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Der Israelit · 1894-09-27 · Heft 77-78 (27.9.1894) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 77-78 (27.9.1894)
Date
1894-09-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1451 cher verrückte Müßiggänger so Zeit und Papier verschwendet haben könne. Er fand keinen Namen. Seine Tochter hatte es sicher nicht gethan; es wäre das elfte Mal in ihrem Leben. Feiwel stand vor einem Rätsel und da er sehr schwach war in der Lösung von Rätselaufgaben, geriet er in große Aufregung. Sein Antlitz wurde feuerroth und jetzt trat er in den Rahmen der Thüre und rief lauter als cs sonst seine Gewohnheit war: „Selma! Selma!" Das junge Mädchen, welches zu einer Nachbarin gegangen war, um sich eine Zwiebel, derer sie zur Bereitung des Mittagmahls bedurfte, zu leihen, konnte natürlich den Ruf des Vaters nicht hören und sie war ganz erschrocken, als sie, da sie endlich zurückkam, von ihrem Vater mit Schelle empfangen wurde. „Wo warst Du?" fuhr er sie barsch an. Sie gab ihm bescheiden Antwort. „Wer war in meinem Bureau und hat meine schönen Briefbogen verschmiert?" „In Deinem Bureau war Niemand." „Dann haben wohl die Schedim *) die Schnörkel auf dem schönen weißen Briefpapier gemacht." Feiwel hielt der über und über erglühenden Selma den mit den Schreibübungen versehenen Bogen vor das Antlitz und erwartete deren Antwort. Selma wußte wohl, wer der Missethäter war, aber sie zögerte, dem Vater seinen Namen zu nennen und deshalb sagte sie hin und wieder stockend: „Ich weiß wirklich nicht — sollte gestern Jemand da gewesen sein — ich will mich besinnen —" Sie eilte hinaus und in der Küche sagte sie zu sich selbst: „Was für eine Dummheit von mir, auf dem Platz, auf dem Albert gesessen, nicht nachzusehen." Der geschätzte Leser sieht, wie weit die jungen Leute schon mit einander waren, daß sie sich, wenn auch nur in Gedanken beim Vornamen nannten, so daß eigentlich ein Schadchen für sie unnöthig gewesen wäre. Feiwel konnte sich noch lange nicht beruhigen. Er zürnte seiner Tochter, daß sie einen Fremden in das Bureau eintreten ließ und dem gestattet hatte, sich auf seinen Platz zu setzen und sein Papier zu verschmieren. Aber wer war dieser Fremde, dem seine sonst so zurückhaltende Selma den Eintritt in das Allerheiligste ihres Vaters gestattet hatte? Für Selma mußte er kein Fremder gewesen sein. — Sollte Selma ein Liebesverhältniß hinter seinem Rücken haben? Ach, das wäre ja Unsinn! — Und doch, hat man nicht schon Beispiele gehabt, daß junge *) böse Geister. Mädchen sich ohne Erlaubniß, ja selbst gegen den Willen des Vaters verliebt haben? Verliebt? bah, das ist seine Selma nicht. Ja wenn auch? Es kommt ja das ganze Jahr kein junger Mann ins Haus. Oder doch? Sollte gestern einer da gewesen sein? — Eine ungeheure Angst befällt ihn. Wenn Selma mit einem anderen jungen Manne verkehrt hatte, würde sie dem Sohn des Vorstehers auch dann noch begehrenswerth erscheinen? könnte er dann noch so stolz auf seine Tochter sein? Er wollte es von ihr selbst hören, wie die Dinge standen. Wieder erschallte sein Ruf durch das Haus: „Selma! Selma!" tönte es mit lauter Stimme. „Selma! Selma!" riefen die Knaben auf der Straße zum Aerger Feiwels mit ihren lauten Stimmen, woraus dieser im größten Zorn die Fenster so zuschlug, daß zwei Scheiben in Trümmer gingen und die Scherben laut prasselnd auf die Straße fielen. Erneutes Johlen, Jauchzen und Bravorufen auf der Straße. Feiwel wurde ganz blaß vor Aerger und schon wollte ein Fluch über seine Lippen, als er sich besann und an das Sündhafte des Fluches dachte. „Schreit so lange Ihr wollt!" sagte er. „Ich muß die Scheiben bezahlen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen." Selma, die den Lärm auf der Straße in der Küche gehört hatte, kam jetzt ins Zimmer und wollte sehen, was auf der Straße vorgehe. Als Feiwel seine Tochter sah, war seine Wehmuth dahin. Sie sah auch allerliebst aus, so daß ihr Niemand böse sein konnte. „Komm einmal her, mein Kind", sagte er sanft zu ihr. „Besinne Dich doch einmal, wer gestern hier auf meinem Platz gesessen und diese Schnörkel gemalt haben mag." „Ich weiß es nicht, Vater. Außer dem Sohn des Vorstehers, der gestern wieder nach Euch fragte, war Niemand da, und wenn Du glaubst, daß Albert, daß dieser die Schnörkel gemalt hat," fügte ste listig hinzu, „mußt Du mit ihm Spektakel anfangen." „Der Sohn des Vorstehers, Albert! war gestern hier? So, so! Hm, hm. Wie lange war er hier." „Er wartete eine halbe Stunde auf Dich, aber Du kamst nicht." „Nun da habt Ihr Euch unterhalten?" „Ich mußte wohl, da Du nicht da warst, konnte ich doch nicht so unhöflich sein, ihn allein im Zimmer sitzen zu laffen." „So, so, war er schon öfters hier?" inquirierte Feiwel weiter. „Ich Habs nicht notiert," versetzte Selma

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