Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 77-78 (27.9.1894)
- Date
- 1894-09-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXV. Jahrgang. Zmnle Keil.;u .4§ 77 5- 78 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Vom Niederrhein. Das Israel. Waisenhaus zu Dinslaken v rsendei soeben wie üblich aufseinen neuen Rechenschaftsbericht. Wie der Vorbericht bemerkt, war auch im abgclaufenen nennteu Jahre des Bestehens der Anstalt die Entwickelung des Hauses eine stetig fortschreitende. Zu der bisherigen günstigen Entwickelung desselben haben besonders die zahlreichen Zuwendungen von n'ip-Sttftungen beigetragen. Gegen Ueberweisung von 300 Mk. übernimmt das Haus die Verpflichtung für Verstorbene während des Trauerjahres, sowie für ewige Zeiten an den wiederkehrenden Jahrzettstagen das ®ebet zu verrichten und wird hierüber eine entsprechende Urkunde ausgefertigt. Die Stiftungen werden im Stiftungsbuche, sowie auf der Ehrentafel in der Anstaltssynagvge verzeichnet und werden dieselben in den jährlichen Berichten namentlich aufgeführt. Solche Stiftungen können auch bei Lebzeiten voraus entrichtet werden und werden besondere Anfragen dieserhalb jederzeit gerne von der Waisenhausverwaltnug veantwortet. Die Gesammteinnahmen hielten sich auf bisheriger Höhe. Die Zahl der Pfleglinge betrug im abgelausenen Jahre dretundzwanzig. Der Bericht wird auf Wunsch jedem Interessenten gerne zugeschickt. Aus Westfalen, im September. Die Kgl. Regierung zu Arnsberg hielt in der vergangenen Woche bei den Kretsschulinspectoren Umfrage, ob die jüdischen Fmrtage, also der Tag vor dem Peßachfeste, die beiden ersten und letzten Tage desselben, die beiden Tage des Wochenftstes, die beiden Neujahrstage, der Bersöhuungstag, die beiden ersten und letzten Tage des Laubhütenfestes und der Tag der Zerstörung Jerusalems, bisher frei gewesen wären, ob dieselben auf die allgemeine Ferienzeit angerechnet seien, und ob noch an anderen jüdischen Feiertagen der Unterricht ausgesetzt worden sei. Ob sich diese Umfrage auf eine allgemeine Regelung der Ferien für die jüdischen Schulen bezieht? Marburg, 21. Sept. Mit vielem Humor berichtet die „Frankfurter Ztg.": Ein empörendes Beispiel echt jüdischer Unverschämtheit, das vor einigen zwanzig Jahren passirte, hat dieser Tage endlich seine Sühne gefunden. Zog da aus dem Kirchspiel Hebel, Kreis Homberg, mit der seiner Race eigenen Aufdringlichkeit ein Jude, Namens Moses Frankel, in den deutsch-französischen Krieg. Damit nicht genug, erdreistete sich der Jude, offenbar auf eine geheime Weisung der uUiunc-s israelite, sich für das deutsche Vaterland todt schießen zu lassen, für das Vaterland, das ihn doch gar nichts angtng. Im Laufe der Jahre wurde beschlossen, in Hebel eine Krtegergedenktafel zum Gedächtnitz an die Gefallenen aufzuhängen. Da erinnerte sich der Pfarrer von Hebel, Leichmann, an jene jüdische Schandthat und setzte all seinen Einfluß ein, daß der Name des Moscs Fränkel nicht auf die Tafel komme, sintemalen der Jude, trotz seines kirchenfähtgen Namens Moses, nicht in das christliche Gotteshaus gehöre. In diesen Tagen ist die Tafel aufgehängt worden, auf der der Name des Moses Fränkel fehlt. Somit hat Hebel das reine Deutschthum gerettet, wenn anders das in Melsungen, der Hauptstadt der deutschen Rechtspartei erscheinende „Hessische Volksblatt" die Wahrheit berichtet hat. Holland. Groningen. Das Taubstummen-Jnstitut zu Groningen erhielt eine beträchtliche Spende. Einer der jüdischen Bürger, Herr I. Oppenheim, hinterließ demselben testamenrarisch den Betrag von 400,000 fl. Das Institut hat eine Abtheilung für jüdische Pfleglinge. Haag, 20. Sept. Durch den Vorstand der niederländisch-isr. Gemeinde dahier, wurde zum Nachfolger des Herrn Beerenstein Herr T. Tal, seither Rabbiner von Gelderland erwählt. Durch diesen Beschluß hat der ehrwürdige b"rn ai, der während einer so langen Reihe von Jahren die Leitung der kirchlichen Angelegenheiten der isr. Gemeinde dahier in Händen hatte, einen ihm vollkommen würdigen Nachfolger erhalten. Herr Tal ist auch außerhalb des Kreises seines täglichen Wirkens, namentlich bei der niederländischen literarischen Welt als ein scharfsinniger und verdienstvoller Schriftsteller bekannt. Seine religiöse Richtung ist streng orthodox, bei maßvollem und verträglichen Wesen. Aus einigen biographischen Notizen, die Herr Tal einem der hiesigen politischen Blätter übersandt hat, entnehme ich, daß der neue Oberrabbiner der hiesigen nieder!. Gemeinde im Jahr 1847 geboren wurde. Im Jahre 1864, ein siebzehnjähriger Jüngling, verlor derselbe seinen Vater und hatte er als ältester von sieben Geschwistern schon damals hinreichend Gelegenheit, den „struggle for life“ kennen zu lernen. „Dennoch blieb ich," schreibt Herr Tal, „meinem Vorsatze zu studiren treu und wurde ich hierin durch Herrn Dr. I. H. Dünner, der damals Rektor des ntederl.-isr. Seminars gewesen, unterstützt."