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Der Israelit · 1894-09-27 · Heft 77-78 (27.9.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 77-78 (27.9.1894)
Date
1894-09-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1434 Rahel zeigt, die um ihre Kinder weint, — ach gerade die von ihr stammenden Josephstämme waren ja die ersten im Abfalle! — Die unserem Blicke entschwundenen, dem vom Himmel niederschauenden Mutierauge sind ste nicht entschwunden, sie schaut ihre Kinder, aber die Mutter vermißt den Vater, sie vermißt Gott im Hause, im Leben, im Herzen ihrer Kinder. — „Er ist nicht das-" Deshalb „weigert ste sich Trost anzunehmen."- Rahel ist auch unsere Mutter, ihre Kinder sind auch unsere Brüder. Am Rosch haschana gedenken wir ihrer uud sehnen die Zeit der Wiedervereinigung herbei. Aber einer Vereinigung, wie Gott sie verheißen. Nicht etwa, daß wir dem Abfall Ephraims entgegenkämen. Vielmehr an dem Tage, da wir uns vor Gott prüfen und ernst an uns arbeiten, immer mehr in Wahrheit Söhne und Töchter Zions zu werden, blicken wir auf die Zeit hin, wo auch sie: otoA cm „als Kinder zu ihrer ureigenen Heimat," auf den Boden des Gottesgesetzes zurückkehren. DaS ist der Etnigungs-, das der Friedensgedanke, der an jedem Jahresanfang die treugebliebenen und an ihrer Befestigung in der Treue arbeitenden Söhne Juda's die Zeit ihrer Vereinigung mit allen ihren Brüdern vom Hause Israel erhoffen und im Gebete vor Gott herbeisehnen läßt. Dieser Artikel ist dem im Drucke befindlichen Werke des Verf. „Uebersetzung und Erklärung der Haftorot" entnommen und bildet die Einleitung des CommentareS zur Haftora des zweiten Tages Rosch haschana. Wir wären dem Herrn Verf. zu lebhaftem Dank verpflichtet, wenn er uns noch weitere Beiträge aus diesem Werk zur Verfügung stellte. - Red. Gedruckte Rosch-Haschono-Miinsche. Unsere Neujahrswünsche haben so große Dimensionen angenommen, daß die Wünschenden sie nicht mehr allein bewältigen können und eine ganze Industrie sich gebildet hat, in welcher Buchdrucker und Lithographen uns wacker unter die Arme greifen, um unsere Wünsche in mehr oder weniger geschmackvolle Form zu kleiden. Formell läßt sich dagegen wenig sagen. Daß der Druck die Schrift mehr als vollständig ersetzt, gilt unseren Gesetzeslehrern als etwas so feststehendes, daß sie sogar religionsgesetzlich entscheiden: ttyra D*n nb»»p Öra dkg Tsn n"w amax pa) x»n xnv^j/a. Aber selbst zugegeben, daß für Vervielfältigung heiliger Schriften die gedruckten Buchstaben den geschriebenen vollkommen ebenbürtig sind, so kann man doch kaum darüber im Zweifel sein, daß die von uns selbst geschriebenen Schriftzüge ein treuerer Dollmetsch unserer Herzenswünsche sind als diejenigen, welche der Buchdrucker für unS zu Papier bringt. Aber cs wird heute so viel gewünscht, daß die Arbeit ohne Schablone für viele kaum zu erledigen ist. Eine Arbeit ist dieser Wunsch- Sport in der That geworden und zwar eine solche, die ihre recht ernste Bedenken hat. Wohl finden wir die brieflichen Glückwünsche bet unseren späteren Gesetzeslehrern erwähnt, aber die Wunschmanie unserer Tage muß doch als starke Uebertreibung des von unseren Lehrern verlangten, bezeichnet werden. —Die diesbezügliche Erinnerung lautet: r-nJN d'in anuBO onmn dv ny Ww d»j»d vby »pna xn» idids ix lnbnna b iaii> 'nnnb □nnnbt ananfc nair£ own pn »dg naw inaai . OG1D D"k1 TÖD3 „„Wenn man von Ellul Eintritt an bis Jom- Kippur einen Brief schreibt, so soll derselbe am Eingang oder am Schluß eine Andeutung enthalten, daß man für den Brief-Empfänger betet. Man spricht den Segen aus, der Betreffende möge in den Tagen des Gerichts, welche zum Guten herankommen, eingeschrieben und besiegelt werden in dem Buche eines guten Lebens." Hier werden also die Rosch-Haschono-Wünsche ganz en passant behandelt und nur demjenigen zur Pflicht gemacht, der ohnedies einen Brief zu schreiben hat, Gratulationsbrtefe ad hoc sind hier ausgeschlossen. Selbst die einem solchen Briefe betgegebenen Wünsche werden nur andeutungsweise — — betgefügt. Ob die Knappheit der Altvorderen oder die moderne breitspurige Wortfülle für eine größere, tiefere Innigkeit der Wünsche spricht? Wir glauben, daß gerade ein übervolles Herz in seiner Fluth sich selber Schranken zieht und dieselbe maßvoll einhält, während ein seichtes Wellensprünge machen muß, um zu zeigen, daß es noch lebt. Die aufrichtige, gegenseitige treue Anhänglichkeit versteht sich ohne viel Worte unb Förmlichkeiten, die Unaufrichtigkeit und Falschheit dagegen braucht einen ganzen Aufwand von Höflichkeit, zur Schau getragene Liebenswürdigkeit und Etiquette, um ihre Opfer zu täuschen. — So glauben wir auch, daß es um die Aufrichtigkeit unserer Wünsche schlecht bestellt wäre, wenn sie keine andere Legitimation als die elegante Ausstattung unserer Glückwunschkarten hätte. Wir glauben ferner, daß diejenigen, welche wirklich durchdrungen find, von den naia^ D'xnn pn »01 von „Tagen der Verantwortung, die zum Guten herankommen mögen", daß diese wenig Zeit und Muße für den Glückwunsch-Apparat übrig haben, der heutzutage um die Zeit vor rmi kw-i in Bewegung gesetzt wird. Diejenigen aber, welchen das Verfländniß für die Bedeutsamkeit der „furchtbaren Tage" abhanden

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