anfangs diesem Gedanken gegenüber ablehnend verhalten, weil ich mir sagte, daß wir als Religionslehrer wohl eine gemeinsame oberste Schulbehörde tu Preußen haben im preußischen CultuSminister, daß aber für das deutsche Reich die verschiedenen Schulbehörden der Einzelstaaten in Betracht kämen. ES ist mir dagegen eingewandt worden, daß die wichtigsten Punkte unseres Programms von dieser Frage unberührt bleiben, daß die Sorge um die Stellenlosen, um die Alten und Kranken keinen streng preußischen Charakter trage, daß ein jüdisches Lehrerheim allen deutschen Lehrern am Herzen liegen müsse, und daß, wenn man eine vernünftige BezirkSeintheilung vornehme, man alle berechtigten partikularen Interessen befriedigen könne. Ich habe mich dem Schwergewicht dieser Gründe nicht verschließen können, so sehr ich auch voraussehen mußte, daß wir dadurch vielleicht in eine schiefe Lage mit dem geplanten D I. L. B. kommen könnten. Ich bin aber doch allmählich zu der Überzeugung gekommen, daß wir nicht auf halbem Wege stehen bleiben dürfen, wollen wir etwas Großes und Dauerhaftes schaffen. Ich bin noch immer der Ansicht, daß, falls der D. I. L. B. überhaupt zu Stande kommen sollte, wir uns an den Bestrebungen desselben betheiligen können, ja sogar betheiligen müssen, um daS Band der Einigkeit zu schließen. DaS habe ich auch Herrn Blumenfeld geschrieben. Freilich scheint eS mir, als wenn nach den mir gewordenen Nachrichten nicht viel Aussicht vorhanden ist, daß der Bund geschlossen wirb. Eine Vertretung der gesummten beutsch-iSr. Lehrerschaft wird er auch keinesfalls repräfenttren, selbst wenn alle Bezirksverbände sich anfchlteßen, da eineStheils eine Reihe von deutschen Bezirken gar keine jüd. Lehrervereine besitzt, andererseits die bestehenden BeztrkSverbände nicht alle Lehrer ihres Bezirks vertreten. Beispielsweise gehören über 200 jüdische Lehrer, darunter etwa 40 Rabbiner, der Provinzen Schlesien u. Posen dem „Verein iSr. Lehrer in Schlesien u. Posen" nicht an. Jedoch wollen wir, denke ich, unS zu der Sache der Einigkeit stet« freundlich stellen und, sowie wir unS vereint haben, um Positives zu erreichen, auch