Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 76 (24.9.1894)
- Date
- 1894-09-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1421 Probenummer erscheinen soll. Wegen des vor zwei Jahren hier begründeten Verkaufsbureaus, zu dem jede Ortsgruppe 25 Mark beisteuerte, soll eine neue Versammlung einberufen werden, weil die Verhältnisse des Bureaus nicht ganz klar sind. Die Generalversammlung war gut besucht. Es mochten 180—190 Ortsgruppen des Mitteldeutschen Bauernvereins vertreten sein. Aus Westphalen. Der Vorsitzende dcs Ausschusses des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Weflphalens Herr M. Katzen ft ein berichtigt in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums einige meiner statistischen Angaben. Der Verband zähle nicht einige zwanzig, sondern 36 Gemeinden und die Gesammt-Seelenzahl des Verbands repräsentire nicht 8500, sondern mehr als 9000. Indem ich Herrn Katzenstein für die Richtigstellung des einzigen Unrichtigen in meiner Darstellung bestens danke, möge mir die Bemerkung gestattet sein, daß ich noch dankbarer gewesen wäre, wenn er über den Kern dtssen, worum es sich handelt, in der Lage gewesen wäre, mich zu berichtigen. Aber die Mittheilung, daß der religiöse Leichtsinn und der Verrath an dem von den Vätern überkommenen Heiligthum noch mehr Gemeinden und Seelen ergriffen hat, als ich glaubte, ist leider mehr eine Bestätigung der ernsten Situation als eine Berichtigung. Herr Katzenstein findet ferner, daß meine Auslassunaen jeder sachlichen Begründung entbehren. Wer bei der innigen, mahnenden Bitte, keinen Riß in das zerstreute Israel zu reißen, den Antisemiten nicht in die Hände zu arbeiten und all den Bedenken, die eine Serie von fünf Abhandlungen zur Sprache brachte, keine sachliche Begründung findet, der bestätigt leider die Ausführungen, die er berichtigen möchte in einer Weise, daß darüber kein Wort weiter verloren zu werden braucht. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wöen, 18. Sept. (Jerusalem in Holz geschnitzt.) Ein Kunstwerk ersten Ranges, Jerusalem in Holz geschnitzt, ist zur Zeit im II. Bezirke zur Schau gestellt. Das Holz-Tableau ist. ca. zwölf Meter lang und ungefähr drei Meter hoch. Der Holzbildhauer Franz Stulger. der nicht mehr am Leben weilt, arbeitete 38 Jahre an der Fertigstellung des Werkes, welches nach einem im Vatican befindlichen Gemälde modellirt wurde. Im Hintergründe des Bildes sieht man, vorzüglich plastisch ausgesührt, den Oelberg und die die Hauptstadt umgebende Mauer aus alter Zeit, von der heute noch ein großer Theil steht. Man sieht auch auf dem Tableau die Prachtgebäude der Hauptstadt Palästinas, dann die längs der Mauer sich hinziehenden Villen und Gärten. Sehr gut find die großartigen Aquäducie, Cisternen und Kasernen dargestellt. Für das Kunstwerk gibt sich fitzt schon ein großes Interesse kund und wurde dasselbe von vielen Gelehrten besichtigt. Pest. Vielfach wird, wie schon berichtet, bemerkt, daß die israelitische Deputation diesmal zum ersten Male in der Reihe der Kultusdeputationen empfangen wurde; man deutet dies dahin, daß der König damit das Rcceptlonsgesetz bereits ebenfalls als fait accompli fyabt anerkennen wollen. Ebenso wird bemerkt, daß der Kaiser gerade zu der israelitischen D-Putation sagte, in seinem Herzen bilde der Unterschied der Religion gegenüber seinen Völkern keine Scheidewand. Der „P. Lloyd" meint, dieses Wort solle auch in Cisleithanien beherzigt werden. Thatsächlich werden auf beiden Seiten gerade von Denjenigen, die die Köntgstreue gepachtet zu haben glauben, die größten Anstrengungen gemacht, um die Scheidewand nicht blos beizubehalten, sondern sogar zu verstärken. Rußland. Petersburg, 15. Sept. In einigen Gegenden sind Juden, die auf den öffentlichen Auktionen Staatswaldungen zum Abholzen erstanden hatten, von der örtlichen Polizei nicht in die Wälder gelassen worden, da Juden in der betreffenden Gegend nicht das Recht hätten, außerhalb der Städte und Flecken zu wohnen. Da hierdurch auch der Staat Verluste erleidet, so ist verfügt worden, daß solche Israeliten für die Frist, in der das Abholzen der Wälder erfolgen muß, bedingungslos das Recht haben, sich zeitweilig in dem betreffenden Rayon aufzuhalten, deßgleichen auch die Kommis des Käufers; letztere dürfen jedoch die Anzahl nicht übersteigen, die der Kaufmann nach seinen Handelspapieren zu halten berechtigt ist. Italien. Rom, 19. September. Heute habe ich Ihnen einen schönen Zug von Hochachtung der jüd. Religion von Seite unseres Unterrichtsministers Commendatore Baccel l i zu melden. Derselbe hatte nämlich die Maturitätsprüfungen für die Lyceen und zwar die schriftlichen für den 2. 4. und 5. October ausgeschrieben, so daß die jüd. Maturanden am Rosch-Haschanah (Neujahrsfiste) hätten schreiben müssen. Ueber Ansuchen unseres verehrten Oberrabbiners M o s e s L e w t E h r e n r e i ch hat Sr. Excellenz jedoch jetzt verfügt, daß die genannten Prüfungen am 3., 5. und 8. October stattfinden sollen. Die mündlichen Prüfungen dagegen finden, wie schon früher festgesetzt wurde, am 10. October statt, da aber an diesem Tage gerade der Versöhnungstag ist, so können die jüdischen Maturanden,