Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 76 (24.9.1894)
- Date
- 1894-09-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1424 „Dies Alles habe ich tief empfunden," unterbrach Kasimir diese Rede, „und mein königliches Bestreben ist es bisher gewesen, Recht zu üben in meinen Staaten, und was mir nur möglich war, den Juden Gutes zu erweisen, das habe ich gethan, das wirst Du anerkennen, Elischa." „Ja, das hast Du gethan," rief Elischa, „und mit heißem Danke erkennen wir das Alles an, aber was Du bis jetzt zu thun vermochtest, es genügt nicht, uns Ruhe und Sicherheit zu gewähren, und nach Ruhe und Sicherheit, nach Frieden lechzen wir, wie der Hirsch nach der Wafferquelle. O laffe das, was ich jetzt reden werde, in Deine große Seele dringen und Dich antreiben zu einem großen und nie gesehenen Werke. Latz die Sonne Deiner Gnade uns scheinen, wie sie uns nie geschienen, seitdem der Tempel Juda's in Asche sank. „Wohl hast Du Freiheit uns gewährt in Deinen Staaten, aber auch Du bist nur ein Mensch, und auch Du mußt einstmals, noch ferne, ferne möge es von Dir sein, der Natur ihre Schuld bezahlen und hinweg gehen von dieser Erde. Wer soll dann Juda schützen? Oh, ich sehe es kommen im Geiste, was sein wird in der Zukunft. Unter Deinem milden Scepter strömen von der ganzen Welt her die Juden nach Polen. Nicht lange wird es dauern und der größte Theil meiner Stammesgenoffen, ja vielleicht Alle sind hier vereint. „Und nach Dir wird ein andrer Herrscher kommen, der die Juden peinigt und knechtet, und dann wäre es vielleicht beffer, Du hättest uns in der Knechtschaft gelassen und in der Zerstreuung der vielen Länder des Erdreiches. Denn wenn ein böser Mensch die Kinder Israels vernichten will, so kann er immer nur wenige treffen, die unter seinem Scepter weilen. Hier aber wird sich binnen kurzem der größte Theil Israels vereinigt haben, und bedenke mein König, welche Noth, und welches Elend Du über Juda bringst, wenn sie nun auch hier in Polen verfolgt und geknechtet werden. Wenn ein neuer Herrscher auf den Thron steigt, der nichts weiß von Kasimir und seiner Güte, dann wird Polen, das jetzt das Land des Glückes ist für Israel zu einem Lande des Unglückes werden. Wir werden verkommen im Elend. Nur dadurch, daß uns hier die Freiheit gewährt ist einem jeden Gewerbe und einem jeden Stand anzugehören, nur dadurch kann sich die große Masse Israels erhalten, aber setze den Fall, daß Dein Nachfolger, selbst wenn er die Juden sonst nicht unterdrückt, auch in Polen jene Gesetze in Kraft treten läßt, wonach der Jude nur ein Hausirer oder Geldmakler werden darf. Bedenke in welches Elend dann Israel gerathen wird. „Für alle diese werden diese beiden Stände nicht ausreichen, denn nur durch die Zerstreuung ist es wöglich, daß in Deutschland Israel auf diese einzige Weise sein Dasein fristet. Hier aber wird in solchem Falle jeder Jude dem andern die Nahrung wegnehmen und trotzdem werden diese Gewerbe allein nicht für die ganze ungeheure Menge ausreichen. Das Elend der Juden in Polen wird so groß werden, wie es in Deutschland nie gewesen, und das Alles wirst Du verschuldet haben, König Kasimir, Du, indem Du das Beste gewollt hast." (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 28. Sept., 27. Elul. Sabbat-Anfang in Mainz 5 Uhr 45 Min. (M. E. Z.) Samstag, 29. Srpt., 28. Elul. ü’SSJ Sabbat-AuSgaug in Mainz 6 Uhr 55 Min. (M. E. Z.) Sonntag, 30. Sept., 29. Elul. rv'nn n"ny Feft'ags-Anfang in Mainz 5 Uhr 30 Min. (21. E. Z.) Montag, l. Oft., 1. Tischri. n"T! dv Dienstag» 2. Oft., 2. Tischri. n"Tl ‘2 DV FesitagS-AuSgaiig in Mainz 6 Uhr 40 Miu. (21. E. Z.) Mittwoch, 3. Off-, 3. Tischri. n,!?”U Dlä Ausgang des Fasttags 6 Uhr 40 Min. (21. E. Z.) Der „Israelit" erscheint wöchenüich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedermal in mindestens -wet Vogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 1- Reichs-Mark. Man abomrirt ganzjährig, halbjährig »der vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de» Onchhanörl ftt bestehe« bet L. g. S1 etu » cker« Lrl-stg, Doßplah IS. — Inserate 2b Pfennig die vtergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusenbung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 18 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Ei«« NStksendnnO Non an die Redactio« eingesandte» Manuskripte» findet nicht statt, «an bittet deshalb sich von allen Einsendnngen eine Eopie znrückznbehalte». 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Der Wandkalender wird nächster Nummer beigegeben werden.