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Der Israelit · 1894-09-24 · Heft 76 (24.9.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 76 (24.9.1894)
Date
1894-09-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1422 wenn sie es ausdrücklich verlangen, ihre Prüfungen an einem der nächstfolgenden Tage ablegen. So wird in Italien die jüd. Religion geachtet. A b e s s y n i e n. Massarrah. Seitdem unsere Stadt zu Italien gehört und so hier ein lebhafter Handel mit Europa und die vollste Sicherheit herrschen, kommen nicht nur von Zeit zu Zeit Falaschaskaufleute — unter den Falafchas versteht man bekanntlich die in Abeffynten lebenden Juden mit ihren besonderen Gebräuchen und besonderem Ritus — hieher, sondern einige derselben haben sich sogar hier schon angesiedelt, wo sie nun als Agenten für ihre Geschäftsfreunde in der Heimath fungiren. Dieselben sprechen alle das Amharische und hier fangen sie gewöhnlich an, auch das Italienische und das Arabische zu erlernen. Fragt man sie nach ihrer Nationalität, so antworten sie kurz und bündig: Habeschi (Abeffynier) oder Falascha; merken sie aber, daß sie es mit einem gebildeten Europäer oder gar mit einem Israeliten zu thun haben, so fügen sie dann oft auch vertraulich hinzu: „min sibt Jahud“ (vom Stamme Juda.) Das Wort „sibt“ bedeutet sowohl im Amharischen, wie auch im Arabischen: Stamm und ist dem Hebräischen: schebet ähnlich. Die Abeffynier lieben es nämlich, ihre Abstammung von den Kindern Jakobs herzuleiten, und repräsentirt der Stamm Juda unter ihnen den Adel. Das abeffynische Reichswappen besteht noch heute aus einem gekrönten Löwen, der eine Fahne schwingt, unter dem dann eine Legende in amharischer Sprache steht, welche lautet: „Der Löwe aus dem Stamme Juda siegt." Diesen Adel, von Juda selbst abzustammen, nehmen nun die Falaschas für sich in Anspruch. Ihre Kleidung hier besteht gewöhnlich aus Hemd und Beinkleid, während ein Fez den Kopf bedeckt. Den Oberkörper hüllen sie dann noch in ein dunkles Tuch, das sie vorn an der Brust zusammenheften. Nur wenige derselben haben ihre Frauen mit sich, und pflegen sie daher von Zeit zu Zeit ihre Familien in ihrer Heimath, die sich in der Provinz Zemen befindet, aufzusuchen. Ihre Nahrung hier besteht gewöhnlich aus Fischen und Vegetabilien. Hie und da genießen sie auch Hammelfleisch, das sie gewöhnlich bei einem mohamedanischen Fleischhauer kaufen, oder sie schlachten die Thiere selbst. Die Ctrcumciston beachten sie ebenso strenge, wie alle Abeffynier und vollziehen sie dieselbe erst einige Wochen, oft sogar erst Monate nach der Geburt. Sie hängen mit besonderer Liebe an ihrer Heimath, da sie dort unter sich sind und nach ihrer Weise leben können. Auch besitzt ihre Heimath, welche die abeffynische Schweiz genannt wird, ein mildes Klima, während hier in Maffauah die Hitze eine furchtbare ist. üetti He ton* Esterka, Königin von 'Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 32.) (Nachdruck verboten.) Es folgten nun Stunden unnennbaren Glückes für den König und Esther. Lange saßen sie kosend bei einander. Sie redeten nichts mehr, sie schauten sich nur an und aus den Augen fluteten die Seelen dieser beiden edlen Menschen in einander über. Aber schon bald pochte die vernachlässigte Welt wieder an die Thüre. Jene Welt, die später sich so sehr rächen sollte dafür, daß die beiden Liebenden sie vergessen hatten, und die wuchtig und kalt eindringen sollte in das junge Glück der Liebe, um die zarten Blüten zu zerstören, noch ehe sie sich ganz entfalten konnten. Die Diener hatten es nicht gewagt, den König während dieser Stunden zu stören. Das ganze Schloß aber war angefüllt von hohen Würdenträgern und von den Spitzen der Bürgerschaft und der Adeligen, um dem König Glückwünsche abzustatten, und um alle die Bitten und Beschwerden ihm zu Füßen zu legen, die sich während der langen Zeit seiner Abwesenheit in der Hauptstadt angesammelt hatten. Lange, lange Zeit, hatten sie Alle schon gewartet, und der König war nicht erschienen. Da endlich hatte es der Ober-Zeremonienmeister des Hofes für seine Pflicht gehalten zum König zu gehen und ihm zu sagen, daß es wohl nicht mit den Pflichten des Thrones vereinbar wäre, die hohen Würdenträger noch länger auf den Monarchen warten zu lassen. Und so bat denn König Kasimir, der stets erfüllt war von dem Bewußtsein seiner Pflicht, wenn die Leidenschaft ihn nicht fortriß, so bat er denn Esther zu verweilen, während er in möglichst schneller Zeit alle die abfertigen wollte, die nach ihm begehrten. Und wie er es sich vorgenommen, führte er es aus. Nur einer war in dem Thronsaale, den er nicht nach wenigen und kurzen Worten entließ wie die Andern, und dieser Eine war Elischa. Kasimir bat ihn zu verharren, bis alle andern gegangen waren. Und als ihn Kasimir dann ansah, dachte er an Esther und die reiche Gebelaune, die über uns zu kommen pflegt, wenn uns ein hohes Glück zu Thetl geworden, erfüllte den König in diesem Augenblicke. Und er eilte zu Elischa, und streckte ihm beide Hände entgegen und rief:

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