Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 77-78 (27.9.1894)
- Date
- 1894-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448483--39359-2487507- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXXt. Jahrgang. M 77 & 78. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orlhodore Iudenlßum. Bkgründet von Br. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 27. September 5654 (1894). Da mit dem 1. Ott. 1894 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten' Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das AbonnemeüA frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Pvst^ zeitungsliste pro 1894 eingetragen unter Nr. 8894. Wir geben heute eine Doppel-Nummer, da des hl. Neujahrsfestes wegen die nächste Nnrn^- mer Donnerstag, den 4. Oktober erscheint. Leitende Artikel. Zum zweiten Hage Wo sch ßaschana. von Direktor Dr. Mendel Hirsch, Frankfurt a. M. Trost und Ermuthigung tönt dem ins Exil gewiesenen Israel aus dem Prophetenworte der Haftora entgegen. Wie einst „in der Wüste," „dem Feindesschwerte kaum entronnen," es „gewährungswürdig" in Gottes Augen wurde und dem Augenblick seiner höchsten Beseligung am Sinai entgegenging: so vernehmen wir, in die Wüste der Völker verwiesen, „aus der Ferne" das Verheißungswort unseres Gottes, daß: der ntedergeriffen einst wieder aufbauen werde, daß alle Zeiten hindurch er mit ewiger Liebe uns umfange und jedes Wort seines Gesetzes ein mächtiges Band der Liebe sei, uns mit ihm zu verbinden. Wenn erst „aus der Ferne" und durch die trüben Erfahrungen der Gottesferne uns Gott in seiner Herrlichkeit aufgegangen und wir sein Gesetz als dieses Liebesband begriffen und anerkannt, dann ist die Prüfungszeit und die Leidensschule zu Ende, und die Stunde beglückender Heimkehr hat geschlagen. — Doch das sind Gedanken, die auch in so vielen anderen Aussprüchen der Propheten zum Ausdruck kommen. Der Grund, für weshalb gerade dieses Kapitel zur Haftora am Rosch haschana gewählt worden, liegt tiefer. Die Wahl ist von einer unendlich zarten Rücksicht, vom tiefsten Brudergefühl bestimmt worden. Die wir am Rosch haschana als Glieder des Jakobshauses vor unserem Vater versammelt sind, ja alle, die wir seit zwei Jahrtausenden als unsere jüdischen Brüder kennen, die Träger der Uebev»? lieferung, die Lehrer unseres Volkes, die Ordner' unserer Gebete, wir alle entstammen den Exilierten des Reiches Juda. Die zehn Bruderstämme, die schon früh das Band des Gesetzes lösten, eigentlich nie von ihm innig umschlungen waren, haben schon früh das Vaterhaus verlassen, verschollen sind sie seit Jahrtausenden. Nur als die zuerst vom Gottesgesetze Abgefallenen, zuerst von Zion Losgelösten, in die Nacht des Götzendienstes Zurückgesunkenen, aber auch zuerst von dem selbst heraufbeschworenen Geschicke Ereilten leben sie in unserer Erinnerung. Ist es da nun nicht ein Zug von ergreifender Innigkeit, daß die weisen Ordner unseres Gottesdienstes Sorge getragen haben, daß die am Rosch haschana vor ihrem Gotte versammelten Söhne Juda's, nachdem vor ihrem inneren Auge die Gestalten der großen Ahnen Abraham und Jtzchak auf Moriahs Höhe als die ewig leuchtenden Vorbilder aufgestiegen sind, nunmehr auch ihrer verschollenen Brüder in Liebe gedenken? Dazu wählten sie das Prophetenwort, das wie kein zweites gerade die einstige Rückkehr auch dieser so lange entfremdeten Kinder des Jakobshauses verkündet, das sie schauet, wie sie „vom Berge Schomron" — achabitischen Andenkens! — „hinaufziehen nach Zion, zu Gott unserem Gotte!" — Das uns „Ephraim, von dem der Abfall ausgegangen, als Gottes „Erstgeborenen" zeigt und „Israel" als „in das Ktndschaftsverhältnis! zu Gott zurück getreten". — DaS uns unsere Mutter