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Der Israelit · 1894-09-24 · Heft 76 (24.9.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 76 (24.9.1894)
Date
1894-09-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1418 fehlt wäre, wenn wir nichts Verdienstliches, Wackeres in unserem ganzen Thun und Lasten aufzuweisen hätten, daS für uns platdirte, diese bloßen Tage und ihre geschichtliche Bedeutung als psn D', reden eS uns in's Herz hinein: Gottes Wille ist stärker als unser Jrrthum und unsere Mangelhaftigkeit! Aber gerade deshalb sind diese Tage uns auch Vin ny in dem Sinne, daß sie an unseren Willen appelliren, daß sie das Bedürfniß wecken: der mächtig über uns waltenden Gottesliebe unseren schwachen, guten Willen zu zeigen und ihn durch die That zu bekunden. Dieses Bestreben ist es, das den Selichoth-Tagen ihre Signatur verleiht, indem es nach einem Ausdruck in den Selichoth-Gebeten ringt, welche diesen Tagen ihren Namen gegeben haben. Als gälte es den ihm noch beschiedenen Rest des scheidenden Jahres künstlich zu verlängern, finden diese Tage den Juden bereits gerüstet und mit seinen Brüdern im Gotteshause versammelt, bevor noch der erste Dämmerstrahl deS anbrechenden Morgens die Nacht durchdrungen. Das Bewußtsein der Verantwortung, die ihn in wenigen Tagen schon vor den Rtchterstuhl seines Herrn und Meisters fordert, läßt ihn nicht ruhen, und zieht mit unwiderstehlicher Macht durch nächtiges Dunkel in das erleuchtete Gotteshaus. Betend erwartet er das Schwinden der Nacht, betend grüßt ihn der Lichtstrahl des dämmernden Morgens, und wie jede Nacht zum hellen Tagesglanz sich empor ringt, so lernt er denselben lichten Ausgang für die trübste Gesunkenheit erhoffen, die ja nie so trübe und so gesunken sein kann, daß nicht ein Strahl von Gottes Vaterliebe auf sie fiele, der neu mit jedem Morgenlicht die Zuversicht belebt: "n.sa n'jmw Jeder neue Morgen ist ein neuer Garant der Gottesliebe, welche die Nacht und ihre Schrecken verscheucht. Lehrt die Nacht, die den Blick umflort und den Schritt verhüllt, auf Gott vertrauen, der über uns wacht, wenn wir von den Banden des Schlafs überwältigt, regungslos danieder liegen, so ist jeder neu anbrechende Morgen die glänzende Rechtfertigung dieses Vertrauens, die Bürgschaft der unerschöpflichen Gottesliebe. inon ipaa vmiS nWa Tritt so aber Gottes Liebe mit dem Frühstrahl eines jeden neuen Morgens in ihrer ganzen, das Universum umfaffenden, urmächtigen Wallung zu Tage — "du o»ömn npan miorio — so begreift sich der Hinweis unserer Altvordern — oi’n -iar6 nW>n Dy — auf diesen Moment der Tag- und Nacht-Scheide, als mächtig anregendes Mittel zur Festigung unseres Gottvertrauens und unserer Zuversicht auf Gottes Gnade, iremv |dj “>nieo nff*, die uns so sicher verbrieft ist, wie auf jede Nacht ein Morgen folgt. Aus dieser Anschauung fließen unsere mrtf>D; sie sind der treue Dollmetsch aller nächtigen Schrecken und der sie überwindenden GotteSgnade. Diese Gnade hebt uns über Nacht und Grauen zur unverlierbaren Lichthöhe empor, wenn uns nur das beschämende Bewußtsein unserer Gesunkenheit erst lebendig geworden ist. dubh rwa npnxn 'n Das eine Wörtchen *jV, das unsere ron^D einleitet, ist im Grunde genommen, die Ueberschrift, der Schlüssel für alles Folgende. Hat der Vater der Menschheit uns aus allen Völkern herausgegriffen, hat mit den Worten win onxi sich mit uns vermählt, wie mit 'b die Gattin das Heiligthum des Gatten wird, dann kann sich die Sehnsucht, das alte locker gewordene Band wieder neu zu festigen, in keinen prägnanteren Ausdruck kleiden, als in das dem göttlichen entsprechende menschliche f>. Vielleicht erhält dasselbe deßhalb auch in der üblichen Vortragsweise ganz selbstständig ohne Zusammenhang mit dem folgenden seine scharf nüanctrte Betonung. Und wenn unser ganzes zurückgelegtes Leben eine fortgesetzte Höhnung des ernsten, heiligen Bandes gewesen wäre, über welches Gott sein »b in der Stunde unserer Erwählung einst ausgesprochen, in dem Augenblick, in dem uns die Sehnsucht nach diesem Bande wieder ergreift, indem wir es uns geloben, daß uns fortan keine Macht der Erde von Gott und seinem Gesetze weglocken und wegdrohen solle, in demselben Augenblick, in dem wir vor Gott den ernsten Vorsatz fassen, von nun ab, Dein und nur Dein zu sein, von diesem Augenblicke an ist Gottes Wohlwollen bereit, uns in Liebe wieder aufzunehmen. Selbst die Scham auf unserem Antlitz, weit entfernt davon uns zur Beschämung zu gereichen, plaidirt als die treue Wächterin und Schützerin alles Guten und Edlen, als Mahnerin und Warnerin vor allem Schlechten und Gemeinen zu unseren Gunsten. Wer sich noch schämen kann, war noch nicht völlig schlecht. Die Tugend der DurD, die sich eines begangenen Unrechts noch schämen können, zählt unter die hervorragendsten jüdischen Cardinaltugenden. Wer sich nicht mehr schämen kann, den wird kein Gedanken an das 'b, mit welchem Gott sein Recht auf jede jüdische Seele geltend macht, von seinem verfehlten Leben aufscheuchen, um ein reuiges i? zu sprechen. Ja, wer sich nicht mehr schämen könnte, zu dessen Ahnen hat am Sinai jenes 'b niemals gesprochen! u’D m bv vrrüN nvy vbv y wa oue nttna H pw »d Vor diesen Gottesgedanken schwindet die Nacht. In dem Augenblick, in dem uns Gottes Allmacht

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