Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 77-78 (27.9.1894)
- Date
- 1894-09-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Im Jahre 1867 wurde Herr Tal Student des Althenaeum illustre. (der heutigen Universität), zu Amsterdam. Im Jahre 1872 bestand derselbe zu Utrecht mit Erfolg das Examen in den Wissenschaften und 2 Jahre darauf erlangte er zu Amsterdam die Morstuu. Im Dezember 1874 wurde Herr Dr. Dünner Oberrabbiner zu Amsterdam und sofort wurde Herr Tal zum 2. Rabb. daselbst ernannt. Unter seiner dauernden Mitwirkung vollzog sich die Neuregelung aller religiösen Institutionen zu Amsterdam. So wurde durch ihn die Bürger- und Jnterimsynagoge eingerichtet und blieb T. daselbst Rabbinatsdirekcor bis zum Mai 1881. Bald wurde er Oberrabbiner von Gelderland mit dem Sitze zu Arnheim. Ebenso wie auf religiösem, hat Herr Tal sich auch auf literarischem Gebiete ausgezeichnet. Im Jahre 1874 erschien aus seiner Feder eine Broschüre „Unsere Ordnung des Gottesdienstes," eine Verteidigung der Methode, die Dr. Dünner eingeführt hat. Eine jüdische belletristische Zeitschrift „Ehoreb", die im Jahre 1886 erschien, wurde größtheils durch Herrn Tal redigirt und geschrieben; sie erlebte nur einen Jahrgang' Seit 1883 erscheint alljährlich ein isr. Kalender, dessen Hauptinhalt Beiträge des Herrn T. auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und des jüdischen Pfltchtlebens bildet. Im Jahre 1887 wurde Herr Tal zum Mitgliede der ntederl.-wissenschaftlichen Gesellschaft zu Leiden ernannt. Aus Gesagtem ersieht man, daß der neue Oberrabbiner der niederl.-isr. Gemeinde dahier ein ebenso vielseitig gebildeter, wie energisch thütiger Mann ist. In der wissenschaftlichen, wie in der literarischen Welt hat sich Herr Tal, sowohl durch Geistes-, als durch Herzensgaben eine große Reihe von Freunden erworben. Vermischtes. Aus London wird berichtet: Das Britische Museum hat unlängst eine in seiner Weise einzig dastehende Reliquie erhalten, die zur Zeit im Assyrischen Departement ausgestellt ist. Es ist ein altassyrisches Gewicht. Dasselbe ist aus grünem Diorit hergestellt, ist vier Zoll hoch, an der Spitze abgerundet, unten stach. Das Gewicht wurde zur Zeit Nabucadnezar'sll., 605 v. d. gew.Ztr. verfertigt. Die lOLinien lange babylonische Inschrift besagt, daß dies eine genaue Nachbildung des staatlich anerkannten Gewichtes sei. Es scheint zweierlei Arten Gewichte in Babylon gegeben zu haben. Die eine war die „Mana des Königs", die andere Art Gewicht wurde besonders zum Wagen von Silber verwendet. In dieser Beziehung ist die Stelle der Bibel interessant, wo es heißt, daß Abraham dem Hetiter Ephron den Preis der Höhle von Machpelah, 400 Seckel Silber abwog. (Genesis XXIII. 16.) Der „Kijewskoje Slove" theilt mit: Auf der neuerbauten Mühle bei Smiela meldeten sich 600 Juden aller Altersklassen, nachdem 200 Arbeiter durch die Zeitung verlangt waren. Alle eingestellten Arbeiter sind Juden, und ste arbeiten fleißig und ordentlich. Feuilleton Der Schadchen. 68°^ Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung). Feiwel empfahl sich. Er ging nach Hause wie ein Träumender. Die Leute, die ihm begegneten, sah er nicht; sie blickten ibm lächelnd nach und dachten zumeist: Feiwel hat sicherlich wieder einen großen Schidduch im Kopfe. Als Feiwel sich seinem Hause näherte, verließ es der Sohn des Vorstehers. Vorsichtig um sich blickend suchte er dem in Gedanken versunkenen Feiwel aus dem Wege zu gehen, was ihm auch unschwer gelang. Feiwel ging in sein Eomptoir. Er zog seinen „Bureaurock" an und setzte sich vor sein Pult, um die Sache, die ihn so lebhaft beschäftigte, in aller Ruhe zu überlegen. Was ihm heute geboten wurde, war mehr als er jemals erhoffen konnte. Der Sohn des Vorstehers war ein tüchtiger, braver, junger Mann, dem ein gewissenhafter Vater wohl die Sorge für die Z -kunft seines Kindes anvertrauen konnte. Er war in dem Geschäfte seines Vaters und schon seit Jahren die rechte Hand desselben. Er war der alleinige Erbe des reichen Mannes, fromm und bescheiden und von lauterem Sinn und Character. Das olles erwog Feiwel und jetzt dachte er, was er dagegen zu bieten habe. Außer seiner Tochter nichts. Nicht einmal eine gute Ausstattung konnte er derselben mitgeben. Dagegen bäuchte ihm ihre Schönheit und Jugend, ihre Liebenswürdigkeit und Frömmigkeit mehr als das größte Kapital. Nach langer Ueberlegung kam er zu dem Schluß, daß wenn Selma damit einverstanden sei, ihm der Schwiegersohn „genug" sein solle. Er wollte sich gerade erheben, da fiel sein Blick auf den vor ihm liegenden Papierbogen. Weit öffneten sich seine Pupillen. Träumte er? Er wollte seinen Augen nicht trauen. Wer hatte das zu thun sich erdreiftet? Seinen schönen, weißen, ungebrauchten Papierbogen so zu beschmieren! Was stand eigentlich in hundertfach verschiedener Ausführung da? In welcher Sprache waren die Schriftzüge und wer hatte ste geschrieben? Zuerst war sein Auge ganz verwirrt. Endlich aber löste sich die Verwirrung und die einzelnen Zeichen traten deutlich hervor. Es waren die auf vielfache und verschiedene Weise verschlungenen Initialen des Namens .seiner Tochter. SR, SR stand da in jeder Schriftart unzählige Male. Feiwel zerbrach sich den Kopf, wel-