Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 77-78 (27.9.1894)
- Date
- 1894-09-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1443 Er leugnet ja in Schrift und Wort, in Lehre und Leben, die Göttlichkeit der Thora und die Verbindlichkeit ihrer Satzungen! Herr Dr. Maybaum hat hier in Berlin die Unverfrorenheit gehabt, die Trauung eine cab npipi zu vollziehen und hat sich keck über das Wort Gottes hinweg gesetzt, welches diese Verbindung verbietet. Ist die Bibel nur ein Ehehinderniß für verbotene Ehen mit Christen; und nicht auch mit Juden? Dieser Widerspruch liegt so faustdick vor aller Welt da, daß ihn sogar die „Allg. Zeitung des Judenthums", das Sprachrohr des Herrn Dr. Maybaum zu vertuschen für gutfindet. Sie schreibt daher im Anschluß an den Zeitungsbericht über diese eause eelöbre: „Es handelte sich um eine Erbschaft, die der jüdische Gatte einer Ehristin nach der testamentarischen Bestimmung seines Bruders erst dann antreten konnte, wenn er mit seiner Frau rituell getraut war. Da die Frau Christin geblieben ist und blos von Dr. Ritter in der bekannten Weise ohne jede Eermonie „eingesegnet" (wie er das nannte) worden war, bestritt Dr. M. mir Recht den rituellen Charakter der Trauung. Ein Rabbiner kann nur Kellarll 3Io.se we-Jisrael trauen; eine andere Agende haben wir nicht, und wenn die Resormgemeinde für sich Mischehen einsegnen läßt, so ist das ihre Sache; aber „nach jüdischem Ritus vollzogen" iü eine solche Ehe nicht. Ein Anderes ist es, wenn sämmtliche Rabbin er der Augsburger und Leipziger Synode die Ehehindernisse des Ivoheu und berJebamah als aufgehoben erklären und solche Trauungen konsequent e r Weise vollziehen. Hier liegt der Ausspruch einer au toritativen Versammlung, hinter welcher die größten Gemeinden Deutschlands u nd Oesterreichs standen,vor. Di e de utsch-jüdi sche Theologie hatte sich mit der betreffenden Reform des Ehegesetzes Jahrzehnte vorher beschäftigt und das Ergebniß der genannten Versammlung war eine naturgemäße Entwickelung des jüdischen EhegesetzeS innerhalb der Glaubensgemeinschaft! Was Dr. Oppenheim von dem französischen Synhedrium anführte, gehört absolut nicht zur Sache. DaS französische Synhedrium hat auf die Frage Napoleons, ob es die Ehe zwischen Juden und Christen für legal halte, einfach erklärt, was auch wir heute sagen, daß eine solche civiliter geschlossene Ehe selbstverständlich staatsbürgerlich korrekt sei. Aber religiösen Charakter hat sie nicht, und den schreiben ihr auch die französischen Rabbiner nicht zu." Wenn Herr Dr. Maybaum keinen besseren Verthetdiger findet, als die Allg. Zeitung des Judenthums, dann naep rwja hjjd» nH 'w wehe dem, dessen Vertheidiger fein Ankläger wird! Ein Rabbiner kann nur ntcra n*D trauen? Gehören mm nsr^n niao nicht auch zum wo m Wo ist das towi nro m geblieben, als die npipi von Herrn Dr. Maybaum getraut wurde? Das hätten die Rabbiner der Augsburger Synode aufgehoben? „Kein Rabbinat und kein Vorstand der Welt hat das Recht von einer biblischen Vorschrift zu dispensiren!" hat vor noch nicht zwei Jahren die Allg. Zeitung des Judenthums urdi et ordi verkündet, und jetzt muß sie stch selber desavouiren, um den fadenscheinig gewordenen Nimbus des Herrn Dr. Maybaum zu retten!') Dabei ist es nicht wahr, daß die Versammlung einen autoritativen Charakter hatte, und daß die größten Gemeinden Deutschlands und Oesterreichs dahinter standen. Die Herren kamen auf ihre höchst eigene Initiative, hielten ihre Deklamationen auf eigene Faust ab, sie waren von Niemand in der Welt delegirt, als von ihrem religiösen Leichtsinn und autorisirt von ihrer vollständigen Verachtung alles spezifisch Jüdischen. Aber wenn das auch wahr wäre, wenn alle Gemeinden und Rabbiner Deutschlands und Oesterreichs in Leipzig und Augsburg beschlossen hätten, auch nur das kleine Einmaleins abzuschaffen, wären dann die Juden davon wirklich dispenfirt? Und um die ewigen Gesetze des lebendigen Gottes abzuschaffen, brauchte eine Hand voll pflichtvergessener Weitlinge ihr bundesbrüchiges Gebühren nur Jahrzehnte lang deutsch-jüdische Theologie zu nennen, und man könne mit allem, was Gott geboten und verboten hat, tabula rasa machen? Und wenn Herr Dr. Oppenheimer nun auch Jahrzehnte lang deutsch-jüdische Theologie getrieben und auf Grund dessen die Ueberzeugung erlangt hätte, die Mischehen seien bei uns statthaft, wer will ihm dann einen Vorwurf daraus machen? Die Moral von der Geschichte ist: wenn jetzt, wo hier die jüdische Saison anfängt und die große träge Maffe sich wieder um jüdische Anliegen ein wenig zu kümmern beginnt, wenn man dann doch sich über rabbinische Gutachten echausfirt, daß dann die Aufmerksamkeit nicht auf Allotria ab gelenkt, sondern auf das concentrirt werde, wohin sie eigentlich gehört; das ist der Reform-Rabbiner der Hauptgemeinde Herr Dr. Maybaum und die Mohrenwäsche, welche da zu seiner Rettung veranstaltet wird. Item; hie Maybaum, hie Oppenheimer, uns will bedünken, daß wenn auch beide nicht im besten Gerüche stehen, doch die Vergleiche zwischen ihnen, wie alle Vergleiche hinken. — Aber für den Unterschied zwischen beiden wird kein Eingeweihter viel geben. ZeitrrrrgSrrachrichterr trab CorrefPorrdenzeu. Deutschland. Berlin. Der „Israelit" ist meines Wissens dasjenige jüdische Blatt, welches die Gefährlichkeit und Schädlichkeit des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" 1) Vergleiche unseren ersten Leitartikel in Nr. 71 d« Jahrgangs. — Red.