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Der Israelit · 1894-09-27 · Heft 77-78 (27.9.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 77-78 (27.9.1894)
Date
1894-09-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1438 stament ebenso heilig ist, als uns Juden, es mit tiefem Schmerz empfunden haben, hören zu müssen, in welch schnöder Weise sich Herr Ahlwardt über das Heiligste, was die Menschheit besitzt, geäußert hat. Das spricht am Besten für uns. Wenn ein Mann an die Leidenschaft eines Volkes appellirt, wenn er statt Liebe zu predigen die Saat des Haffes und der Zwietracht unter die Konfessionen säet, so steht ein solcher Mensch in meinen Augen so tief, daß ich eine Widerlegung für unter meine Würde halte. Nicht um Ahlwardt willen habe ich hier das Wort genommen, sondern das habe ich gethan, weil ich es Ihnen, unter denen ich eine stattliche Anzahl hochangesehener Mitbürger erblicke, schuldig zu sein glaubte. Redner schließt mit dem Rufe: Nieder mit dem Antisemitismus! Hoch das Menschenthum, hoch das deutsche Reich!" Oe ft er r.-Ungar. Monarchie. Wien. Baron Albert Rothschild hat zum Gedächtnisse an seine verstorbene Gattin eine „Bettina-Stiftung" im Rahmen der k. k. Krankenanstaltenfonds zu Wien errichtet. Aus den Mitteln dieser Stiftung in der Höhe von 500,000 fl. wurde soeben bei dem k. k. Kaiserin Elisabeth-Spitale im XIV. Wiener Gemeindebezirke (Rudolphsheim) mit dem Baue eines neuen Krankenpavillons für die besondere Behandlung leidender Frauen begonnen. Ursprünglich beabsichtigte Baron Albert Rothschild, an der Peripherie der Stadt ein besonderes Frauenspital, vornehmlich für krebsleidende Kranke zu errichten; dieser Absicht stellten sich jedoch mancherlei Schwierigkeiten entgegen, und so entschloß sich der Stifter, ein Heilinstitut im Anschlüsse an eine der großen k. k. Krankenanstalten in Wien zu erbauen und zu diesem Behufe den Betrag von einer halben Million dem k. k. Krankenanstaltenfonds zur Verwirklichung des humanen Zweckes zu übergeben. Nachdem der Kaiser diese wohlthätige Widmung mit dem Ausdrucke des a. h. Wohlgefallens zur Kenntntß genommen und die Ermächtigung ertheilt hatte, dieselbe für den Wiener k. k. Krankenanstaltenfonds zu übernehmen und auf dem zur Erweiterung des Kaiserin-Elisabeth-Spitales vom genannten Fonds erworbenen Grundcomplexe in Rudolphsheim zur Durchführung zu bringen, wurde der diesbezüglich Stiftbrief ausgefertigt. Nach demselben wird aus einem Theile des Stiftungskopitales im Anschlüsse an das den Namen der Kaiserin führende neuerbaute und mit allen Anforderungen moderner Bautechnik und Hygiene entsprechend hergestellte k. k. Kaiserin-Elisabeth-Spital, und zwar auf dem Grundcomplexe zwischen diesem Spttale und der Felberstraße, inmitten einer Gartenanlage ein besonderer Krankenpavillon mit einem Belegraume für 60 Betten erbaut. In diesem Pavillon wird eine Spitals-Abtheilung für kranke Frauen ohne Unterschied der Nationalität und Confession untergebracht werden. > Vermischtes. <4- Wien, 24. Sept. Am Montag begann vor dem hiesigen Schwurgerichte der Prozeß Beider. Der Angeklagte, Edgar Hermann Beider, ein hervorragender antisemitischer Parteimann, wurde der Erpressung und falschen Zeugenaussage für schuldig erklärt und zu acht Monaten schweren Kerkers verurtheilt. Feuilleton. Estertra, Königin von Aoten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 33.) (Nachdruck verboten.) Der König war ernst und nachdenklich geworden. „Dein Blick geht weit," sagte er nachdenklich, „und es mag wahr sein, was Du redest. Noch nie habe ich es so tief bedacht, und wenn irgend möglich, will ich alles thun, um Israel auch für künftige Zeiten hin zu helfen. Du bist ja klug, Elischa. sprich frei zu mir, auf welche Weise ich Dein Begehren erfüllen kann, um Deinen Stammgenossen Ruhe und Frieden zu verschaffen für alle Zukunft." „Run denn," fuhr Elischa fort, „so höre meine Bitte, o Herr! Du hast ein großes Land erobert zu Deinem Reiche, Du hast eine neue weite Provinz Deinen Staaten einverleibt. „Die Bewohner derselben sind zum Thetl entflohen, oder im Krieg umgekommen, und weite Strecken stehen verödet. Aber auch sonst waren da Länderstrecken in demselben, die niemals den Acker, noch den Pflug gesehen haben." „So begehrst Du eine Landesstrecke zum Besitz, mit Freuden will ich es Dir gewähren", unterbrach ihn Kasimir. „Nein, mein König," entgegnete Elischa, „das ist wohl ein Theil dessen, um was ich Dich bitten will, doch es ist nur der geringste Theil desselben. Ich begehre nichts für mich, wohl aber für Juda, und was ich will, mein König, das ist Freiheit! Freiheit! Gabst Du doch den Grusiern einen weiten Länderstrich, den sie in Freiheit und Unabhängigkeit bewohnen dürfen, nur tributpflichtig Deinem gewaltigen Scepter, nur Vasallen Deiner Krone. „O, mein Herr und König, blicke gnädig auf mich und öffne Dein Ohr meiner Bitte, das ist es, was ich begehre:

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