Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 76 (24.9.1894)
- Date
- 1894-09-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1426 \ ein! Durch Eintracht und Liebe wollen wir uns gemeinsam erfreuen und durch Friedlichkeit Dir stets von Neuem den Dank für unser Dasein bieten. Hoffnungsvoll regt sich's in uns, daß Du unser Elend von uns nehmen wirst, daß der Mangel von uns weicht und wir ohne Sorge auf den nächsten Tag bl'cken! Du hebst aus dem Staube die Armen hervor, Du scheuchest die Thränen und bringst Freude. Du sendest die Krankheit, die den Menschen fesselt, von Dir kommt die Heilung, und wieder erhebt sich der Unglückliche! Buße und ernsthaftes Bekenntniß der Sünde, inniges Gebet, der Andacht und des freudigen Vertrauens voll, und Wohlthätigkcit, mit unserm Gut und Rath den Menschen betzustehen — das sind unsere Fürsprecher in der Stunde des Gerichts. Du wirft uns voll Hoffnungen in unsere Wohnungen zurückkehren lassen, und ein neues Leben wird die Folge Deines Rtchterspruchs sein! ZeitnttgSuachrichten stttb Correfpondenzeu. Deutschland. Frankfurt a. M. Das Abendblatt der Frankfurter Zeitung vom 20. e. enthält folgende lehrreiche Notiz: Gestern Nachmittag ließ ein in der Fahrgasse wohnhafter Metzger einen langen Bullen schlachten. Mehrere wuchtige Beilhiebe reichten nicht hin, das Thier zu fällen oder zu betäuben. Man entschloß sich nun, die Schußmaske zu benutzen. Der erste Schuß brachte den Bullen immer noch nicht zu Fall, sondern verwundete ihn nur schwer am Kopfe. Erst ein zweiter Schuß streckte das Thier endlich zu Boden. Zwischen dem ersten und zweiten Schuß waren etwa fünf Minuten verflossen! Schade, daß der Berner Congreß schon vorüber! Berlin, 21. Sept. Ein ergötzlicher Concurrenzneid-Kampf entwickelt sich seit einigen Tagen in den antisemitischen Blättern, die sich gegenseitig der Frevelthat beschuldigen, Annoncen von Juden und Judengenoffen im Anzeigetheil veröffentlicht zu haben. So benutzt „Frei-Deutschland" seinen Briefkasten, um der „Volksrundschau" Eins auszuwischen. Dieses Blatt ist nämlich so „unteutsch" gewesen, eine Annonce von Isidor Katz aufzunehmen. Von Isidor Katz — entschlich!! „Frei Deutschland" schreibt darüber im Briefkasten: „Es fällt Ihnen auf, daß Isidor Katz in der „Volksrundschau" anzeigt und das Blatt diese Annonce noch aufnimmt? Uns fällt dabei nichts auf." Das Schönste hierbei ist aber, daß „Fret-Deutschland" selbst eine Annonce der Singspielhalle von Süßmilch aus der Chausseestraße ausgenommen hat. Merkwürdigerweise hat die „Volksrundschau" dies noch nicht herausgeschnüffelt. Vielleicht benutzt sie diesen Hinweis, um sich „Frei-Deutschland" gegenüber zu revanchiren und diesem Blatt den „Süßmilch" mit gebührender Entrüstung vorzuwerfen. Erlangen, 13. Sept. Die hiesige israelitische Kultusverwaltung strebt die Erbauung eines Synagogengebäudes an und sucht Zwecks Aufbringung der Mittel um Eclaubniß zur Veranstaltung einer Collekte in den Synagogen Bayerns nach. Der Magistrat beschloß heute, das Gesuch der kgl. Negierung befürwortend zu unterbreiten. Schleswig, IO. September. Am Freitag und Sonnabend fand in Naven's Hotel die Generalversammlung der schleswig-holsteinischen Thierärzte statt. Von den gehaltenen Vorträgen erwähnen wir den des Herrn Polizeithierarzt Fenner aus Lübeck über: „Ist der Kampf gegen das Schächten der Thiere nach jüdischer Methode vom veterinärmedizinischen Standpunkt betrachtet, gerechtfertigt?" Derselbe knüpft an die Bewegung, welche von den Thierschutzvereinen dagegen ausgegangen sei. Freilich spiele der Antsemitismus auch eine Rolle. Das Schächten an sich sei nicht verwerflich, jedoch das Niederwerfen des Thieres, welches, von unkundiger und roher Hand ausgeführt, an Thierquälerei grenze. Das Niederschlagen des Schlachtthieres fei aber auch nicht viel besser, zumal, wenn es von roher Hand verrichtet werde. Er stimme daher für Beibehalten der Schächtung, wenn dafür gesorgt werde, daß das Grauenhafte dabei vermieden werde. Der Vorsitzende sprach sich für die Abschaffung aus und es entwickelte sich nun eine lange Verhandlung hierüber, woraus hervorgkng, daß man gegen die Sache an sich nichts eiuzuwenden habe, nur wollen einige vor dem tödtlichen Schnitt erst eine Betäubung des Thieres. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Hamburg gewählt. Holland. Amsterdam. Der traurige Held aus dem unseligen Drama von Tisza-Eszlar schmählichen Andenkens hat sich am 1. d. M. nach New-Uork eingeschifft, nachdem er durch 10 Jahre in Amsterdam das Diamantenschleifen erlernt und ausgeübt hat. Sein Chef, der seine Schleiferei nach Amerika verlegt, hat ihn für dort engagiert. Dem „Ung. Jsr.", welchem einige Briefe, die Moritz Scharf an seine Eltern gerichtet hat, zur Verfügung gestellt wurden, entnehmen wir dessen Abschiedsschreiben, das aus der Quelle tiefer Empfindung, unversiegbarer Kindes- und Bruderliebe und wurmender Reue geschöpft zu sein scheint. So schreibt er: „Meine Seele ist für immer befleckt, stets wird